
Klaxons Live
Nix Rave, nur Rock
23.03.2007, 17:00, Text:
Daniel Koch
22.03.07, Berlin, Lido.
Nix mit New Rave. Muss man ja mal so feststellen. Die Klaxons sind einfach bloß clevere Rock-Bastarde, die sich diesen Hype selbstgestrickt haben. Mit eigens beschrifteter Schublade und mit dem grausigsten Modetrend, den die Neunziger hervorgebracht haben. Was zweifelsohne Spaß macht. Und die Klaxons geben ja selber zu, dass Sie sich das alles ausgedacht haben, nennen es gar \\"Rip-Off\\" und erklären, dass die Wahl auf Rave fiel, weil ja die Sechziger, Siebziger, Achtziger von der Popkultur ja schon mal komplett durchgenommen, pardon, durchrecyclet wurden.
Kurz hinter der Eingangstür bekomme ich mein orangefarbenes Neon-Armbändchen und gehöre jetzt also auch dazu. Bin ich mal für einen Abend New-Raver, zumindest am Handgelenk. Andere sind tiefer drin im Thema. Neonstäbchen fliegen durch die Gegend, grellpink, rotzgelb und schimmelblau bestimmen in künstlichen Farbtönen die Outfits der Eingeweihten. Was nur bedingt schön aussieht. Ich habe mich ja gerade erst schmerzhaft dran gewöhnen müssen, dass in Berlin jeder, der noch krummere Beine und noch weniger Arsch in der Hose hat als ich, sich in eine Röhrenjeans zwängt - jetzt muss man also auch noch unförmige Hinterteile in lilafarbigen Leopard-Leggins ertragen. Wo kauft man so was? Anyway, mutig ist das allemal. Und im Idealfall genauso ironisch gemeint, wie es die Klaxons angedacht haben.
Das Vorprogramm bestreiten die schottischen Bandbuddies XVectors aus Edinburgh. Affektierte Vocals treffen auf House-Beats, Popeinflüsse und Postpunk-Riffs, die Songs bleiben in meinen Ohren konturlos, bollern so vor sich her. Vielleicht tue ich ihnen Unrecht damit, oder sie sind einfach nicht meine Tasse Tee. Meine Konzertbegleitung sieht's nämlich komplett anders. Am Jubel gemessen, kann auch zumindest eine Hälfte des Publikums was mit ihnen anfangen. Hier könnt ihr euch selbst ein Urteil bilden. Ich halt' dann mal meinen Mund …
… und spreche lieber über die Klaxons. Die kommen erstaunlich normal gekleidet auf die Bühne und vergewaltigen gleich mit dem Track 'Bouncer' ihre Instrumente. Ein schöner Start: \\"NOT TONIGHT, YOU'RE NOT ON THE LIST! YOUR NAME'S NOT DOWN YOU'RE NOT COMING IN!\\" schreien die drei Frontmänner unisono und veranstalten mit Gitarre/Schlagzeug/Bass einen Höllenlärm. Das ist kein Rave, das ist verdammt noch mal Rock. Oder vielleicht Punk. Oder so. Auch der Text passt, da mal wieder die halbe Berliner-Medien-Welt auf der Gästeliste gestanden haben soll. Beim zweiten Track steigt dann zwar auch das Keyboard ein und sorgt für den Sirenensound, der 'Atlantis To Interzone' zu einem nervtötend-genialen Song macht, aber die Gitarren und der mehrstimmige Gesang bleiben im Vordergrund. Erstere können sie nicht wirklich gut spielen, muss man feststellen, aber dafür kicken die Vocals um so mehr. Falsett und Screamo-Parts ringen da um die Vorherrschaft, verpassen sich gelegentlich, rempeln aneinander und vereinen sich immer wieder mal zu melodischen Chören. Perfektioniert wird das bei 'Golden Skans' - DEM Hit, einer von vielen, aber der gerade aktuelle. Sie können es sich leisten, den im ersten Drittel des Sets zu verbraten.
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