Althippies und Pädagogenmädchen

Danko Jones Live

31.03.2006, 15:08, Text: Niels Kleimann

28.03.06 - Köln, Live Music Hall

Ab einem gewissen Alter geht Anstellen im Nieselregen vor Etablissements des abendlichen Nachtlebens nicht mehr. Irgendwie haben Konzerte früher auch später angefangen, oder? Damit wäre also die erste Band natürlich verpasst, obwohl man pünktlich um 20.30 vor der Live Music Hall stand. Fangen wir unsere kleine Rock'n'Roll - Exkursion also kurz vor Brant Bjork & The Bros. an. Wie erwartet ist die LMH gut gefüllt und der Mob will rocken, das merkt man als erfahrener Konzertgänger sofort. Mir schwant Böses, deswegen stelle ich mich vorsichtshalber mal in den hinteren Teil der Halle, während ein äußerst relaxt aussehender Brant Bjork auf der Bühne an seinem Equipment bastelt.

Wenn ich an seine Platten denke, dann kann ich nicht recht den kausalen Zusammenhang zwischen Brant und Danko sehen, aber passt schon. Ich mag ja beide und bin bestimmt nicht alleine mit dieser Auffassung. Schon nach den ersten Akkorden blickt der Mob fragend um sich. Manche fragen sich gar, ob sie sich in der Location geirrt haben mögen.

Ein pädagogisch anmutendes Mädchen hinter mir fragt ihren Freund \\\"Wasn das fürn Typ. Wasn dass für ne langweilige Mucke? Wasn das fürn langweiliges...\\\". Mich schüttelt es schon innerlich, da tippt mir etwas auf die Schulter. Eben erwähntes Mädel schaut mich fragend an und will wissen, welcher Althippie denn da gerade auf der Bühne steht. Ich setze mein altkluges Gesicht auf und erkläre ihr, dass der ALTHIPPIE (Was denkt die sich eigentlich?) mal bei den legendären Kyuss in der Rhythmussektion gesessen hat. Sie schaut fragend, ich grinse gewinnend und nicke ihr zur. Im Hintergrund höre ich noch ein fragendes \\\"Kyuss?!\\\" von ihrem Lebensabschnittsgefährten. Mich schüttelt es mittlerweile gewaltig. Wieso fragt sie eigentlich MICH nach dem ALTHIPPIE? Von der Seite höre ich unflätige Bemerkungen in Richtung Bühne und ich entschließe mich, den Platz zu wechseln.

Es gibt dann aber doch noch einige, die meine Meinung zu teilen scheinen, auch wenn sich der Applaus in Grenzen hält. Das wird den drei Herren auf der Bühne auch langsam klar. \\\"Seid euch gewiss, das Danko Jones gleich noch eure Ärsche rocken wird\\\", schallt es aus den Lautsprechern \\\"...aber wir spielen hier trotzdem noch ein paar Songs.\\\" Wieder gibt es verhaltenen Applaus und das kleine Pädagogenmädchen verdreht die Augen.

Sicherlich war der chillige Sound nicht gerade der ideale Support für Danko Jones, die LMH zu groß für einen Act wie Brant Bjork, aber ich weiß zumindest wieder, warum ich mein Pädagogikstudium erfolgreich abgebrochen hab und das ist ja schließlich auch was, oder?

Nun aber zur Hauptattraktion des Abends. Dem kanadischen Mädchenschwarm und Feind des Schlafes Danko Jones. Es sei gesagt, dass sich die Prophezeiung des Support-Acts als wahr erweisen sollte. Danko ließ von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, in welche Richtung das Konzert gehen sollte. Nach vorne nämlich. Ein Mr. Jones in Spiellaune ist eh nicht zu bremsen, aber an diesem Abend wurden nebenbei noch Videoaufnahmen gemacht. Das schien ihn noch zusätzlich anzutreiben. Und wer ihn kennt, der weiß genau, wie schnell er den Funken ins Publikum überspringen lässt. War aber auch mal wieder alles dabei: schmissige Sprüche, die kleine Selbstkasteiung und 'ne extra Portion Rock'n'Roll vom allerfeinsten.

Spätestens als sich die Schweißflecken des obligatorischen schwarzen Hemdes vollends bemächtigten, hat sich auch die LMH in ein schwitzendes Tollhaus verwandelt. Gute zwei Stunden hielt die kollektive Euphorie dann an, ehe Danko Jones den Mob glücklich nach Hause schickte. Bleibt nur noch zu sagen: kleines Pädagogenmädchen, wenn du das zufällig lesen solltest: \\\"Welcome To Sky Valley\\\" von dieser unbekannten Band namens Kyuss. Hör mal rein. Tip von nem Althippie.



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