
Bavarian Open
Quo Vadis, Zündfunk?
12.12.2006, 13:00, Text:
Christoph Dorner
09.12.06 München, Funkhaus. Die Bayern sind schon so Schlawiner. Dazu müssen sie nicht einmal von der CSU sein und von vermurksten Bahnprojekten reden. Stein des Anstoßes können schon 1,5 Stunden Radio sein. Eigentlich sollten die Bavarian Open ein Musikfestival werden, das als Cross-Media-Projekt samt Live-Stream, Festivalradio und Download-Plattform auch so ein bisschen für das neue Bayern stehen soll: jung, innovativ, trotzdem gebunden an Tradition und Kultur.
Das Festival im Münchner Funkhaus war aber gleichzeitig auch der säuerliche Leichenschmaus nach der heimlichen Beerdigung des Zündfunk und damit der bayerischen Popkultur im UKW. Zwar noch künstlich beamtet, aber faktisch gestorben. Im Alter von 32 Jahren. Zwei Tage vor den Bavarian Open haben sich Rundfunkrat des BR nämlich endgültig für eine Junge Welle im digitalen Radio entschieden, wodurch der Zündfunk als zentrales Institution künftig von seinem angestammten Sendeplatz auf Bayern 2 ins Abseits von Internet und DAB abgeschoben wird. Dort soll es allerdings schwierig zu hören sein, weil die Bundeswehr(!) auf der benachbarten Frequenz ihre Panzer geparkt hat. Eventuell soll das Format weiter auf Mittelwelle in Mono(!) zu empfangen sein. Abgesehen davon war und ist die Diskussion um junges Radio ohnehin mühselig. Der Zündfunk hat vorgemacht, wie man Hörer an die Hand nimmt und mit ihnen Erwachsen wird, ohne die Jugend abzuschrecken. So waren die Bavarian Open mit 1.800 Besuchern nicht nur weit im Vorfeld ausverkauft, sondern von der Altersstruktur fast so heterogen besucht wie das Heimspiel der Bayern gegen Cottbus am gleichen Tag. Für Radiohörer von heute will das schon etwas heißen.
Im großen Orchesterstudio des BR beginnt das Festival mit den Fotos aus Hamburg, die von Zündfunk-Moderator Achim \\\\\\\\\"60\\\\\\\\\" Bogdan wunderbar eloquent angesagt wurden und mit Schwung den Abend eröffneten. Insgesamt 20 Bands beackerten in den nächsten sechs Stunden regional/international und genreübergreifend das Airplay des Zündfunk. Die amerikanische Ansetzung The Books vs. The Thermals zwang zur Bauchentscheidung für das Trio aus Portland, das im Stil von Duracell-Hasen in 45 Minuten Spielzeit ein Medley aus knapp 20 Songs in die Menge ballerte. Der schmächtige Hutch Harris muckte dabei breitbeinig und Bassistin Kathy Forster wackelte mit ihrem Wuschelkopf, während sie aus dem Augenwinkel verstohlen auf ihre Bassgriffe spitzte. Niedlich, musikalisch \\\\\\\\\"No-Fi\\\\\\\\\" und brutal anders als der Rest der Welt. Und genau deshalb nicht nur \\\\\\\\\"fucking a\\\\\\\\\", sondern auch fucking großartig.
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