
DJ Shadow live
Wanderungen durchs Nichts
17.08.2006, 16:30, Text:
Heiko Behr
16.08.06, Düsseldorf, Philipshalle. Umkleideräume sind selten glamourös, aber der Backstagebereich der Düsseldorfer Philipshalle ist wirklich erschütternd grau und stumpf. 20 Minuten sind mir zugeteilt worden mit dem Meister höchstpersönlich. 20 Minuten mit DJ Shadow.
Er selbst öffnet die Tür und drückt mir schlaff die Hand, nuschelt ein \"nicetomeetya\". Er trägt die gleiche zeitlose HipHop-Uniform, die er später am Abend auch als Voract vor Massive Attack tragen wird: weiße riesige Cap, ein leicht deformiertes weißes Shirt mit Tarnaufdruck, Baggies, weiße Sneakers. Und einen müden, erschöpften Gesichtsausdruck. Man kann den Druck, der auf ihm lastet, förmlich sehen. \"Ich werde einige Fans mit diesem Album verlieren\", geht er gleich schnell in die Offensive. \"Aber das ist ok. Dafür werde ich auch neue gewinnen.\" Er ist sich absolut bewusst, \"The Outsider\" (VÖ: 15.09.) ist kein \"Endtroducing…\". Stilistisch hat er sich hier soweit geöffnet, wie es wohl kaum jemand vom Cratedigger-Posterboy erwartet hätte: Hyphy-Tracks (eine BayArea-Variante der kruden HipHop-Subkategorie Crunk), Singer/Songwritersongs, relativ traditionelle HipHop-Songs mit eine rHandvoll Gäste wie Q-Tip und David Banner, nur wenige Trademarksounds mit düsteren Soundscapes und deepen Bässen. Eine Enttäuschung?
Das Publikum, das eben nicht nur wegen Massive Attack in die Halle gekommen ist, scheint uneins. Die Klassiker werden erwartungsgemäss abgefeiert. Shadow reißt professionell sein Programm herunter, ein Scratch hier, ein gestoppter Beat dort. Erstaunlich ist tatsächlich, wie zeitlos sein nun schon zehn Jahre altes Material vom Endtroducing-Meilenstein immer noch wirkt. Die subsonischen Bässe dehnen die Zeit, jede Bassdrum windet sich in die Eingweide: \"Taking my time to perfect the beat\". Die neuen Songs, die er mit dem britischen Sänger Chris James live präsentiert, funktionieren dann aber eben nur halbwegs: halbgare psychedelische Wanderungen durchs Nichts, refrainlos, ziellos. Das lief mit Thom Yorke oder Richard Ashcroft erstens um einiges runder, zweitens sind auch diese UNKLE-Kooperationen schon ein paar Jahre her. Um dementsprechend auch dieser Sound.
Wo also will DJ Shadow hin mit diesem Album? Im nächsten Heft erzählt er von persönlichen Niederlagen, seinem Abschied von der Vergangenheit und der Samplekultur und dem Verlust eines Hobbies: Plattensammeln...
Wie hingegen der Rest des Abends mit Massive Attack verlief, lest ihr heute Abend.
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