
22. DokFest München
Ein Kessel Buntes
08.05.2007, 10:00, Text:
Stefan Rambow, Foto: Stefan Rambow
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Das kleine, feine DokFest München präsentiert derzeit eine Art \\\\\\\\"Best-of\\\\\\\\" der Dokumentarfilmproduktion des letzten Jahres. Michael Moores Methoden werden enttarnt und man erfährt noch so einiges andere über das Weltgetriebe. Aktuell sind vom Team um Hermann Barth und Ulla Wessler rund 80 Filme ausgewählt worden, die ihre Premiere bereits auf der Berlinale, beim Sundance, in Austin oder Leipzig hatten und Politik und Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Unter den im Pop-Kontext interessanten Filmen ist dabei Ostdeutschland stark vertreten.
\\\\\\\\"Niemals, Alter. Ich komm aus Kreuzberg, Du Muschi...\\\\\\\\" Das dortige Prinzenbad ist im Sommer erste Anlaufstelle für Klara, Mina und Tanutscha. \\\\\\\\"Zwei Sachen: Kein Heroin und nicht schwanger werden..\\\\\\\\" Die modernen Berliner Gören und ihr knalliger verbaler Schlagabtausch untereinander, mit Jungens & Erwachsenen haben das Zeug zum Sommerhit: 'Prinzessinnenbad'. Die 32-jährige Regisseurin Bettina Blümner stellt sich nach den Vorführungen denn auch selbstbewusst vorfreudig ihrem Publikum.
Die beiden nächsten Filme halten Rückschau auf Kulturphänomene der früheren DDR. Dass Breakdance auch im Ostteil Deutschlands seine Spuren hinterlassen konnte, überrascht auf den ersten Blick. In Sachen Coolness, Mode und Popmusik wähnte man den Osten während der 80er doch endgültig hinterm Beat-Verbots- und FDJ-Mond. 'Here We Come' wirft einen sympathisierenden Blick auf \\\\\\\\"Stretch Breakers\\\\\\\\" wie DynaMike, Beatschmidt oder Magic Meyer und ihre im Arbeiter- und Bauernstaat so deplatzierte wie trotzige Begeisterung für Electric Boogie und Moonwalk. HomeVideo-Ausschnitte und Details wie die aufgeklebten Puma-Streifen auf der East-B-Boy-Montur machen die DigiBeta-Produktion amüsant und sehenswert.
Rockstar, Cowboy, Sozialist. Anhand solch griffiger Vermarktung von Dean Reeds bizarr wechselhaftem Leben zwischen Arafat- Bruderküssen und dem 'Kessel Buntes' könnte man meinen, auch der Titel 'Der rote Elvis' wäre reißerisch und absurd übertrieben geraten. Tatsächlich aber hat nicht erst eine vor kurzem erschienene Compilation mit frühen US-Aufnahmen dieses Schlagwort aufgegriffen, sondern Reed wurde bereits während seiner insbesondere als Agitator erfolgreichen Jahre in Südamerika so betitelt. Auch in den Ostblock-Staaten traf der vom Kreml protegierte Vorzeige-Sozialist aus Colorado auf begeisterte Menschenmassen, bis er 1972 aus privaten Gründen in die DDR übersiedelte. Hier fiel er mit seinem medioker-schmerzfreien Folk-Pathos als Schauspieler & Sänger, wie auch als regimetreuer Aktivist zunehmend aus der Zeit, bis ihm mangelndes Publikumsinteresse und seine dritte Ehefrau, die einst Gojko Mitic ausgespannte Renate Blume, so zusetzten, dass man ihn 1986 mitsamt Abschiedsbrief tot aus einem ostdeutschen See zog. Durch das jüngste -durch Tom Hanks/Steven Spielberg personifizierte- Hollywood-Interesse an diesem Stoff teils behindert, teils gepusht, setzte Regisseur Grün in einem 5-jährigen Arbeitsprozess Material aus der DDR, Südamerika und den USA zu einem sogar musikalisch gelungenen Film zusammen. Um zu vermeiden, dass \\\\\\\\"seine Musik sich irgendwann gegen den Film wendet\\\\\\\\", ließ Grün das Berliner Duo Monomango lediglich einen Loop von Reeds Gesang in deren Gitarren-Score einbauen.
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