
Oiro Live
Mit dem Mofa nach Köln
13.01.2007, 10:57, Text:
Jan Benner
12.01.07, Köln, Tsunami.
Es gibt Clubs, Läden, Bruchbuden ... kurz: Konzertorte, die sich über die Jahre einen geradezu legendären Ruf erarbeiten. Sei es durch die Auswahl der Künstler, die dort auftreten. Sei es durch das gesamte Ambiente, dass die Lokalität seinen Besuchern bietet. Von exklusiver Inneneinrichtung bis zur Rumpelkammer, der Vorstellungskraft sind da keine Grenzen gesetzt. Denken wir nur an das legendäre CBGB in New York, das sicherlich nicht aufgrund seiner äußerst geschmackvollen Innenarchitektur und dem Mobiliar zu Weltruf gekommen ist.
Für die Kölner Freunde gepflegter Punkmusik war Ende der 90er Jahre das Between in der Südstadt ein Anlaufpunkt für die eine oder andere Show. In einer Seitenstraße des Severinsviertels gelegen hing man vor Konzertbeginn gemütlich auf der engen Straße ab und ließ die Busse der KVB an sich vorbeirauschen. Das gegenüber des Eingangs gelegene Garagentor quietschte jedes Mal, wenn ein Anwohner sein Auto dort hineinfuhr. Der Gestank der Toiletten, die im Erdgeschoß gelegen waren, drang einem dort schon in die Nase. Renoviert worden war der Laden sicher seit Ewigkeiten nicht mehr, die Bühne war viel zu klein und flach, als dass man wirklich etwas hätte erkennen können, aber das tat der guten Stimmung nie einen Abbruch. Das Between traf damals den Nerv der Zeit und bot die nötige Abwechslung.
Leider kommt alles irgendwann zu einem Ende und so schloss das Between seine Pforten und wich dem Trude-Herr-Fanclub, der die Räumlichkeiten in Besitz nahm. Seit ein paar Jahren ist der Fanclub nun wieder verschwunden und der Keller lockt nun als Tsunami Besucher in die Kölner Südstadt. So auch am letzten Freitag, als die chaotischen Mofapunks von Oiro aufspielten, die in den letzten zwei Jahren sowohl durch diverse 7\\\\"-Singles als auch durch ein wunderbares Album namens 'Als was geht Gott an Karneval' zu überzeugen wussten. Für diesen Anlaß war das enge Tsunami genau die richtige Lokalität. Eine nicht unbeträchtliche Menge an Publikum sorgte unter Tage für tropische Temperaturen und ertrug auch anstandslos die Vorband Dativ Boys, die zumindest mich nicht wirklich mit ihrem Keyboard-lastigen Indiepop überzeugen konnten.
Oiro legten im Anschluss dann allerdings ganz andere Kohlen nach. Mit messerscharfer Präzision wurden Perlen der neueren deutschen Punkrockgeschichte wie 'Oi Spießer, gib mal Feuer, damit ich dich anzünden kann' oder 'Mit dem Mofa nach Italien' runtergebrettert. Alles fein verpackt in bestem Gitarrenpunk norddeutscher Prägung. Ganz platt gesagt, man stelle sich eine Kreuzung aus Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle, Dackelblut und Oma Hans vor. Hier muss der Kölner Lokalpatriot neidlos anerkennen, daß der bessere Punkrock zur Zeit aus Düsseldorf kommt. Und das will etwas heißen.
Eine knappe Stunde durften sich volltrunkene Kinderpunks mit kurz vor dem Renteneintritt stehenden Altpunkern auf der Tanzfläche balgen, dann war der Spuk auch wieder vorbei. Ein wunderbarer Abend und ein sehr gelungener Start ins noch junge Wochenende. Vielleicht wird man in ein paar Jahren ja genauso vom Tsunami schwärmen, wie ich es manchmal vom Between tue. Ein Anfang ist mit diesem Konzert sicher gemacht.
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