LCD Soundsystem live

In Anführungszeichen

21.03.2007, 11:03, Text: Christian Steinbrink

19.03.07, Köln, Bürgerhaus Stollwerck.

Eine schmerzhafte Erfahrung sich verändernder politischer Realitäten: Im Stollwerck darf man nicht mehr rauchen. Vielleicht liegt das aber auch an den Holzbohlen im Fußboden, die allein ich schon ein paar Mal beinahe abgefackelt hätte. Von nun an darf man sich also auf eine nicht endende Karawane die Treppen runter vor die Tür und wieder rauf ins komfortable Foyer einstellen. Daran werden wir uns wohl gewöhnen. Mal sehen, was LCD Soundsystem dazu sagen.

Die haben ihre Szenerie auf der Bühne von zweimal zwei angeklebten knallroten und papiernen Anführungszeichen eingefasst. Was das wohl bedeuten soll? So etwas wie \\\\"wir nehmen uns nicht ganz ernst\\\\" oder \\\\"nehmt uns bloß nicht ganz ernst\\\\"? Oder \\\\"raucht doch\\\\"? Eine Erklärung gibt die Band von James Murphy an diesem Abend nicht ab. Planningtorock übrigens auch nicht, obwohl sie pünktlich um neun den unangekündigten Support gibt. In Köln war sie schon ein paar Mal, und jedes Mal war ihr Set nicht so ganz das, was man sich eine ganze halbe Stunde lang anschauen möchte. Ohne weitere Musiker hinter sich performt sie zu nervenaufreibend exaltiert für uns, irgendwo zwischen HipHop-Posing und Punk-Gestus. Die Musik kommt vom Band und klingt blechern. Jedenfalls die ersten zehn Minuten. Wer das genauer kennen lernen möchte, kann sich ja das auf Chicks On Speed Records erschienene Album anhören.


Eigentlich hätte man vom Konzert von LCD Soundsystem anlässlich ihres zweiten Albums 'Sound Of Silver' ein volles Haus in einer der großen Hallen der Stadt erwartet. Wahrscheinlich ist der Presse-Buzz und die Kunde von der Veröffentlichung aber noch nicht richtig heiß gelaufen, denn selbst das Stollwerck ist nicht ganz ausverkauft. Als die Band dann endlich zu sechst auf die Bühne kommt, ist es aber doch ziemlich voll. Murphy und seine Leute starten etwas schwerfällig mit eher fokussierten, gitarrenlastigen Stücken des neuen Albums. Die Richtung ist vorgegeben, aber auch das Publikum braucht etwas, um sich richtig einzugrooven. Und nach und nach entwickelt sich das, was auch schon LCD Soundsystems ersten Köln-Gig im Gebäude 9 (hier die Nachlese) so legendär machte. Nämlich ein fast schon unwirklicher Enthusiasmus im Publikum, ein Rave bis in die hintersten Reihen der Halle, getragen vom routinierten, aber so unglaublich passenden Sound der Band, dieser Mischung aus der Verweigerungshaltung des No Wave gegenüber Melodien, fast schon an Tribal House erinnernden Percussion-Wahnsinn und einem glasklaren Disco-Vibe.

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