The Rapture live

Das große Entzücken

09.10.2006, 14:42, Text: Christian Steinbrink
[2 Kommentare]

04.10.06, Köln, Bürgerhaus Stollwerck. Komisch. Ist es schon wieder vorbei mit der großen Karriere von The Rapture? Trotz des tollen neuen Albums, trotz der großen Medienpräsenz? Jedenfalls hätte ich viel darauf gewettet, dass das Stollwerck an diesem Abend ausverkauft sein würde. Ist es aber nicht, sondern sehr gemütlich gefüllt, und die Empore ist noch nicht mal geöffnet. Ganz anders als beim legendären Konzert anlässlich des Debütalbums \\\"Echoes\\\" im Gebäude 9, als sich das Publikum stapelte und die Gästelistenschlange schon an der Hauptstraße anfing. Die Stylefraktion Kölns ist zwar komplett angetreten, mal wieder schön anzusehen, aber die meisten anderen sind weggeblieben.


Für The Plane Is On Fire aus Nürnberg sind die Anwesenden trotzdem das bestimmt größte Publikum ihrer Karriere. Und sie bemühen sich redlich, ihre oft an Robocop Kraus angelehnten Songs angemessen auf die Bühne zu bringen. Das könnte toll sein, würden sie nicht vom Tontechniker nach allen Regeln der Kunst zermischt werden. Die Höhen kreischen, und die Bässe sind fast nicht vorhanden. Eine Schande, dass manche so was immer noch für nötig halten. Die Band macht das Beste daraus, gibt aber nach einer guten halben Stunde unter Höflichkeitsapplaus auf.

Als The Rapture dann auf die Bühne kommen, sieht man ihnen die Strapazen ihrer Tour ein wenig an. Sie starten etwas verhalten, obwohl das Publikum fast platzt vor gespannter Erwartung und klar macht, dass es zu allem bereit ist. Und langsam steigert sich die Band, streut die alten Hits wie \\\"Sister Savior\\\" gekonnt in ihr Set aus neuen Stücken ein, und das Publikum kommt in Wallung. Erst im Laufe des Konzertes machen Rapture deutlich, um was für eine tolle Band es sich bei ihnen handelt. Dass sie lang nicht nur vom New Wave ihrer Heimatstadt New York gesogen haben, sondern Soulgesang, Funkrhythmen und den Manchester-Rave der Stone Roses können und richtig in ihr Set einzuweben wissen. Ein grunzendes Saxophon und die für die Stilart mittlerweile archetypische Kuhglocke tun ihr Übriges. Da wirken nicht einmal Interaktionsspielchen gestelzt, denn vor allem Bassist Matt Safer und Sänger Luke Jenner haben die Fähigkeit, sehr anfeuernd und enthusiastisch mit dem Publikum umzugehen. Das Beste und Spannendste ist aber die Dramaturgie des Konzertes. Langsam steigert sich alles, nach und nach wird der ganze Saal bis in die letzten Reihen von der um sich greifenden Woge der Begeisterung gepackt, und bei \\\"House Of Jealous Lovers\\\" kann sich wirklich niemand mehr diesem Reiz entziehen. Rapture scheinen ihr Publikum lesen zu können wie ein guter DJ. Und auch, wenn nach einer guten Stunde alles vorbei ist, macht der Gig klar, dass die Band nicht nur einer der Vorreiter einer sich immer noch im Fokus der medialen Berichterstattung befindlichen Stilart ist. Sondern vor allem ein ganz hervorragender Liveact. - Und hier nochmal unsere Titelgeschichte.



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  • AlexColonia 10.10.2006 | 13:31:26

    Vollste Zustimmung, aber von einer "Steigerung" und "Dramaturgie" war echt nichts zu sehenn. Euer Kollege von Campus-Web hat die latente Lethargie da deutlicher angesprochen: http://www.campus-web.de/700/1212/4899/

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