Dendemann live

Der König der Nöler

23.01.2007, 10:19, Text: Christian Steinbrink
[13 Kommentare]

21.01.07, Duisburg, Hundertmeister.

Falls sich jemand fragen sollte, ob, und wenn ja, wo es deutschem HipHop noch gut geht, hier kommt die Antwort: Ja, und zwar im Ruhrgebiet. Hier ist es noch wie vor fünf Jahren, Kappen tragen noch Kappen, weite Shirts und Ketten, sind durch die Bank jünger als abgehalfterte Musikjournalisten, haben gesündere Haut und gehen auf Konzerten noch auf's Ganze. Und auch die Damen des Genres tragen ihre Frontline-Neueinkäufe spazieren, als wäre danach gar nichts passiert. Das ist gut so, haben so doch auch ein paar jüngere Semester noch die Chance zu erleben, wie es um die Jahrtausendwende nahezu überall war. Oder kommt dieses Biotop nur noch als Fünfjahrestreffen zusammen, weil Dendemann nach langer Umbaupause wieder auf der Bildfläche aufgetaucht ist? Keine Ahnung. Das bestimmt nicht kleine Hundertmeister ist jedenfalls voll, schon lange ausverkauft, und das, obwohl Digedidende jetzt schon zum geschätzt vierten Mal innerhalb der letzten Monate in der Gegend ist. Aber wer sollte es wagen, dem König nicht seine Aufwartung zu machen, wenn sich die Gelegenheit noch mal bietet?

Zumal er sich auch bewährt guten Support mitgebracht hat. Denn die Show von DJ Static & Nat Ill funktioniert weniger als schnöde Rapsong-Parade, die sowieso nicht die Qualität des großen Ex-Mendeners erreicht hätte, sondern eher als ungemein kunstfertige Geschichtsstunde. Besonders Static lässt den Ruhrgebietskids mit seinen Scratches und Cuts dauerhaft den Mund offen stehen, und Nat Ill kommuniziert das als eine Art rappender Moderator mit auch nicht unwesentlichen Skills. Im Laufe einer Dreiviertelstunde reißen die beiden Dänen Songs von Jam Master Jay über James Brown bis Dr. Dre an, immer einen Killer-Hook an den anderen gereiht, und feiern damit die mittlerweile sehr reiche Historie ihrer Stilart und die Zweifaltigkeit aus MC und DJ, die ja Dendemann zu Eins, Zwo-Zeiten zusammen mit Rabauke auch immer hervorgehoben hatte. Das geht eine dreiviertel Stunde, ist ungemein unterhaltend und ein anregender Kontrast zu der Rhyme&Song-Show, die sich anschließen wird.


Damit lassen Dendemann und sein DJ Suro dann auch nicht lange auf sich warten. Und feuern schon bald darauf einen Hit nach dem anderen ab, pointiert eingefasst und routiniert aber knallend, wie Static & Nat Ill zuvor. Das alles mit den immer geschmeidiger werdenden Fähigkeiten Suros und dem einzigartig nöligen und gebrochen Silben verschluckenden Rapstyle Dendes, ein Style, der so gut ist, dass er keine affigen Dopplungen an Versenden braucht. Beiden merkt man an, dass sie sich in einer Atmosphäre wie der des aufgewiegelten Duisburger Mobs wohler fühlen als unlängst vor der indifferenten Masse der Intro Intims. Ja, die Leute gehen mit, und schon bald ziehen die Hamburger alte Eins Zwo-Hits aus dem Hut, bilden alles ab von Pop über Soul bis harten HipHop und geben großes Maß von Dendes unerreichter Rhetorik. Das alles so einnehmend, dass man sich bald wundert, dass schon anderthalb Stunden vergangen sich und Dendemann noch keine Anstalten macht, die Bühne zu verlassen. Wie sollte er auch, die Leute würden ihn ja doch nicht gehen lassen.

Aber irgendwann ist auch diese Nacht Geschichte, und am Ausgang flüstern sich selbst die, die Dendemanns letztjähriges Solodebüt nicht für den erwarteten ganz großen Wurf hielten, ehrfürchtig zu: \\\\"Der König war da, er hat die Verhältnisse klargestellt, er hat seinen Titel verteidigt.\\\\"




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  • Chimpie 23.01.2007 | 13:41:36
    "DA!"
    Feiner Text zum feinen Dende!

    Aber "affigen Dopplungen".. wenn man es nicht übertreibt ist das ein feines Stilmittel, will ich meinen.

  • User: mean
  • mean 23.01.2007 | 15:31:43

    feiner Text? naja...


    feiner dende ganz sicher!

  • User: K_I_M
  • K_I_M 23.01.2007 | 16:18:55

    Kann mir jemand mal die "Dopplungen am Ende eines Verses" erklären? Jetzt bitte einmal Germanistique in HipHop für Anfänger...

    Ist das selbe wie'n Doppelreim?

  • Chimpie 23.01.2007 | 16:36:30
    "DA!"
    Na.. das ist um die Reimendungen zu verstärken. Entweder per Co-Rapper oder eingespielt.

    Aber der derbe dende rappt so clean und auf den Punkt, da braucht er das nicht, nur als Stilmittel eben.

  • User: Christian Steinbrink
  • Christian Steinbrink 23.01.2007 | 16:38:10
    Die guten Militanten
    Also, weil ich selbst nicht ganz firm in HipHopspezifischer Rhetorik bin, muss ich mir den Schuh ungewöhnlicher Formulierungen wohl anziehen. Tut mir leid, wenn das verwirrend ist. Also mit den Doppelungen meine ich letzte Silben eines Verses, die oft von einem zweiten MC mitgeshoutet werden. Auf vielen Gigs nachzuvollziehen. Dende kann auch ohne. Das war's.

  • User: K_I_M
  • K_I_M 24.01.2007 | 09:37:07

    Merci beaucoup

  • Chimpie 24.01.2007 | 14:34:16
    "DA!"
    Am 19.02 wieder im Stadtgarten in Köln. Diesmal verpasse ich den König nicht!

  • User: ThisCharmingMan
  • ThisCharmingMan 24.01.2007 | 14:49:11

    in dortmund war er sooooooooooo groß...übrigens toller support aus dänemark...

  • User: MaSe
  • MaSe 27.01.2007 | 22:33:07

    Hab ihn seit Jahren nicht mehr gesehen grmpf

  • Chimpie 28.01.2007 | 20:30:52
    "DA!"
    Dann merk Dir o.g. Datum mal vor, MaSe.

  • User: K_I_M
  • K_I_M 30.01.2007 | 15:45:35

    Am 12ten Februar in Hamburg (Ciddie).

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