Blood Red Shoes live

Bewundernswert viel Radau

11.03.2007, 11:58, Text: Alexander Dahas

09.03.07, Berlin, Rosis.

Eine schöne Sitte, von der wir hier in Deutschland regelmäßig profitieren, ist das Auf-Tournee-schicken so gut wie unbekannter Bands. Also derjenigen, die in England oder Amerika bereits für Hysterieausbrüche sorgen, Konzerte und Musikzeitschriften voll machen, und deren Mitglieder man schon beim Vornamen kennt. Die werden dann erbarmungslos dem heimischen Publikum entrissen, ins Flugzeug gesetzt und einmal quer durch den drittgrößten Plattenmarkt der Welt auf Tournee geschickt. Die Blood Red Shoes haben bisher außer ihrem schönen Namen lediglich vier Singles im UK draußen, von denen allerdings zwei schon wieder nicht mehr lieferbar sind. Das wird dann später mal wieder so ein typisches Sammlermärchen. Auch wenn ihr Debütalbum erst für Herbst (also nach der Frauenfußball-WM) angekündigt ist, hingen die Konzertplakate schon seit Wochen an exponierten Stellen von z.B. Berlin. Die darauf abgebildeten fotogenen Visagen von Laura-Mary und Steven (lest Vornamen zuerst bei Intro!) schienen zu sagen: Sei dein eigener A&R, entdecke uns und erzähle deinen Freunden davon - wir sind nämlich sexy und cool!


Sexy und cool ist auch das gemütliche Rosis am Ostkreuz, wo freitagabends auch Konzerte veranstaltet werden, wenn man früh genug kommt. Früh genug heißt hier um Mitternacht, mit den ganzen üblichen spießigen Afterwork-Terminen beschäftigt man sich hier nämlich nicht so gern. Dafür werden draußen bereits Bratwürste gegrillt, der Frühling ist schließlich im Anflug, und die Jugend bereits wieder leicht beschürzt. Circa 150 Leute haben sich eingefunden, um die Blood Red Shoes zu sehen, die an diesem Abend vorführen, was sie schon spielen können von ihrem Album. Erstens: sie spielen es laut. Besucher bestätigen mich nach dem Konzert in meiner Ansicht, dass die beiden bewundernswert viel Radau gemacht haben, wenn man bedenkt, dass sie eben nur zu zweit sind. Klar drängen sich da Vergleiche auf, zum Beispiel mit den White Stripes, oder auch mit den tollen Giant Drag, die die Mädchen-Jungs-Paarung ähnlich geschickt hinbekommen haben: Sie Gitarre, er Schlagzeug.

Nach ein paar einleitenden Worten auf Deutsch arbeitet Steven auch schon los. Es heißt, er habe erst beim fünften Song zu schwitzen angefangen. Links vor ihm steht Laura-Mary, mit Glitzer auf den Lidern und einem Hit auf der Zunge. 'You Bring Me Down ' gibt so in etwa die Stimmung vor, in der sich BRS-Songs gerne tummeln: leicht sauer, leicht depri, leicht stolz darauf. Die Musik dazu ist punkig-garagig und durchsetzt mit fruchtigen Harmonie-Kernen, die verraten, dass diese Band lieb gehabt werden will. Auch Steven singt ab und zu, und zwar wie ein Mädchen, aber das meine ich als Kompliment. Das Publikum freut sich auch über den charmanten Eindruck, den das 45-minütige Set hinterlässt und bittet die Band noch einmal für eine kleine Zugabe heraus. Abgesehen von ein paar nachgereisten Engländern war das für alle wohl der erste Kontakt mit einer Band, von der man dieses Jahr wohl noch hören dürfte. Für diese Pioniertätigkeit bleiben sie ganz schön cool, aber das ist wahrscheinlich normal hier. So werden die Blood Red Shoes auch nicht belästigt, wie sie bei offener Tür im allgemein zugänglichen Backstageraum hocken. Und so sieht auch niemand, wie Laura-Mary minutenlang vor sich hinstarrt ohne sich zu bewegen, ganz erschöpft.



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