
Brand New Live
Echte Emotionen
02.02.2007, 10:56, Text:
David Winter
01.02.07, Köln, Live Music Hall.
Eine mittlere Frechheit, dass man um halb neun schon die letzten Akkorde des Supports verpasst hat. Überhaupt sehr mutig, dieses Konzert in die Live Music Hall zu legen, Brand New sind schließlich (und zum Glück) nicht Billy Talent. Belohnt wird dieser Mut leider nicht, die Halle ist höchstens zur Hälfte gefüllt. Aber zum Glück machen Brand New all das im Laufe ihres Auftritts vergessen. Sollte es jemals eine vierte Generation des mittlerweile überfüllten Genres Emo-Core geben, dann, liebe Kinder, lasst euch vorher von Brand New zeigen, wie man's richtig macht.
Zu Beginn allesamt bemützt, werden nahezu komplett 'Déja Entendu' und das großartige neue Album 'The Devil And God Are Raging Inside Me' zum Allerbesten gegeben. Keine großen Entertainment-Ansagen, auch keine ellenlangen Erklärungen, von welchem gemeinen Mädchen der nächste Song handelt. Crying on the inside. Emo(tions)los ist die Bühenpräsenz trotzdem nicht. Kann Lacey doch alle in seinen Bann ziehen, auch wenn er dabei alles andere als stocknüchtern wirkt.
Getanzt wird kaum, höchstens hier und da mit dem Kopf genickt. Brand New, das ist eben keine Musik für den Mosh-Pit, was auch das Publikum, sieht man einmal vom Hit 'The Quiet Things That No One Ever Knows' ab, ebenso zu sehen scheint. Lediglich ein paar von Laceys im Publikum anwesenden Landsleuten haben das nicht verstanden, weshalb er sich auch mal den einen oder andere Spaß über dieselben erlaubt.
Eigentlich hätte nach dem unglaublichen 'Degausser' und der Zeile \\"No matter what they say, I´m still the king\\" nichts mehr kommen können, ja sogar dürfen. Umso schöner aber, dass Brand New noch drei Songs als Zugabe im Gepäck haben, wovon der letzte 'Play Crack The Sky' von Jesse allein vorgetragen wird. Zum ersten Mal auch inklusive Ansage, die mehr als einen dahingenuschelten Satz enthält. Wie man sich auf einer Insel fühlt, von Wasser umringt, davon handele der Song, sagt Jesse. Und jeder kann ihn in diesem Moment verstehen.
Jan Benner findet übrigens: \\"Nett gemachter Emorock von völlig zugeknallten Mützenträgern, die auf der Bühne 'ne Menge Wind gemacht haben. War nur leider etwas zu lang, für 90 Minuten reicht meine Aufmerksamkeitsspanne nicht mehr. Dann lieber am Tag drauf zu O.H.L.! Da weiß ich wenigstens, daß mich rempelnde Asi-Punks erwarten und mir Bier in rauhen Mengen über die Jacke gekippt wird.\\"
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