
Intro Intim @ TDK Timewarp
Fusionierende Attitüden
28.03.2007, 10:03, Text:
Michael Hoh, Foto: Marc Seebode
26.03.07, Mannheim, Alte Feuerwache.
Mannheim, eine Stadt, die mehr die Reputation einer Industrielandschaft inne hat, als das kulturell florierende Zentrum Deutschlands zu sein. Schwer fällt es auch, sich der gängigen Meinung zu erwehren, wenn man sich der Stadt wahlweise über die A 656 oder im in Bahnhofsnähe verlangsamenden ICE nähert und Mannheim nur zu genau begutachten kann: vorbei am industriell in nichts nachstehenden Ludwigshafen bis hin zur kargen Daseinsform des Mannheimer Hafens. Wenig scheint übrig geblieben von der glorreichen Zeit Mannheims als kultureller Hochburg. Schillers Uraufführung der Räuber liegt ebenso lange zurück wie das kurze Gastschauspiel Mozarts, von dessen Verweildauer eine oxidierende Plakette in den Quadraten berichtet. Knappe 200 Jahre war Mannheim damals alt. In diesem Jahr feiert die Stadt ihren 400. Geburtstag. Zeit also die kulturelle Landschaft musikalisch etwas zu unterstützen. Im Rahmen des TDK Time Warp gab deshalb das sonst in Köln und Berlin residierende Intro Intim sein Debüt in der Alten Feuerwache Mannheim. Gewohnt vielschichtig fiel das Programm aus, hatte man doch Time-Warp-Festivalkonsumenten zu unterhalten, sowie die Intro-Indie- und HipHop-Gemeinde der Rhein-Neckar-Metropole.
Etwas unsicher wirkten die Erstankömmlinge, mussten sie sich doch erst einmal an die eklektizistische Intro-Intim-Kultur herantasten. Doch für eine ausgiebige Akklimatisierung blieb keine Zeit. Vier Bands waren schon pünktlich in den Startlöchern, um Mannheim in den Intro-Intim-Bann zu ziehen.
Karpatenhund sind an diesem Abend die ersten, auf die Scheinwerfer und Aufmerksamkeit gerichtet sind. Gekonnt souverän fordern sie mit The-Art-of-Indie-Pop-Attitüde auf, die Beine recht zügig in Bewegung zu setzten. Hatten sie doch laut Eigenaussage noch am selben Tag eine reichlich unschöne Begegnung mit den Freundeshelfern in Grün, die auf der A 61 so mir nichts dir nichts eine Band-Großrazzia veranstalteten. Doch angeschlagen wirkte keiner der Bandmitglieder nach den Strapazen, selbst der geschundene Fahrer nicht. Kein Wunder, seit Entdeckung der Band spielen sie ununterbrochen in den Vorprogrammen der Großen. Professionelle Züge schwappen da augenscheinlich sehr leicht über.
Next: Werle & Stankowski. Adios Schrammelgitarre, welcome Akustik-Folk vs. Breakbeatgefrickel galore. Ein kleiner Hauch von Meerbrise schwebt über den Köpfen (oder war es doch der Tanzschweiß?) als Stankowski zaghaft in die Saiten greift, Siebener-Akkorde durch die Lautsprecher schickt und dazu in Turin-Brakes-Manier seine Texte ins Mikro singt. Erstaunlich, wie simpel sich nur eine halbe Minute später Bass lastige Elektrobeats in den Gesamtsound einfügen und eine Einheit bildet, die man ehr selten als geglücktes Endergebnis präsentiert bekommt. Hyperaktiver Elektrofrickler vs. Folkansatz scheint ein Rezept zu sein, das bestens aufgeht. Das hatten Werle & Stankowski selbst wohl auch im Gespür, haben sie doch ihren freien Tag vom 2Raumwohnung-Vorprogramm mal eben sausen lassen, um beim Intro Intim vorbeizuschauen.
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