Kreischen, Jaulen, Stampfen, Grinsen
10.12.2006, 18:32, Text:
Heiko Behr
06.-09.12. – F-Rennes, diverse Locations Gerade hat der Promoter noch im charmantesten Franzosenenglisch erklärt, das Gelände sei quasi um die Ecke, schon sitzen wir im Bus. Und fahren unruhig durch die bretonische Nacht, das weihnachtlich nicht gerade subtil geschmückte Rennes liegt gefühlte Stunden hinter uns. Dabei wollen wir doch zu einem der frühen Highlights bei den zum 28. Mal stattfindenden Trans Musicales, einem der renommiertesten, größten Festivals in Frankreich. Erst nach allerhand Gewusel über das unübersichtlich große Gelände im Nirgendwo erreichen wir die entsprechende Bühne. Plötzlich schlurft ein unscheinbares Mädchen mit einem Teebecher auf die Mitte der Bühne zu.
Sie stellt den Becher ab und schaut sich in Ruhe um. Sie sagt: “Hi, I’m
Cat Power”. Und ist plötzlich gar nicht mehr so unscheinbar. In der folgenden Stunde schlafwandelt sie dann allerdings mit ihrer Band durchs Programm. Wir stehen in der dritten Reihe und unterhalten uns nebenbei im Plauderton. Zwischendurch zuckt Chan Marshall immer wieder mit den Schultern und sagt: “Dieser Raum ist einfach zu groß für uns.” In der Tat. Für ein Indiefestival, das eben auf die (noch) nicht ganz so großen Namen setzt (in diesem Jahr u. a.: Razorlight,
Cold War Kids, The Long Blondes,
The Books, Mstrkrft,
Justice), erstaunt einerseits, wie riesig die Bühnen sind, andererseits aber auch, wie gut gefüllt der Platz davor ist. Das Publikum scheint allzeit bereit zu sein, hier regiert die Partystimmung, Distinktionsgewinne werden anderswo eingefahren. Dafür wird dann eine bräsige Pubrockband wie die Kaiser Chiefs (und das sind sie, das wird live besonders deutlich!) genauso abgefeiert wie die großartigen CSS aus Brasilien, die sicherlich auch in Frankreich nicht gerade auf Heavy Rotation laufen werden. “I’m the Japanese one”, stellt sich die Sängerin lakonisch vor. Der Rest ist Kreischen, Jaulen, Stampfen, Grinsen. Und ein wuscheliger Franzose, der mich mittendrin antickt: “You like it?” Oh yes.
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