Motorpsycho live

On the Road mit.

09.05.2006, 19:32, Text: Thorsten Schmidt

Konzerte von Motorpsycho sind stets eine sichere Bank: Drei, bzw. vier Musiker geben sich leidenschaftlich ihrer ganz eigenen Version von unabhängigem Rock hin und tragen einen Song auch gerne mal in spontenen Improvisationen innerhalb eines grob ausgemachten Rahmens 30 Minuten ganz weit raus. Eine Show dauert mindestens zwei Stunden und die Setlist wird für jede Show komplett umgeschrieben. Mit ausgiebigen Tourneen und neuen Alben drumherum wurden Fans über Jahre ziemlich verwöhnt, seit 2003 jedoch hat sich die Band ungewöhnlich rar gemacht. Da man sich nach Abgang von Schlagzeuger Gebhardt gerade neu finden muss und nicht sprechen möchte, soll ein kleiner Bericht von on the road klären, wo Motorpsycho live 2006 stehen. Schließlich haben Bent Saether und Snah Ryan mit "Black Hole / Blank Canvas" nicht nur ein überraschend pures, agiles Rockalbum veröffentlicht - es gilt schlicht auch in neuer Besetzung den Ruf als eine der besten Liveacts der Gegenwart zu bestätigen.

Rostock, Mau Club 30.04.2006 (ca. 300 Zuschauer) Die Zeichen stehen günstig: Es ist ein sonniger Nachmittag in Rostock, der Mau Club liegt direkt am Hafenausläufer und entpuppt sich als klassischer Rockclub von mittlerer Größe. Obwohl der Gig auf dem Weg von Kopenhagen nach Berlin erst nachträglich gebucht wurde, ist der Laden angenehm gefüllt. Auf Vorbands wird zum Glück wie gewohnt verzichtet, die würden an dieser Stelle eh nur stören. Um 21:30 Uhr geht es dann auch los, und den anwesenden Fans von heute und damals ist die Erleichterung deutlich anzusehen: Endlich sind sie wieder da! Mit "Un Chien D'Espace", einem knapp 30minütiges Monster von einem Song, wird gleich zum Einstieg das wohl bedeutendste Motorpsycho-Werk präsentiert... und wie: Nach einigen Minuten sanften Warmspielens intoniert Gitarrist Snah zunächst diese magische, an Beethovens "Für Elise" angelehnte Tonfolge, um dann einen mächtigen Soundwall aufzutürmen. Das Wechselspiel von laut und leise, Verzweiflung und Dramatik, Tenderness and beauty und spaced out jamming - diese Sinfonie setzt das Level für den heutigen Abend nach ganz weit oben. Und verlässt ihn auch die nächsten zwei Stunden bis zum magischen "Hogwash" nicht mehr.


Der emotional ud spieltechnisch sympathische Tour-Schlagzeuger Jacco van Rooij sitzt links im Halbdunkel der Bühne und fügt sich gut ein, vor kurzem noch Fan der Band ist er jetzt Teil von Motorpsycho! In der Mitte wie gewohnt vor jeder Menge ehrlichem, altem Equipment Bassist Bent und Snah, und rechts daneben Oyvind Bronsegg. Der hatte bereits auf "Timothys Monster" mitgewirkt und sorgt mit Vibraphon und dezenten Laptopsounds für ganz neue Möglichkeiten im Soundspektrum der Norweger. Mal spielt er vier Klöppel auf einmal, dann wischt er energisch auf den einzelnen Klangstäben herum umd die Frequenzen zu verändern - das mindestens aus den Musikstunden bekannte Instrument ist digital verbunden und sorgt für manch neue Klangfarbe Motorpsycho-Sound.
Die Kommunikation auf der Bühne funktioniert bestens, per Blickkontakt oder Gesten werden Wechsel und Breaks signalisiert. Hear no evil, see no evil und die Leinwand hinter der Bühne ist nicht mehr weiß sondern getränkt in den schillernden Farben sorgsam ausgearbeiteter Projektionen. Kein Zweifel: Feuertaufe bestanden, das fühlte sich schon sehr sehr gut an...

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