
'Simon, die alte Frau van Cleef und ich'
Ein Sonntagsspaziergang mit Freunden
07.08.2006, 19:30, Text:
Jan Brenner
6. August 2006, Bonn, Museumsmeile. Damals, als wir alle noch jünger waren und uns die Welt offen stand, damals träumten wir davon, alles ganz anders zu machen. Wir gingen auf Konzerte, die nicht viel Geld kosteten, tranken billiges Bier und lauschten den klängen unbekannter Bands, die für etwas zu Essen und zu Trinken und eine wenig Spritkohle ihre Songs zum Besten gaben. Es war herrlich, man war ja so was von Anti-Kommerz und selbständig. Und überhaupt wussten wir eh alles besser. Und deswegen träumten wir davon, dass wir irgendwann mal eine Alternative zu den ganzen Riesenfestivals auf die Beine stellen wollten.
Damals, das war die Zeit, als Bands wie Tomte, The Weakerthans, …but Alive oder Pale für kleines Geld in noch kleineren Läden und autonomen Zentren zu sehen waren. Damals, das war die Zeit, als wir uns auf Konzerten kaum vor Rahmenprogramm retten konnten, vor Fanzineverkäufern, vor Plattenständen, vor Fressbuden. Damals ist lange her.
Mittlerweile hat sich eine Menge getan. Konzerte werden nicht mehr in D-Mark bezahlt, …but Alive heißen jetzt Kettcar und einige Fanzines sind auf einmal Musikmagazine, die es am Bahnhofskiosk zu kaufen gibt. Es gibt Filme über Musik, in denen die Musiker aus den Bands mitspielen und über Tomte-Platten wird in den Tagesthemen berichtet. Ist alles verloren?
Mitnichten. In netter Gesellschaft wird auch ein Großereignis wie die \\\\\"Grand Hotel Van Cleef\\\\\"-Labeltour zu einem unvergesslichen Ereignis. Und soviel hat sich im Vergleich zu damals ja auch nicht verändert. Es sind immer noch die gleichen Gesichter, die man auf dem Konzert trifft, dass Bier gibt es immer noch aus Plastikbechern und die Bands sind größtenteils immer noch so gut, wenn nicht sogar noch besser. Nun mag man sich über die Spielfolge des Festivals streiten, wir haben ja alle unsere Favoriten. Aber der Auftritt von The Weakerthans war sicher eines der Highlights. Alte Songs, neue Songs und ein neuer Bassist, der genauso aussieht wie der alte, nur ein paar mehr Leute waren anwesend. Pale wussten ebenso zu gefallen, Kettcar waren noch nie eine Liveband, sondern immer eher etwas für den Hausgebrauch und Olli Schulz zeigt mittlerweile auch schon leichte Abnutzungserscheinungen. Tomte bildeten allerdings den krönenden Abschluß. Auch wenn Herr Uhlmann des öfteren ein kleines bisschen zu sehr ins divenhafte rutschte, ein grandioser Auftritt. Zum letzten Lied erschienen nochmal alle Musiker auf der Bühne, es fehlte eigentlich nur noch das Feuerwerk.
Was bleibt bei aller Kritik übrig? Das sich Träume schlussendlich doch irgendwann erfüllen, wenn man es wirklich will. Die Musik wird irgendwo doch zur Nebensache, wenn die richtigen Leute zum Konzert mitkommen. Und wenn wir ehrlich sind, die Massen, die sonst noch da waren, haben eigentlich auch nicht wirklich gestört. Es bleibt die Hoffnung auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.
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