Massive Attack live

Augen zu und durch!

18.08.2006, 12:08, Text: Daniel Koch

16.08.06, Düsseldorf, Philipshalle. Sechs Mikroständer nebeneinander, für jede Körpergröße einen, wie es scheint. Blaues Licht, das seitwärts auf die Bühne fällt. Ein Schlagzeug links, eines rechts. Die Keyboards im Zentrum, eingerahmt von Gitarre und Bass, daneben das obligatorische iBook mit dem leuchtenden Apfel. Hinter den Mikroständern vielleicht der bescheidenste Platz: ein kleiner Hocker vor einem winzigen Terminal. An der Bühnenrückwand steht eine gebogene Scheinwerfermauer, die man sich vermutlich aus Coldplays \"Speed Of Sound\"-Video geborgt hat.

Der Bühnenaufbau ist also genauso, wie ich es bei Massive Attack erwartet hatte. Man trägt dick auf, zeigt noch mal jedem, was man hat, dass man schon mehr Gastsänger durchhat als man an sieben Mikroständern unterbringen kann. Aber wo sind die Leinwände? Wo die Projektoren? Wo die Maschinerie, die mich mit Videos, Animationen und sonstigem Schnickschnack blenden wird? Massive Attack waren für mich immer eine Band, die nicht nur knisternd, mit ihren brodelnden Bässen auf Platte funktioniert, sondern auch eine, die mich mit ihrem visuellen Ideenreichtum überfahren konnte, sei es mit ihren Videos (die man hier unter \"Videos\" komplett versammelt findet) oder mit stets gelungenem Coverartwork, das selbst aus der mittelmäßigen \"100th Window\" ein Ausstellungsstück machte. Andererseits hat ein Massive Attack Song das gar nicht nötig. Weil er bei geschlossenen Augen das Kopfkino anschmeißt, wie es kaum eine andere Band schafft.


Vielleicht ist es eh keine schlechte Idee, die Augen geschlossen zu halten. Denn die Düsseldorfer Philipshalle ist eine dermaßen hässliche Location, dass man sie zumindest beleuchtet schwer ertragen kann. Auch wenn ich hier jahrelang zur Rocknacht (Ruhe in Frieden) gepilgert bin. Man fragt sich eh, warum Massive Attack gerade hier spielen. Der Tribünenteil ist komplett abgehängt, von 8.500 möglichen Besuchern sind gerade mal 4.000 da. Das erzählt zumindest der Security-Mensch, der mich am Stehplatz auf dem Herrenklo vollquasselt. Nebenbei freut er sich auf ein \"behäbiges\" Publikum. Die Wochen vorher habe er \"Robbie Williams gemacht\", da sei es \"anders abgegangen\".

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