
Hypnotische Schleifen
Jel und Ms. John Soda live
27.03.2006, 10:42, Text:
Karsten Nölle
23.03.06 - Köln, Gebäude 9
Bei dem guten Labelprogramm von Morr Music ist ja eigentlich jedes Konzert ihrer Bands ein Pflichttermin. Ms. John Soda - zusammengsetzt aus The Notwist und Couch - eilt zudem noch der Ruf einer großartigen Liveband voraus, die den Sound ihrer Alben live noch weiter pushen. Aber bevor zu Ehren dieses Ereignisses im Hauptsaal des Gebäude 9 der Kronleuchter erglimmt, dürfen wir vorher noch die Beatmassage von Jel genießen. Wie aus dem kreativen Anticon Umfeld nicht anders gewohnt, überrascht er uns mit knarzenden Bässen, flirrenden Samples und wilden Beats, die er live einspielt.
Der Hauptact hat im Anschluss etwas mit der Technik zu kämpfen, aber meistert dies ziemlich gelassen. Ms. John Soda scheinen ja an der perfekten Symbiose von Indie und Elektronik zu arbeiten, ein Ansatz, der sich auch in der Selbstbeschreibung und der Gestaltung ihrer Cover zeigt: Roboter-Mensch-Analogien tauchen in der Bandgeschichte ja immer wieder auf. Live spielen sie dann die etwas organischere, rockigere Variante ihrer Stücke. Die weilheimischen Bassläufe Micha Achers treffen auf Synthesizermelodien und Gitarrenspuren - vom Mischer eine schwer zu bändigende Bestie. Darüber schwebt die sanfte Stimme von Stefanie Böhm, geht teilweise in den Gitarren- und Basswänden unter, erkämpft sich aber tapfer den Weg nach oben und verschmilzt mit den wunderschönen Melodien. Der Bass verlockt zum Tanzen, zusätzlich bereichern elektronische Pluckerbeats und flirrende Töne noch das Ganze. In den besten Momenten verdichten sich die verschiedenen Klänge und Melodien zu hypnotischen Schleifen, von denen man hofft sie würden niemals enden. Emotionales Sounddesign im Breitbandformat.
Was kann ich sagen? Der Weg durch die Kälte hat sich gelohnt und eigentlich klangen Ms. John Soda so wie das Wetter, das uns an diesem Tag den Frühling noch verwehrt hat, aber schon eine Vorahnung zulässt, ohne jedoch zuviel davon preiszugeben. Im Klartext heißt das: schöne Melodien, die einen dennoch nicht zu sehr einlullen, da sie durch noisige Einschübe kontrastiert werden. Ms. John Soda durchschlagen den gordischen Knoten, der oft der süßlichen Schwere des Indietronikgenres anhaftet. Zu einer angenehmen Hebung des Serotoninspiegels hat dieses Konzert bei mir dennoch geführt.
Wovon hier die Rede ist? Hier und hier mal nachhören.
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