Brazilian Girls live

We Buy Diamonds

17.01.2007, 12:00, Text: Stefan Rambow

07.12.06 Downtown Miami, USA.

Einen der Abschluss-Events der Riesen-Kunstmesse Art Basel Miami Beach hatte man nicht umsonst in den angesagten Pawn Shop mit seiner ramponierten 30s-Fassade gelegt. Einen Block westlich von der automobilen Lebensader Biscayne Blvd., wo sich Miami anschickt, nach der bravourösen Art-Deco-Bewahrung am South Beach auch Highlights der als \\\\\"MiMo\\\\\" (Miami Modern) bekannten 50s- und 60s-Architektur flächendeckend unter Denkmalschutz zu stellen, schreihen die Neonbuchstaben der ehemaligen Pfandleihe gegen das gigantische Performing Arts Center in unmittelbarer Nachbarschaft an: \\\\\"We buy diamonds!\\\\\"

Die heute nacht solches Funkeln versprechende Performance zieht sowohl Art-Publikum von der lauen Abschluss- Reggae-Party im \\\\\"Shore\\\\\"-Hotel-Club, wie auch Fans aus dem Umland von Greater Miami an. Vor allem spanischsprachige Grüppchen drängen sich am Eingang. Nach Erfolg an der dieser (Messe-)Tage auch für ausländische Journaille härteren Tür sind nur noch gut anderthalb Stunden Wartezeit im vollgepackten Flohmarkt-Ambiente zwischen Betty Boo-Statuen, ausrangierten Autobus-Gerippen, länglicher Vorband und mediokren Spoken Word-Einlagen zu überbrücken, bis Sandra Sciubba und ihre drei Mitstreiter endlich die Bühne entern.

\\\\\"Hi, we´re the Brazilian Girls.\\\\\" Wem dies noch nichts sagt: Ein Quartett, bestehend aus drei Männern und einer Frau, brasilianische Beteiligung: Fehlanzeige. Cleverer Name insofern, um diese Erklärung kommste nicht drumrum, Schreiberling. Die Frau ist halb Italienerin, halb Deutsche (daher liegt man richtig, wenn man meint, aus ihrem stimmlich zwischen Nena und Chrissie Hynde gelegenen Französisch-, Englisch-, Spanisch-Sprachmix auch Deutsch herauszuhören) und als optische Kreuzung zwischen Ute Lemper und Lady Miss Kier auch Gallionsfigur der Band. Der Rasta gelockte (u.a. vom Bajofondo Tango Club bekannte) Keyboarder Didi Gutman ist Argentinier, Bassist Jesse Murphy sowie Schlagzeuger Aaron Johnston sind US-Amerikaner.


Zusammengenommen haben sie Studioerfahrung u.a. bei Roy Ayers, Bebel Gilberto, John Scofield, John Zorn, Lil' Louie Vega, Masters At Work und Wax Poetic, die vier wissen also, was sie live und auf ihrem 2. Studioalbum anstellen, das gerade auch hierzulande veröffentlicht wird. Funk-Bass, Pop-Chöre, Wave-Keyboards und -Gitarre (Gast-Produzent und -Musiker: Ric Ocasek!), Acid- Schnipsel, Impro-Flair.

Etwas rauher, weniger melodisch und abwechslungsreich als das vor allem in den USA recht erfolgreiche Debüt sind die heute abend im Fokus stehenden neuen Tracks ausgefallen, zwischendurch singt die Crowd die älteren Songs mit. 'Pussy Pussy Marihuana' wabert minutenlang durch die Menge. Die von der New Yorker Art-Szene umarmte Band hat auch in Downtown Miami ein Heimspiel. Nicht überraschend, sieht sich die Florida-Metropole doch allgemein gern als südlichen In-Ableger von Manhattan. Sabina, die es als Running Gag kultiviert hat, dem Publikum stets die Sicht auf ihre Augenpartie unter Einsatz diverser Frisuren, Brillen und Kopfbedeckungen zu verwehren und dazu diesmal eine seltsame 20er-Jahre-Augenbinde gewählt hat, erbittet sich erstmal einen Joint.

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