
Wolfgang Tillmans
So geht Kunst
15.01.2007, 20:00, Text:
Mick Schulz, Foto: Mick Schulz
12.01.07, Köln, Galerie Buchholz.
Ich war ja darauf vorbereitet, trotzdem ist es ziemlich viel, was da in der Galerie Buchholz passiert. Wolfgang Tillmans' neue Ausstellung 'Paper Drop' (bis zum 24. Februar) ist Anlass für ein Spektakel, dass wohl sonst eher selten in Galerien stattfindet. Natürlich sind wie üblich die Selbstdarsteller da und die Kunstcrowd, die werden hier aber noch verstärkt durch Kamerateams und Konsorten. Mir war nicht klar, in welchem Ausmaß Tillmans Popstar ist. Das Ganze wirkt erstmal unglaublich unwirklich. Aber spätestens, als der Meister selbst erscheint, direkt umlagert wird und sich zu einer Autogrammstunde (!) breitschlagen lässt, wird offensichtlich: der Mann ist fast so prominent, wie viele der Künstler, die schon vor seiner Kamera standen. Dazu zählen unter anderem Morrissey und Aphex Twin.
Wenn man Tillmans dabei zusieht, wie er sich auf dem Parkett mit den Fans bewegt, muss man sich von allen Klischees des zurückgezogenen und leicht verschrobenen Künstlers verabschieden. Dieser Mann ist völlig euphorisiert von den vielen Leuten, er liebt das Bad in der Menge, soviel ist klar. Mit beiden Händen und in alle Richtungen gleichzeitig schüttelt er allen die Hände, strahlt, nickt, sagt artiges. Er bemüht sich offenbar darum, freundlich zu sein, genießt die Aufmerksamkeit aber zu sehr, als dass es ihm richtig gelänge. Im Laufe des Abends schüttelt er mir die Hand, lächelt freundlich, sagt seinen Namen und ist direkt wieder weg. Wundert mich nicht, bei so vielen Leuten, die zum Teil mögliche Käufer sind. Nur – ich stand einfach da und war gerade verfügbar; ich wollte seine Hand gar nicht.
Die vielen Menschen machen es zudem noch schwer, einen guten Blick auf die Bilder zu erhaschen. Die vielen sehr großformatigen Fotos hätten eigentlich aus einem guten Abstand betrachtet werden sollen, das war aber einfach nicht drin, weil sich um jedes Menschentrauben drängeln. Soviel ich von der Ausstellung sehen konnte, zeigt sie einen Künstler auf der Suche. Da hängen Portraits, denen sehr ähnlich, mit denen er bekannt geworden ist, die neueren Arbeiten sind höchstens durch die Schwarz-Weiß Technik ästhetisierter. Der allgemeine Appeal bleibt aber derselbe: man bekommt Portraits von Menschen präsentiert, die mit all ihren Fehlern glamourös wirken, die man auf der Straße treffen könnte oder noch eher im Club.
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