
Sugarplum Fairy live
Auf einem Schulausflug
27.09.2006, 13:03, Text:
Peter Flore
26.09.06, Köln, Prime Club. Bemüht man den Tunnelblick, unterscheidet sich ein Sugarplum Fairy-Konzert rein äußerlich zunächst kaum von einem Gastspiel von sagen wir: Tokio Hotel. Die Schlange vor dem Kölner Prime Club ist überwiegend weiblicher und eben sehr junger Natur - folgerichtig begrüßt mich der örtliche Veranstalter mit den Worten: \\"Du bist der erste Junge heute abend!\\". Dass er nicht \\"Mann\\" gesagt hat, sei ihm ebenso verziehen wie die ironische Übertreibung - sehr wohl tummeln sich schon einige Jungs und auch ausgewachsene Männer im Club, einige von ihnen sind auch bei nicht genauerer Betrachtung als ein Elternteil auszumachen. Es ist voll und in der Luft liegt jenes nervöse Gebrabbel, dass man von Schulausflügen kennt.
Damit seien nun auch alle offiziellen Vorbehalte gegenüber den Schweden abgearbeitet, nur einer noch: Die \\"kleinen Brüder von Mando Diao\\" müssen noch warten, da zuvor die Hamburger Nice Boy Music die inoffiziellen Brit-Pop-Meisterschaften der Auswärtigen eröffnen. Das Virgin-Signing torkelt etwas semi-betrunken auf die Bühne, die Ballonmütze des Sängers hängt schief auf einem Kopf, der von weitem auch Carl Barât oder Peter Rausch gehören könnte. Leicht sütt spielen sie sich durch ihr Set, das in einigen Passagen gewollt und auch gekonnt an Blur erinnert, einzig ihre anfängliche Affektiertheit nervt etwas. Sei's drum, man fühlt sich allenthalben recht gut unterhalten.
Als nach einer kurzen Umbauphase das Support-Backdrop dem des Hauptacts weichen muss, geht ein Aufschrei durch die Menge. Zu den Klängen von Tschaikowskys \\"Tanz der Zuckerfee\\" entern die fünf Schweden die Bühne und fortan gibt's kein Halten mehr. \\"Last Chance\\", \\"The Soul Of The Sun\\" und \\"Visible Karma\\" vom aktuellen Album legen die Messlatte von Beginn an sehr hoch. Sänger Carl Norén gibt den Jagger und hängt unter'm Mikro wie der Gallagher. Die Referenzen sind klar gesteckt, man könnte auf jede Akkordfolge auch einen Oasis-Song singen, wenn man denn wollte. Sofern man das nicht will, kann man auch einfach Spaß haben, zumal die Band diesem Umstand der Ehrerbietungswut frühzeitig offensiv begegnet: Aus \\"Visible Karma\\" wird im Mittelteil \\"Catching The Butterfly\\" und auf Carls Frage, wer schon Richard Ashcroft-Tickets besitze, recken sich nur sehr wenige Hände in die Höhe. Sugarplum Fairy machen keinen Hehl aus ihren Idolen, zitieren \\"A Hard Day's Night\\" explizit, die aufmerksamen Eltern am Bühnenrand werden auch andere Teile ihrer Plattensammlung im kurzweiligen Set der Schweden erkannt haben.
Die Großmäuligkeit haben Carl und Victor Norén von ihrem Bruder gelernt, jeder Song ist ihr bester, bestenfalls ihr Baby oder im Falle des Handclappers \\"It Takes Time, It Takes Two\\" ihr \\"Yellow Submarine\\". Sie lieben sich und was sie tun und soviel juvenile Arroganz macht dann schon wieder Spaß, auch wenn man derlei eitles Gegockel auf dem Schulhof vermutlich mit Nichtachtung strafen würde. Noch eitler wäre es nur zu behaupten, man hätte während dieser anderthalb Stunden keinen Spaß gehabt.
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