Ben Folds Live

'I don't come here too often'

06.02.2007, 20:00, Text: Daniel Koch
[3 Kommentare]

06.02.07, Berlin, Postbahnhof.

Hach ja, wie lange hat man denn den Herrn Folds nicht mehr auf deutschen Bühnen gesehen? Lange ist's her. Auf der letzten Tour wegen unüberbrückbarer logistischer Differenzen verpasst, war mein letztes Mal mit ihm in Münster. 1999 war das, ein Dezemberabend, an dem er im (da noch existierenden) Jovel mit (den noch guten) Travis und (den schon damals egalen) Gay Dad auftrat. Es war ein intimer Abend – ich habe seinen Arsch gesehen. Er zeigte ihn mir, als er lediglich mit schwarzen Socken bekleidet Fran Healy eine Gitarre anreichte. Ich dachte damals, das mache er immer.

Diese Geschichte fiel mir wieder ein, weil auch Folds sie gestern locker parlierend dem Publikum erzählte. Er dachte zwar zunächst, das sei in Berlin passiert, merkte aber schon auf halber Strecke, dass dem wohl nicht so war und fragte die Anwesenden. Leider bin ich nicht so der Zwischenrufer. So blieb ihm (und mir) die englische Aussprache des Wortes \\\\\\"Münster\\\\\\" erspart.


Doch später mehr zu Herrn Folds. Zuerst sollte erwähnt werden, dass er keinen besseren Support als Clem Snide hätte finden können. Leider kam deren Kopf und Stimme Eef Barzelay alleine. Dennoch: Großartiger Songwriter, wunderbar kauzige Bühnenpersönlichkeit. Trat mit weißem Anzug (mit gedrucktem Sonnenaufgang auf dem Rücken) und einer Flasche Becks auf die Bühne und nahm sich zwischen den Songs selbst nicht zu ernst. Dafür in seiner Musik umso mehr. Fast linkisch stand er hinter dem Mikro, zerrte und zupfte an seiner Akustischen, schloss bei jeder Zeile die Augen und gab verschrobene Songkunstwerke wie 'Fill Me With Your Light' oder 'Jews For Jesus Blues' zum besten, das er auch gleich mit einem Schwank aus der amerikanischen Heimat würzte. Und dank Eef Barzelay weiß ich nun, dass der belgischen Großkonzern, dem die Becks-Brauerei gehört, in Amerika mit dem Slogan wirbt: \\\\\\"Becks, German for 'beer'!\\\\\\"

Es folgte: Ben Folds in Bestform. Ganz cheesy zu Europes 'Final Countdown' auf die Bühne geschlürt, lieferte er zwei Stunden einen Misch aus Altem und Neuem plus den obligatorischen Coversongs. Wobei die Setlist meines Erachtens nach schon mehr auf den Solo-Jahren als auf der Five-Zeit lag. Aber so ganz genau will ich das gar nicht unterschreiben, denn dieses Konzert erlaubte es mir einfach nicht, hier mit journalistischer Kühle zu resümieren. Dafür war der Euphoriepegel schlichtweg zu hoch. Klar, man war ausgehungert, weil man seine Musik so schätzt, und weil er so verdammt selten mal nach Deutschland kommt. Folds hätte mir also auch einen uninspirierten Scheißauftritt als Meisterleistung unterjubeln können, aber das hatte er gestern nun so gar nicht nötig.

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  • homi 09.02.2007 | 12:13:09

    toll,
    2 mal sch.. in einem Bericht und keine Fakten, da der Autor lieber mitgefeiert hat, als uns mit setlisten oder ähnlichem zu langweilen.
    super infos.

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 09.02.2007 | 12:33:16

    schön, wenn du es lieber magst, wenn jemand die setlists runterbetet. macht man das mal, wird man dafür zerrissen. oder dafür, dass man ein lied vertauscht hat. ich bin halt leider nicht so einer, der durchgehend mit notizblock kritzelnd im Publikum steht, sondern auch mal mitfeiert, wenn mich ein Konzert packt. Sorry for that. Schreib mir doch mal ne Nachlese, wie du sie gerne lesen würdest ...

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