
Motorpsycho live
On the Road mit. Teil 2.
19.05.2006, 09:00, Text:
Thorsten Schmidt
Fortsetzung von Seite 2
Köln, Live Music Hall 08.05.06 (ca. 1.200 Zuschauer). Eine Besonderheit bei Motorpsycho ist die Angewohnheit, ein Konzert in derjenigen Stimmung zu beginnen, in der das vorige beendet wurde. Eine - don't fear the cliché - ewige musikalische Reise für Band und Fans gleichermaßen! Nachdem der Abend in Brüssels "Cirque Royale" bei Rauchverbot und bequemer Teilbestuhlung gediegen und eher ruhig verlief, steht heute nach sphärischem Einstieg einmal mehr eine Rockshow an. Die Live Music Hall ist bereits vor Konzertbeginn von der seit einer Woche allgegenwärtigen Sonne aufgeheizt und die Leute lechzen in langen Schlangen nach Bier. Mit einem leicht ausgebauten "Sancho Says" wird uns endlich auch der letzte noch fehlende Song aus dem aktuellen Album präsentiert, sieht man mal von dem "Fury"-Gruß an Gebhardt ab. Piedah hat bereits in Münster Snahs Equipment aufgebessert, so dass vom schüchternen aber ach so coolen Gitarristen an diesem beinahe jedes Lick zu hören ist. Und das ist gut so! "Dann wollen wir jazzen" albert Bent, und dampft auch schon los mit "Coalmine Pony". Die tote Dame namens "Bonny Lee" leitet den spacigen Teil des Abends ein: Hemden verkleben mit zuckenden Körpern, treibende Riffs jagen statische Stille, auf und ab und ewig dreht sich das Rad - ein Gefühlsclash aus fiebern und Schreien. Erlösung gibt die Viertelstunde "Manmower" in No Quarter-Variation und ein abgedrehtes "Hogwash". Eindeutig die heißeste Show der Tour!
Setlist: (150 Minuten)
Sideway Spiral III
Sancho Says
Sail On
Coalmine Pony
Bonny Lee ->
The Wheel
Feel
Kill Devil Hills ->
Devil Dog
Neverland
No Evil ->
Hey Jane
You Lied ->
Hyena
----------------
Manmower
----------------
Hogwash
Darmstadt, Centralstation 14.5.06 (ca. 800 Zuschauer). Auf dem Weg zurück in die nordische Heimat heißt es nach erfreulich intensiven Konzerten Abschied nehmen. Gerade zurück aus Italien, wo man ein unbefriedigendes, ein sehr gutes und ein großartiges Konzert spielte, wurde für den Schlusspunkt der Spring-Tour 2006 ein adäquater Club gewählt: Darmstadts Centralstation von 1899 war Deutschlands erstes und der Welt drittes (!) Elektrizitätswerk... rührt es wohlmöglich daher, dass Motorpsycho hier stets besondere Konzerte spielen?! Die Fans jedenfalls sind hierfür aus allen Winkeln des Landes angereist, und Motorpsycho sorgen vor knapp ausverkauftem Haus für ein würdiges Finale: Publikum, Location, Sound, Gesang und Setlist lassen keine Wünsche übrig. Erster Höhepunkt ist ein gut 20minütiger Exkurs in Gestalt von "Triggerman" / "Manmower" / "Triggerman". Auch wenn die Jams bei Motorpsycho das Besondere ausmachen, heißt es nicht zwingend Quantität = Qualität. Popsongs wie "Hyena" oder der erste Zugabenblock aus kreischendem Rock'n'Roll ("Vanishing Point" !) funktionieren auch völlig straight gespielt bestens. Aber es sind doch die psychedelischen Tracks wie "The Wheel" oder "Un Chien D' Espace", die die Seele der Band ausmachen und all diejenigen, die sie einmal wirklich gespürt haben, nicht mehr loslassen. Beide gibt es an diesem Abend, erstes in knapp halbstündiger Version und bewegender Verbindung mit "Plan #1" einer Katharsis gleich, letzteres ähnlich grandios wie auf "Roadworks 1": Am Ende der Tour sind die vier Musiker derart aufeinander eingespielt, dass man guten Gewissens von der berüchtigten "K9 Suite" sprechen kann. Eine ungeschriebene Sinfonie, die emotional wie dynamisch alle Höhen und Tiefen in sich birgt. "Timothy In The Magic City" schaut kurz vorbei und Oyvinds Sounds und Samples passen perfekt zu den dominierenden Saitenarbeiten der beiden Langhaarträger. Am Ende klagt Snahs gute alte Gibson überdeutlich ihr Leid, indem sie derart verstimmt ist, dass von der bereits beschriebenen Gitarrenmelodie nur mehr ein völlig zerfleddertes Jaulen übrig bleibt. Kein Wunder, wird dieser Track anno 2006 doch härter rausgepeitscht als je zuvor! Das liegt nicht zuletzt auch an Schlagzeuger Jacco: Sein eher gerader Spielstil treibt die Ur-Psychos direkt in Richtung Rock. An diesem Abend in Darmstadt jedoch wirbelt auch er ähnlich filigran wie sein Vorgänger. Einen direkten Vergleich nie wirklich angestellt, tut es in diesem Moment sehr gut zu sehen, dass Motorpsycho womöglich ihren Mann für die Zukunft haben: Hardrock is our Leifschteil!
Setlist: (155 Minuten)
Sideway Spiral III
No Evil ->
Hey Jane
Triggerman -> Manmower -> Return of Triggerman
Kill Devil Hills ->
Devil Dog
Hyena
U Lied
The Wheel
Plan #1
--------------
Vanishin Point
Sail On
Neverland
--------------
Un Chien D' Espace (K9)
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