Muse live

Supermassiv

18.12.2006, 20:00, Text: Tim Sohr
[4 Kommentare]

13.12.06, Düsseldorf, Philipshalle.

Es ist unglaublich, wie groß Muse geworden sind. Man muss sie auf ihrer aktuellen Tour einfach erleben, um sich ein Bild davon zu machen, wie sich für Matthew Bellamy, Christopher Wolstenholme und Dominic Howard die Rahmenbedingungen inzwischen der Musik angepasst haben. Die Philipshalle in Düsseldorf ist ausverkauft, das schafften vor zwei Jahren, in der Vorweihnachtszeit 2004, weder die Beastie Boys noch die Sportfreunde Stiller, denn das Düsseldorfer Publikum ist eigenwillig, bisweilen störrisch, seine Launen jedoch definitiv unergründlich. Dass die Zicken einer Möchtegernmetropole die Kapelle des Abends nicht interessieren, ist unnötig zu erwähnen, denn Muse stehen inzwischen über den Dingen und so fällt dann auch ihre Performance aus.

Schon 'Absolution' vor drei Jahren war ein Album, das für Muse ein Quantensprung in der öffentlichen Wahrnehmung bedeutete. Und als Matthew Bellamy im März im Intro-Interview einen gewissen Einfluss von Franz Ferdinand auf das neue Werk 'Black Holes And Revelations' einräumte, war klar, dass die Zielsetzung noch deutlicher in Richtung massentaugliches Breitwandformat tendieren würde. Das Erfreuliche war, dass das den Songs nicht schadete, im Gegenteil: Muse veröffentlichten im Fußball-WM-Juni das stimmigste Album ihrer bisherigen Bandgeschichte.

Auf der Bühne festigt das Trio diesen Eindruck nicht nur, es untermauert ihn mit einer Großklangwand, die in der Rockwelt der Gegenwart ihresgleichen vergeblich sucht. Worte wie Bombast und Pathos werden der Band nicht gerecht - ihre Konnotation ist einfach zu flach.


Von der ersten Sekunde an sind Muse auf der Bühne der Philipshalle, deren legendär indiskutable Akustik an diesem Abend endlich einmal kaum ins Gewicht fällt, ein Naturereignis. Schon an dritter Stelle des Sets sorgt 'Supermassive Black Hole', die Vorab-Single des 'Black Holes…'-Opus, für den ersten Kollektiv-Orgasmus der 7000 Bewunderer, zu welchen sie sich spätestens im Verlauf dieses Abends entwickeln. Eine - im wörtlichen Sinn und in jeder Hinsicht - supermassive Show nimmt nun ihren Lauf.

Vielleicht diskutieren Hardcore-Muse-Anhänger der ersten Stunde zu Recht, ob das Repertoire der Band ihres Herzens eine simple Herbst-Hymne wie 'Starlight' braucht, live stellt sich diese Frage einfach nicht. Man erliegt der Schönheit dieses Songs. Und dem Gesang von Matthew Bellamy. Dieser Gesang! Dieser Gesang ist Legende, er war es natürlich bereits vor dieser Tour. Man weiß um seine außergewöhnlichen, unglaublichen stimmlichen Fähigkeiten, und er dokumentiert sie auch in Düsseldorf, dass es einen berührt, bis man sich schütteln muss.

Mit 'Knights Of Cydonia' als zweiter und letzter Zugabe blasen Muse die überwältigten Fans aus der Halle.
Auf dem Weg zum S-Bahn-Hof ist man umgeben von aufgewühlten, aber hochgradig beglückten Menschen. Sie haben alle gerade eines der besten Konzerte ihres Lebens gesehen. Man sieht ihnen an: Sie fühlen sich superfantastisch! Aber damit wären wir ja irgendwie schon wieder bei Franz Ferdinand



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  • User: Alex462
  • Alex462 19.12.2006 | 10:11:45

    Ich habe Intro eigentlich immer geschätzt, gerade auch wegen der Ironie und dem bissigen Sarkasmus. Aber hier kann ich weder das eine noch das andere erkennen. "Zicken einer Möchtegernmetropole"? Das ist eine offene Anfeindung und einfach geschmacklos. Solche persönlichen Feden haben hier nichts zu suchen finde ich.

    Im Übrigen fand ich das Konzert auch überragend.

  • zausel 19.12.2006 | 10:33:57

    jaja, kantes peter sagte dazu beim konzert im kölner gebäude 9 schon das einzig richtige: der schmerz muss tief sitzen.

  • timsohr 19.12.2006 | 11:59:37

    Gemach, gemach. Ich bin gebürtiger Düsseldorfer. Und der Ausdruck "Möchtegernmetropole" mag zwar tatsächlich etwas harsch daherkommen, in Sachen Konzertkultur hat er sich in der Vergangenheit aber leider schon das eine oder andere Mal als vollkommen zutreffend erwiesen, gerade auch im Vergleich zu anderen Städten. Liegt aber natürlich auch an der mangelnden Vielfalt adäquater Locations und an Veranstaltungsorten wie der guten alten Philipshalle. Aber zum Glück gibts ja auch noch Institutionen wie das Zakk.
    Keinesfalls sollte diese Wortwahl eine plumpe und offen zur Schau getragene Antipathie gegen die großartige (keine Ironie, kein Sarkasmus!) Stadt Düsseldorf darstellen, im Gegenteil. Es geht hier ausschließlich um Musik. Und so soll das doch auch sein!

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