
Sonic Youth live
Emotional entfesselt
20.12.2006, 11:22, Text:
Thorsten Schmidt
[10 Kommentare]
16.12.06, Berlin, Postbahnhof.
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Heute fühlt man sich ungewohnt wichtig. Kein VIP-Pass oder eine Einladung zur Aftershowparty sind der Grund, es reicht ein stinknormales Konzertticket: Die einzige Deutschland-Show von Sonic Youth ist seit Wochen ausverkauft und Eintrittskarten wechseln via Online-Auktion zu dreistelligen Euro-Beträgen ihren Besitzer. Erwartungsfrohe Gesichter wohin man blickt. Entspannt letztlich nur bei denjenigen, die den Einlass sicher haben.
Etwas bitter ist die Tatsache, dass J.Mascis trotz angekündigtem Konzertbeginn von 20:00 Uhr bereits seit 19:30 Uhr auf seinem Stuhl sitzt. 'Freak Scene' also als Flurbeschallung, in der restlichen halben Stunde folgen Solosongs und Dinosaur Jr.-Klassiker auf der Akustischen, folkige Akkorde auf Feedbackattacken per Fußschalter. Der verschroben-schüchterne Mann mit der großen Brille hat auch solo was zu sagen. Vor einigen Tagen in Brüssel und beim famosen All Tomorrow’s Parties-Festival in England spielte er auf Einladung von Sonic Youth mit seinen Dinosauriern – hätte man letztlich auch heute lieber gehabt.
Die große Halle im Postbahnhof ist prall gefüllt als Sonic Youth schon um kurz nach 20:30 Uhr die Bühne betreten. Mit 'Teenage Riot' haben die Amerikaner die Menge direkt auf ihrer Seite, der Song vom Bahn brechenden Album 'Daydream Nation' ist mittlerweile mal locker 15 Jahre alt und kein bisschen angestaubt. Überhaupt ist es überraschend wie agil Thurston Moore, Lee Ronaldo und Kim Gordon auf der Bühne agieren. Insbesondere die charismatische Gordon legt ihren Bass immer öfter beiseite um sich hemmungslosem Tanzen hinzugeben. Dank Unterstützung von Ex-Pavement-Bassmann Mark Ibold hat sie auch ausreichend Freiraum dafür. Ist nix mit Unnahbarkeit, das Vorbild aller weiblichen Bassistinnen mit Geschmack scheint sich gefunden zu haben. Moore kreuzt mit Ronaldo in Luftsprüngen die Gitarren und hat noch immer viel vom schaurig-schönen Spiel eines Neil Young im Geiste.
Ansonsten besteht der Großteil des Programms aus dem (regulären) aktuellen Album 'Rather Ripped'. Das fällt ungewöhnlich harmonisch und zugänglich, ja fast poppig aus. Wer sich daran stößt ist selber Schuld, schließlich haben diese New Yorker noch immer mehr zu sagen als irgendwelche hippen The-Bands oder Hypes aus UK.
Nach einigen Minuten der sehnsüchtig erwarteten Feedback-Salven entpuppt sich 'Turquise Boy' mit krautiger Leichtigkeit und eruptivem Finale als kompositorischer Höhepunkt und Herzstück von Sonic Youth anno 2006. Der Punk von vor 20 Jahren ist erwachsen geworden. Spätestens bei '100%' kommen auch die hinteren Reihen ins Tanzen. Dabei ist das Publikum angenehm respektvoll im Umgang miteinander – kein Wunder, liegt der Altersdurchschnitt bei ca. 30 Jahren. 'Pink Steam' als weiterer Höhepunkt des neuen Materials beschließt das reguläre Set nach gut 70 Minuten.
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motorhorst 20.12.2006 | 12:44:28
Welcher Ronaldo hat denn mitgespielt? Der angeblich Dicke aus Madrid, Cristiano Ronaldo? Oder war es vielleicht doch Lee Ranaldo?
wolkenwelt 20.12.2006 | 13:44:23
Haha. Aber dieser Tage wundert mich bei der Intro nichts mehr. Übrigens Ranaldo und Moore sind auch nicht durch die Gegend gesprungen, wie es Herr Schmidt vielleicht sah.
Und was mir noch verwehrt bleibt: die Analogie zwischen Fußballfans und Sonic Youth Konzertbesuchern, denn wer sich im Postbahnhof mal umschaute entdeckte alles andere als den Average WM Fanatiker, der sich vom Strom des besinnungslosen Semi-Nationalismuses mitreißen ließ.
greatdynamo 20.12.2006 | 14:06:07
teenage riot ist ja auch nicht 15 sondern 18 jahre alt. muss man nicht wissen, kann man aber vorher mal kurz googeln. aber mit keinem wort zu erwähnen, dass songs wie schizophrenia und world looks gespielt wurden spricht sowieso für völliges desintertesse an der bandgeschichte. fliessband geschreibsel eben.
otic 20.12.2006 | 14:23:35
You can call me John!
*seufz*
Wäre ja gerne dabei gewesen, aber der Weg war mir dann doch zu weit.
TotalTrash 20.12.2006 | 23:09:38
nerv. ich wollte auch unbedingt hin, aber karten waren ja verdammt schnell weg. mich nervt auch, dass da jornalisten waren, die da nur sein mussten, um nen text für die presse zu texten. und nich mal ahnung von den namen der bandmitglieder zu haben, ist schon echt peinlich...das problem war, glaub ich, dass sy nur einen dtl.auftritt hatten. nach sovielen jahren hätte man ja auch mal gut drei draus machen können
naja
john_lemon 21.12.2006 | 01:52:59
hier is ja voll hate grenade alter
maggy jo 23.12.2006 | 11:17:04
und nich mal ahnung von den namen der bandmitglieder zu haben, ist schon echt peinlich
oh wow, schande! es muß jedne interessieren, was diese seit 15 jahren zutiefst langweiligen ödis heute so machen. das war sicher eine art abi-ball für die coolen generations, so irgendwie.
nick name 23.12.2006 | 20:31:10
Nix für ungut, aber...
mensch maggy, du geschmacksverstärker - jetzt hast du es uns musikprekariat aber mal so richtig gezeigt
Thorsten Schmidt 05.01.2007 | 10:24:10
Zwar spät, aber dennoch bestimmt:
Die Kritik den falschen Namen betreffend ist berechtigt, Leistung an dieser Stelle mangelhaft - dafür sorry!
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