
Plan B /The Roots Live
Gossenpoesie plus Gitarre
11.12.2006, 20:00, Text:
arno raffeiner, Foto: Arno Raffeiner
08.12.06, C-Halle, Berlin. Es ist das alte Bild vom gerechten, einsamen Mann auf der großen, weiten Bühne. Nur mit einer Gitarre und seiner schneidenden Stimme bewaffnet, erzählt Plan B von den dreckigen Seiten Englands und schickt seine Lyrikkaskaden da hin, wo's richtig wehtut: Gewalt und Mord, Minderjährigensex, kaputte Crack-Beziehungen, Fuck nochmal! Plan B alias Ben Drew aus East London, gesignet bei 679 Recordings, auf dem u.a. auch The Streets und Kano veröffentlichen, hat sich alleine auf die große Bühne der Berliner C-Halle gestellt, um für The Roots aufzuwärmen.
Auch wenn die Beschreibung eingangs sehr nach Alleinunterhalter an der Straßenecke klingen mag, so passt das Programm des jungen Briten doch gut zum handgespielten HipHop der Roots: Plan B ist tighte und böse Reimkunst, die live ganz ohne elektronische Hilfsmittel auskommt.
Nach Plan Bs zumindest im Ansatz gelungener Überraschung stellt sich in der Umbaupause nur die Frage, wie fantastisch eine Live-Show von The Roots wirklich werden kann. Die Bühne in der restlos gefüllten C-Halle bleibt noch minutenlang in schwarz getaucht, als Black Thought, ?uestlove & Co. schon loslegen. Dann Break rein, Spotlight an und alle Arme und Handykameras in die Luft! The Roots starten präsent und tight wie sonst was zum Medley-Marathon. Erst verschmelzen sie ihre eigenen Stücke zu einem einzigen monolithischen Block (bis auf 'The Seed' werden die meisten Hits in der ersten halben Stunde abgefeuert) - keine Pausen, nur perfekte Übergänge, alles bis ins kleinste Detail einstudiert. Dann bedient sich die Band immer mehr bei der gesamten Pop- und Rockgeschichte.
Die Über-zwei-Stunden-Mammutshow der Roots macht deutlich, wie nahe der Tempel des handmade HipHop neben der Church of Muckertum gebaut ist. Etwa nach dem ersten Drittel der Show geht es los: Erst ein Basssolo, dann ein Schlagzeug- und ein Percussionsolo, als nächstes ein nicht enden wollendes Gitarrensolo... Die Jungs aus Philly erweisen sich als wahre Mucker und Rocksäue. Ein funky Michael-Jackson-Gitarrenlick wird zugunsten von 'Owner Of A Lonely Heart' abgewürgt, die weiteren Cover-Vorlieben reichen von 'Roxanne' und Ram Jams 'Black Betty' bis hin zu Black Sabbath. Immer noch Fragen offen? Na denn, als XXL-Zugabe stürzt sich die unersättliche Truppe wiederum in ein Wahnsinnsmedley und spielt alte Rock'n'Roll-Hadern, early Rap-Shit und die aktuellen R'n'B-Charts im 8-Takte-Rhythmus rauf und runter. The Roots kennen keine Grenzen.
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