Monsters of Spex

20.000 Volt

31.08.2006, 10:00, Text: Christina Bohn, ines Sundermann

24.08.06, Köln, Jugendpark. Weil es letztes Jahr so schön war, das Festival im Kölner Jugendpark, zauberten unsere Kollegen vom Spex Magazin zum Festival-Freitag und Festival-Samstag dieses Jahr noch einen Festival-Donnerstag hinzu. Und ein Line-Up, das sich mit Amusementparks On Fire, Infadels, Art Brut und Yeah Yeah Yeahs nicht vor den anderen beiden Tagen verstecken musste. Da war nur wieder dieser ungebetene Gast, der Regen, den wir schon in Haldern trafen. Aber wer ein echter Festival-Nerd ist, hat das Ölzeug und die Gummistiefel sowieso immer griffbereit und weiß sich natürlich gegen zuviel Feuchtigkeit von oben zu schützen.Aber da man sich ja in Köln befindet und die eigenen vier Wände ebenfalls innerhalb der Stadtgrenzen, begebe ich mich ohne Ängste und Sorgen am Donnerstag Nachmittag zum Jugendpark. Und wer hätte es gedacht? Das Produktionsbüro hat in letzter Sekunde doch noch einen very special guest gebucht, die Sonne! Pünktlich zum Einlass kommt sie durch die Wolken.




Ob man um 17 Uhr tatsächlich schon vor dem Monster of Spex auf der Matte steht, liegt ganz allein nur noch daran, wieviel Verständnis die eigenen vier Bürowände zeigen. Amusement Parks on Fire, die in diesen Minuten die Bühne betreten, sind Grund genug, schon rechtzeitig zu kommen. Sänger Michael Feerick, der nme-gesegnete \\\\\"teenager genius\\\\\", spielt den ersten Gitarrenriff und zieht das Feedback gehörig in die Länge. Genauso lange wie es braucht, um die auf der Tribüne lungernden Leute nach vorne zu locken. Und dann lässt Gavin Poole (übrigens neu an Bord der Band) den Bass dröhnen. Gerade als ich denke, die Lautstärkenobergrenze sei erreicht, bricht eine dreischichtige Gitarrenwand auf die Zuhörerschaft nieder.

Nach den brennenden Vergnügungsparks haben um kurz nach 18.00 Uhr die ebenfalls aus England stammenden Infadels gerade zum ersten Song ihres Sets angesetzt: \\\\\"Love Like Semtex\\\\\". Ein Song, der so energiegeladen daherkommt, dass ich geradewegs anfange mitzutanzen. Gewohnt tight geben die Londoner alles, um die Leute aus der Reserve zu locken. Sänger Bnann Watts geht dabei mit gutem Beispiel voran, wenn er auf der Bühne vollen Körpereinsatz zeigt. Er sieht stellenweise aus, als würde man ihm 20.000 Volt durch den Körper jagen.

Als Art Brut die Bühne betreten, blicke ich in gespannte Gesichter im Publikum. Hörte man doch von denjenigen munkeln, die Art Brut schon einmal zuvor live gesehen hatten, dass der Sänger zwar ein toller, aber verrückter Entertainer ist. Der Sprechgesang von Eddie Argos hat schon etwas Besonderes an sich. Und die Sache mit dem Pathos hat Eddie schon lange verstanden, denn das Mastermind der Band verleiht seinen Aussagen allein durch seine \\\\\"Pronunciation\\\\\" Nachdruck. So schreit der Art Brut-Sänger dem Publikum entgegen \\\\\"The rulebook says: \\\\\"Don't play a b-side after playing a new song.\\\\\", we say: \\\\\"Fuck the rulebook!\\\\\". Spätestens bei \\\\\"Emily Kane\\\\\" schunkeln alle mit, und da die Atmosphäre gerade so gemütlich ist, begibt sich Mr. Argos von der Bühne hinab ins Fußvolk und durchwanderte ohne Mikrofon, aber trotzdem singend, das Publikum.

Mit dem Ziel, den Abend zu vollenden, treten die Yeah Yeah Yeahs vors Publikum. Karen O erinnert in ihrem Bühnenoutfit stark an einen Regenbogenfisch. Die Klamotten sehen zwar ulkig, aber vielversprechend aus. Die drei Ypsilons gelten ja nicht umsonst als überragende Live-Band und so habe ich mich mit dem Vorsatz, mich rocken zu lassen, vor der Bühne eingefunden. Singend, kreischend und mit großen Gesten geht´s da zu. Karen O und ihre Jungs bieten das gewohnt mitreißende Repertoire, aber der Funke springt leider nicht wie gewünscht aufs Publikum über. An mangelnder Ausstrahlung oder Motivation der Band liegt es wohl nicht, eher daran, dass der Himmel ein paar dicke Kuller-Tropfen fallen läßt und jedes Feuer in der Menge leider gleich wieder im Ansatz löscht. Ein bisschen ernüchternd.



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