
Hot Chip / Lo-Fi-Fnk live
Die Verheißung der dünnen Jungen
15.09.2006, 16:00, Text:
Christian Steinbrink
12.09.06, Köln, Prime Club. Mal wieder ein sinniges Package, das da für einen verheißungsvollen Abend im Prime Club geschnürt wurde. Denn sowohl Hot Chip als auch Lo-Fi-Fnk zählen mit ihren unlängst erschienenen Alben zu den launigsten Tanzinnovatoren des Jahres. Dementsprechend war auch das Gemurmel im Vorfeld und der Rummel vor dem Schlauchclub, die Gästelistenschlange drehte sich zwischendurch zweimal um das Bermudadreieck an der Luxemburger Straße. Naja, fast. Aber so was ist nicht mehr allzu häufig der Fall im an Glamour ärmer gewordenen Köln.
Von Spartak Moskau und zunächst schwachen Bayern umrahmt machten Lo-Fi-Fnk ziemlich früh den Anfang. Das Set der beiden Schweden, live um eine zusätzliche Instrumentalistin verstärkt, lässt sich am besten als \\"verspielt\\" beschreiben. Die beiden skinny boys hampelten auf der Bühne herum, schraubten hin und wieder an ihren Sequenzern und verlegten sich ansonsten ausschließlich aufs Performen. Und das machten sie außerordentlich gut, ihre linkischen Bewegungen verbunden mit Billosounds und den nicht unknackigen Beats machten mal wieder klar, mit welcher Leichtigkeit man Dancemusic auch umsetzen kann. Das Publikum im vollen Prime Club groovte sich sanft ein, die Band war ob der Reaktionen begeistert und ließ sich davon noch zu wahren Spitzen anstacheln. Nach 40 Minuten war dann ohne großes Aufheben Schluss, und kurze Zeit später sah man die Jungs sich ob ihres tollen Gigs noch euphorisiert anfeuern. So wurde man Teil eines symbiotischen Zustands, in dem man sich als reiner Besucher noch fühlen darf, als hätte man ein gutes Werk allein durch Anwesenheit und Sympathie getan.
Hot Chip sind da schon deutlich routinierter unterwegs. Auch wenn sie im Laufe ihres Gigs beteuerten, wie sehr sie sich freuten, nach der langen Festivalsaison wieder in kleinen Clubs wie diesem auftreten zu dürfen. Und diese Freude zeigte sich auch in ihrer Performance. Denn wer bisher dachte, dass Hot Chip eigentlich eine ziemlich mittelmäßige Band mit zwei oder drei Hits auf der Platte seien, sah sich eines Besseren belehrt. Klar waren \\"And I Was A Boy From School\\", \\"Colours\\" und besonders \\"Over And Over\\" zum Schluss die Highlights für ein sich fast überschlagendes Publikum, aber insgesamt präsentierten sich Hot Chip als eine versierte und lustvolle Band mit einer breiten Anlage an Variationsmöglichkeiten und einem Gespür für warme, herzende Momente, so wie man es vom French House in seinen besten Jahren kannte. Außerdem wurde klar, dass diese Band mit ihrer Musik viel besser in schummerige Clubs passt als auf die größere Festivalbühne. Dass das Konzert nach einer guten Stunde ohne Zugaben schon vorbei war, fiel da nicht besonders ins Gewicht. Denn Hot Chip sind auch live das, was ihre Platte \\"The Warning\\" versprach: Nämlich so ziemlich das Beste in einem an guten Neuentdeckungen bestimmt nicht armen Jahr. Schön, dass sie noch mal gekommen sind, um das auch ganz deutlich zu machen.
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