
Sigur Rós live (+Bilder)
Stahlschmelze im Ruhrgebiet
28.06.2006, 19:43, Text:
Thorsten Schmidt
25.06.06, Lichtburg, Essen. Schon mal Gott begegnet? In Essen gab es kürzlich mal wieder Gelegenheit dazu, denn Sigur Rós spielten im Rahmen der sommerlichen Festival-Tour eine ihrer raren Headliner-Shows für 2006 in der altehrwürdige Lichtburg. Und das war eine weise Entscheidung: Deutschlands größtem Filmpalast aus dem Jahre 1928 bietet nach Komplettrenovierung 1.250 Menschen mit Logen, Stuck und rotem Teppich ein würdiges Ambiente für die schwelgerischen Klänge der Isländer.
Wo sonst Romy Schneider, Gary Cooper oder Wim Wenders Premieren feierten, zelebrieren Sigur Rós süßlichen Herzschmerz in gewohnt mitreißender Manier. Zunächst geben die jungen Damen von Amiina einen gelungenen 40minütigen Auftritt mit Laptop, weinender Säge und plingplong-Sounds. Für den zwischenzeitlichen Abgang - die vier sind mittlerweile als Streichquartett fester Bestandteil von Sigur Rós-Konzerten - fällt erst mal der Vorhang. So ist zunächst auch nur die Silhouette zu sehen, als Sänger Jonsi gegen 21 Uhr die Bühne betritt. Zum Intro ist die Lichtburg in tiefes Rot getaucht, stimmungsvoll wie auch die Filmprojektionen bei endlos weiten Klängen in Quadrosound: Cinemascope der ganz edlen Art! Ein packendes \\"Ny Batteri\\" und das betörende \\"Olsen Olsen\\" entführen zum bahnbrechenden 2000er Album \\"Agaetis Byrjun\\", ansonsten besteht das Set überwiegend aus Tracks des aktuellen Werks \\"Takk\\". Jonsi streicht seine Les Paul nach wie vor mit dem Geigenbogen und singt engelsgleich in seiner hoffnungsvollen, eigenen Sprachkreation... welcome Weltschmerz. Filigrane kleine Melodien auf analogen Instrumenten, derbe Klangwälle, schaurig-schönes Schattenspiel und echte Emotionen - wahrlich großes Theater im einzigartigen Vorführsaal.
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Das aufmerksame Publikum dankt's mit frenetischem Applaus zwischen den Songs, lediglich die beiden Schickie-Ladies in Reihe L bringen es doch tatsächlich fertig, während des Konzerts den MP3-Player beiseite zu legen und zu telefonieren - danke für den schnellen Abgang! Sigur Rós lassen sich da etwas mehr Zeit: Auch wenn es bei einer Zugabe bleibt (Jonsi hatte sich bereits während der Show einige Male räuspernd beiseite gedreht), die fällt in Form von \\"Popplagið\\" extrem lange und laut aus. Am Ende des Saals wird getanzt, euphorisierte Menschen klatschen und jubeln die 12 Musiker noch zweimal für tiefe Verbeugungen zurück - Island, Weltmeister der Herzen. Takk!
Setlist
Intro (Takk)
Glósóli
Ný Batterí
Sæeglópur
Njósnavélin
E-bow (not played)
Gong
Andvari
Hoppípolla
Með Blóðnasir
Se Lést
Olsen Olsen
Svo Hljótt
Heysátan
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(Daudalagia - not played)
Popplagið
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