Blumfeld live

Immer wieder: Lieblingslieder

16.04.2007, 15:02, Text: Peter Flore

13.04.07, Köln, Bürgerhaus Stollwerck.

Gegen halb zwölf an diesem vorzeitigen Sommerabend in Köln, künden die ewig gleichen Textzeilen vom Unvermeidlichen: \\"I'd a dream that we were rock stars/ And that flash bulbs popped the air/ And girls fainted, every time we shook our hair/ We were songbirds, we were Greek Gods/ We were singled out by fate/ We were quoted out of context - it was great. Grander than castles, cathedrals or stars / Electric guitars!\\" Jochen Distelmeyer hatte zuvor 'Verstärker' gespielt, eigentlich wie immer. Das Prefab Sprout-Zitat am Ende, gefolgt von 'Everytime we say goodbye' - und das war's dann also, endgültig. \\"Wir waren Blumfeld\\", sagt Distelmeyer, es folgt andächtiger Applaus und einen kurzen Moment lang dachte man, gleich kommt so eine Art Indie-Michael Mittermeier auf die Bühne und überreicht der Band noch den \\"Echo für das Lebenswerk\\". Oder so. Kommt aber nicht, Blumfeld gehen ab, das natürlich ausverkaufte Stollwerck applaudiert ehrerbietend zum Schlussakkord. Der aber dann doch keiner ist, denn es gibt noch 'Schmetterlings Gang' und schlussendlich 'Die Welt ist schön, obwohl das 'Verstärker'-Finale wohl das bessere, wenngleich vorhersehbarere Ende gewesen wäre.


Gut zwei Stunden zuvor hatte der Abend mit 'Draußen auf Kaution' angefangen und schon da schien klar, dass man das Blumfeld-Werk möglichst umfassend Revue passieren lassen wollte. Es ist brüllend heiß im Stollwerck, weil Distelmeyer, so ergibt die knallerharte Recherche nach dem Konzert, die Klimaanlage ausgeschaltet wissen wollte. Und alle paar folgenden Songs lang zelebrieren sie ihren Abschied: \\"Niemals geht man so ganz\\" heißt es schon nach ein paar Stücken, 'Das System kennt keine Grenzen', z.B. oder '2 oder 3 Dinge, die ich von dir weiß'.

Distelmeyer enthüllt jetzt zum Abgang dann auch noch das Geheimnis der Band: Obst. In Zukunft wird man auch den 'Apfelmann' zum wohl wichtigsten Beitrag zum deutschen Popdiskurs 2006 verklären. Schien es auf der letzten Tour zum eben auch letzen Album 'Verbotene Früchte' noch so, als nehme man derlei Kapriolen etwas schulterzuckend hin, wird gerade dieser so wenig greifbare Obst-Twist abgefeiert als gebe es kein Morgen mehr. Und es gibt ja auch keines mehr, obwohl schon hier und heute darüber spekuliert wird, wie und in welchem Rahmen sich Distelmeyer zurückmeldet. Allein, echte Überraschungen im Set bleiben Mangelware: 'Armer Irrer' gibt's als düstere Akustiknummer und was mit Mundharmonika als 'Jenseits von Jedem' beginnt, endet in 'Graue Wolken'. Schade, denn jenen epischen Titeltrack hätte zumindest ich noch einmal gerne live gehört. Zur ersten Zugabe, 'Tausend Tränen tief', gibt Jochen den Dandy, mit Zigarette und Handtuch um die Schultern. Auch wenn's das schon mal auf die Spitze getrieben im Bademantel gab: Nie war es schöner. 'Kommst Du mit in den Alltag?' - bereit, wenn Sie es sind.

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