Nelly Furtado live

Stagetime

06.06.2006, 21:43, Text: Thomas Venker

05.06.06, Köln, großer Sendesaal des WDR
Fünf Stunden nach dem Interview mit Intro gilt es für Nelly Furtado bei einem Radiokonzert von Eins Live die neuen Songs live zu spielen. Warm gespielt hatte sich Nelly mit ihrer Band bei Rock am Ring und Rock im Park, wobei sie “All Good Things (Come To An End)”, das Stück mit Chris “Coldplay” Martin, gemeinsam mit Reamonn-Sänger Rea Garvey performt hatte – sagen wir es mal so: gut, dass wir nicht dabei waren.

Der erste Eindruck im großen Sendesaal des WDR ist wieder ein kritischer: Mal ehrlich, muss das immer so aussehen, wenn große Popstars live auftreten? All das, was man gepixelt im Netz beim “Saturday Night Live”-Mitschnitt in seiner Grausamkeit nur erahnen konnte, hier ist es zu sehen: der Schlagzeuger mit Pferdeschwanz, der Bassist (zugleich “Musical Director”) mit schwarzer Sonnenbrille in Breitband und dann noch die wirklich alles toppende Backgroundtänzerin, die sich gleich viermal umziehen muss (während die eigentliche Künstlerin dem einen Outfit treu bleibt) und dabei immer tiefer ins 80s-Fettnäpfchen fällt. Am Ende sieht das nur noch aus wie “Breakfast Club” in schlecht nachgestellt. Passenderweise ist ihr Acting auch weniger Tanzen als Stalker-Pantomime im Rücken von Nelly.

Aber damit auch genug gemeckert, denn wenn man sich freimacht davon, dass professionelle Musiker, wie sie für eine solche Produktion ja immer eingekauft werden, halt abliefern und nicht unbedingt für den Sound brennen, geht das schon alles mehr als okay. Die alten Hits, ungefähr 70 % der Setliste füllend, zeigen in diesem druckvollen Duktus, warum sie so in die Breite zu strahlen vermochten – auch wenn es einen selbst nicht immer abholte. Selbiges tun umso mehr die neuen Songs, die in dieser Präsentationsform zwar rockiger wirken als auf dem Album, sich dennoch meilenweit vom alten Material wegpositionieren und den von Timbaland angelegten Style signifikant vor sich hertragen – insofern: Das geht gut zusammen. Schön übrigens, dass heute der Congaspieler als Timbaland-Ersatz randarf und nicht – der Chris-Martin-heißt-auf-Deutsch-Rea-Garvey-Logik geschuldet – ein deutscher Rapper gecastet wurde. So zeigt wenigstens einer aus der Band die gleiche Freude am Auftritt wie Nelly selbst, die das Konzert nach anfänglichen Unsicherheiten sichtlich mehr und mehr genießt. Man darf gespannt sein, wie das neue Material rüberkommt, wenn sie endgültig im neuen Style warm gelaufen ist. Da geht noch einiges.




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