Adam Green live

Umhertollende Welpen

12.04.2006, 17:25, Text: Alexander Lazarek

31.03.06 Tempodrom, Berlin

Adam Green hat in Deutschland eine unglaubliche Kariere gemacht und ist von der verkleideten Hälfte eines Schrammel-Duos zu Everybodys favourite Schnuffelschrat aufgestiegen, der das Berliner Tempodrom, ein futuristisch-sakrales Amphitheater mit Zacken drauf, in dem sonst BAP, Chris Rea, Queen- und Falco-Musicals gastieren, beinahe zu dreiviertel ausverkauft. In anderen Ländern mag man ihn und seine schmunzeligen Walker-Morrison-Kabarettnummern belächeln, doch hier bringt er die Generationen zusammen auf die Konzertstühle: Die ganz jungen, kreischenden Mädchen, die ihn aus zahllosen Auftritten in der Sarah Kuttner-Show kennen und die vielen Damen und Herren über 40, die ihn vielleicht erst bei Harald Schmidt entdeckt haben und sich hier nun um Sitzplätze zanken, machen einen Großteil des Publikums aus.

Dazwischen: Viele Pärchen, aber auch Indie-Publikum vom Hipster, der keine Lust auf Kredibilitäts- und Ausverkaufsgemecker hat, bis zum perfekten Adam-Lookalike mit Green-Sakko, -Frise, -Shirt, -Button und offenem Mund.

Die gut 3000 Besucher sitzen in entspannter Erwartung auf den halbleeren Rängen oder dem vollen Parkett, als gegen 21:45 Uhr Adam Green zur Boxerhymne "Conquest of Paradise" die viel zu große Bühne betritt. Er hat seine Band mit neuem Gitarristen und Schlagzeuger und vier Streicherinnen (darunter seine Arrangeurin Jane Scarpantoni) dabei, und spielt 25 Singles und sonstige Hits seiner vier Alben. Vom Opener "Vultures" über "The Prince´s Bed", "Bluebirds", "Jessica Simpson", ein aufgepepptes "Carolina", "Friends of Mine", "Emily", "Musical Ladders", "I wanna die", "Gemstones", "Not supposed to be lovers" bis zum finalen "Dance with me", bei dem er ein Dutzend junger Mädchen auf die Bühne holt, die mit ihm Ausdruckstänze aufführen und wie Welpen umhertollen. Das ist sehr niedlich und auch ein bisschen schlimm. Das Publikum kichert, jubelt, staunt oder blickt betreten woanders hin, weil man ein ähnliches Schauspiel schon mehrere Songs vorher bei "Emily" hatte, als Green zwei Mädchen ("I´m eighteen!") zum Ringelreigen-Tanzen auf die Bühne geholt hat. Natürlich tanzt Adam Green immer sanft umher und führt genauso wie die 50 Zuschauer, die sich im Publikum von ihren Stühlen erhoben haben, eine Art groovende Song-Pantomime auf. Nur beim akustischen Libertines-Cover "What a waster", und bei "Can you see me", das er nur mit Streichern und Gitarre spielt, steht er still, und man erinnert sich kurz daran, wo er herkommt, und wie klein seine Bühnen noch vor 2 Jahren waren. Dann kommt die Band zurück und der fröhliche Rambazamba geht mit "Drugs" und "Nat King Cole" weiter.

Weil zu Rock'n'Roll aber irgendwie Rock´n´Roll-Taten gehören, rülpst Adam auch einmal und wird dafür genauso freudig beklatscht und bequietscht, wie in dem schönen Moment, als er das Mikro auf den Bühnenboden knallen lässt, von der dekorativen Bühnen-Parkbank plumpst und herumkrabbelt. That´s genauso Entertainment wie der dreckige Witz über die menstruierende Schwester, den er immer zwischen den Songs erzählt ohne die Pointe zu verraten, seine "Schmetterling! Schmetterling! Schmetterling!"-Ansage, die "Internet is the future - you heard from me ...second"-Prophezeiung, der "Astrodome, Futuredome, Tempodrom, Videodrome"-Kalauer und der aus der tiefsitzenden Hose herausschauende Hintern. Kreisch.

So angenehm und rempelfrei können also 30-Euro-Konzerte sein: Ein fulminanter Familienabend mit einem routiniert-witzigen Entertainer, 25 hübschen Scherzliedern und jeder Menge "Die Kelly Family in Las Vegas"-Feeling in der rauchfreien Luft. Bald ist wieder Weihnachten, und dann kommt endlich mal die ganze Verwandschaft mit zu Onkel Adam. Mit Kerzen, Gebäck und Sitzkissen. Den drei Jungs, die zwischen den Songs "David Hasselhoff!" geschrien haben, gebe ich dann ein Bier aus, und überhaupt sollte einfach jeder Künstler mit Streichern touren.











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