
Duke Special Live
What's Up, Duke?
20.03.2007, 20:00, Text:
Alexander Dahas
19.03.07, Berlin, Lido.
Jemand hat mal geschrieben, Peter Wilson, der Mann, der Duke Special ist, sähe aus wie von der Band Soulfly, singe wie Rufus und schriebe Songs wie Noel Coward. Das wäre tatsächlich eine passende Beschreibung für den Mann, der sich mit seinen 'Songs From The Deep Forest' bereits in die Herzen derer gespielt hat, für die Klavier auch Rock'n'Roll ist.
Nicht, dass er an diesem Abend irgendwem vorgestellt werden müsste. Etliche der dreihundert Getreuen im Rund scheinen den Iren bereits von seinem Gastspiel als Support von Divine Comedy zu kennen, denn als Wilson einmal fragt, wer von damals heute anwesend sei, wird groß rumgebrüllt. Damals, verrät Wilson, hätte er gleich im Anschluss an seine Show einen Fashion-Award verleihen müssen, und sei deswegen auch schnieke angezogen gewesen, aber das war einmal. Heute muss man ein wenig Angst haben. Der Duke trägt Baggypants in Natogrün und dazu einen dunklen Doktor Schiwago-Mantel, der aufs Trefflichste zu seiner Rasta-Frisur passt.
Von der Optik her also irgendwo zwischen Ufoforscher und Alien vs. Predator. Auf der Bühne steht neben seinem Klavier eine phänomenal große Trommel, Indizien dafür, dass wir an diesem Abend immerhin doch nicht gefressen, sondern unterhalten werden sollen. Und um kurz nach zehn geht es auch schon los, zuerst am Akkordeon, dann mit der vollen Band. Die volle Band sieht insgesamt auch etwas verschroben aus, so als hätte sie auch schon einmal unter einer Brücke gewohnt, aber sie stellt sich als harmlos heraus. Sie ist zwar ziemlich laut, wippt dafür aber so lustig und synchron mit den Köpfen, dass man sich wenn nicht an die Muppets, so doch wenigstens an die Fraggles erinnert fühlt.
Diese saloppe Beschreibung sagt natürlich nichts über die formidable Musik aus, zu der Duke Special an diesem Abend aufgelegt sind. Peter Wilson hat eine schöne klare Stimme, und sein sympathisches Wesen nimmt das Publikum rasch und mühelos für ihn ein. Außerdem ist er ein Freund des gepflegten Konzertplauschs. In einer Minute spielt er also 'Last Night I Nearly Died', um in der nächsten über seine vorabendlichen Erlebnisse im Café Burger zu berichten. Offenbar hat sich die Band dort nämlich so wohl gefühlt, dass sich einzelne wildgewordene Mitglieder zu einer spontanen Zwei-Mann-Congaschlange formierten. Dann wird's kurz besinnlich. Der Strom der ermutigend fröhlich dahinrollenden Songs wird von 'Ballad Of A Broken Man' unterbrochen, vorgetragen nur von Klavier und Cello. Das Publikum hält andächtig inne und reagiert nachher mit dem enthusiastischsten Applaus. Auch wegen Thorsten, dem Landsmann am Streichinstrument. Sowieso ist die Fähigkeit von Duke Special, auf seinem Konzert den guten alten Spannungsbogen mal wieder hervorzukramen, unbedingt erwähnenswert. Der ausgelassen kokette Rhythmus von 'Portrait' bringt alle Anwesenden gekonnt zum Lächeln, das einfühlsame Elliott-Smith-Cover 'Baby Britain' berührt wiederum aufrichtig. Und dazwischen liegen nur Minuten.
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