
Intro Intim Köln
15 Jahre am Busen der Popkultur
21.11.2006, 15:31, Text:
Christoph Dorner, Foto: Marc Seebode
18.11.2006, Köln, Gebäude 9. Mit Bildergalerie. An den 15. Geburtstag werden sich die meisten von uns wohl nicht allzu gerne erinnern. Zu sehr steckte man zu diesem Zeitpunkt des Lebens hilflos im engen Korsett aus Pubertät und Mittelstufe. Alles, was man damals mochte, trug und hörte, liegt heute ganz unten und sicher verstaut im Kleiderschrank. Und auch die Partys waren ein Vollflop: Die Jungs haben nur gebechert und die Mädels sind nach der Runde Gruppenschweigen irgendwann abgezischt. Nix mit Intim also. Nach 15 Jahren am Busen der Popkultur haben wir uns da etwas mehr zugetraut und mit der Einladung \\\\"Mit dir sind wir hier\\\\" gleich vier geschmeidige Intim-Konzertabende mit Freunden geschmissen.
In der Intro-Hochburg Köln trampeln zunächst die Hamburger der Gruppe Sport 15 Jahre nach \\\\"Nevermind\\\\" und der ersten Titelgeschichte mit Hole ungeniert auf dem Grab von Urvater Grunge herum. Und obwohl der Band um Kante-Gitarrist Felix Müller die Posen à la Guitar-Hero noch fehlen, ist sie dank eloquenter Songs wie \\\\"Newton\\\\" und \\\\"Ein Ende\\\\" und ihres strammen Auftretens auch live ein Erlebnis. Anajo aus der bayerischen Provinz geben auf der Bühne mittlerweile veritable Indie-Darlings ab, niedlich-sympathische Songs wie \\\\"Vorhang auf\\\\" und \\\\"Ich hol dich hier raus\\\\" haben sich seit Jahren etabliert. Aber es gibt ja bald ein schönes neues Album, das natürlich ebenfalls angespielt wird (- und zu ausführlichen Ehren in diesem Magazin kommen wird). Man ahnt es bereits jetzt: Anajo sind eine Bank für 2007.
Spätestens bei Sophia ist das Gebäude 9 brechend voll, jeder will als Voyeur Robin Proper-Sheppards Seelenstriptease zusehen. Dieser kleidet sich mittlerweile ganz in weiß, ansonsten ist der störrische Mastermind zum Leidwesen des Rockpalasts, der den Event mitfilmt, auf der Bühne immer noch eine kleine Diva, die nicht ins Rampenlicht will. Umso beeindruckender ist, wie sich Proper-Sheppard live in neuen wie alten Songs suhlt, seine Leidensgeschichten ausfüllt und sie im Breitwandformat gen Publikum auswalzt. Derselbe Mann, der auf der Bühne Klassiker wie \\\\"So Slow\\\\" und das infernale \\\\"River Song\\\\" noch zu Tode betrübt intoniert, ist später in Männerrunde jedoch in bester Feierlaune. Ein Gesprächsfetzen vom guten Robin: \\\\"Oh, check out this blonde at 11 o'clock.\\\\"
Vor Dendemann setzt dann die große Rush Hour ein: Aus allen Richtungen schieben sich Schirmmützen vor die Bühne, als Dende lachend in die \\\\"Pfütze des Eisbergs\\\\" springt und damit die größte Euphoriewelle des Abends auslöst. Der Mic-Meister haut der Menge, die im Gegensatz zu seinen Homies direkt vor der Bühne noch erobert werden will, seine Songs nebst satten Beats nur so um die Ohren. Er scherzt, schimpft, provoziert, sprich: Dendemann hat wohl einige Anwesenden an diesem Abend frisch bekehrt. Auf das Lob eines Intros antwortet er später gewohnt zynisch: \\\\"Du meinst: Es war sehr gut für Hip Hop.\\\\" Neinein, Dende, nicht so bescheiden! Im Anschluss legt DJ Supermarkt (Le Hammond Inferno) noch formidabel im rappelvollen Café des Gebäude 9 auf und man liegt sich euphorisiert zu den Hits des Jahres in den Armen. Mit einem Stück Geburtstagstorte im Magen wird man schließlich in die Nacht entlassen und am nächsten Morgen würde man dann doch wieder ganz gerne noch einmal 15 Jahre alt werden.
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