
Freud und Leid
Placebo und Slut live
13.03.2006, 15:32, Text:
Peter Flore,
Peter Flore
[5 Kommentare]
10.03. Berlin, C-Halle
Es ist eine feine Sache mit den O2-Musicflashs, zumindest wenn man zeitig davon weiß. Per SMS oder Newsletter vom Mobilfunkanbieter, per Mundpropaganda. Rund 1000 Zu-Spät-Gekommene bestraft an jenem Freitag aber das Leben. Kurz nach 20 Uhr drängeln sich bereits 3000 glückliche bis gut informierte Menschen in der C-Halle, der erstgenannte Pulk verstreut sich wieder ins Berliner Nachtleben. Zum einjährigen Jubiläum der Free-Concert-Reihe hat der Veranstalter mit Placebo und Slut ein ebenso nettes wie passendes Package in die Hauptstadt geholt und wie so oft bei Gratiskonzerten ist die Stimmung ausgelassen, es gibt schließlich nichts zu verlieren.
Kurz nach zehn dann kündet der Placebo-Opener \\"Meds\\" von diesem seltsam vertrauten Gefühlscocktail aus Einsamkeit, Angst und Abhängigkeit und es ist wie bei einem guten Freund, den man lange nicht gesehen hat und der sich kein Stück verändert hat. Fast erleichtert registriert die Menge, dass Molko immer noch leidet. Die ersten fünf Stücke entsprechen der Tracklist des neuen Albums, die die Band relativ humorlos aber gekonnt herunterspielt und die erst mit der (UK-)Single \\"Because I Want You\\" aufgebrochen wird. Wenn auch damit die Annahme, dass die Band nur neue Stücke spielen wird, noch nicht entkräftet ist - schon jetzt funkeln Songs wie das verstörende \\"Space Monkey\\" wie ein Stern am Nachthimmel und man fragt sich, was das für ein Affe da auf Molkos Schulter ist.
Vermutlich der alte Affe Angst. Am Ende werden sie fast das gesamte Album live gespielt haben, nur \\"Broken Promise\\" und das wunderschöne \\"Pierrot The Clown\\" wird kein Chronist verzeichnen können. Wenn der Wunsch nach den älteren Hits der Band auch nicht explizit geäußert wird, er schwirrt doch fromm durch die stickige Luft. Dann aber endlich \\"The Bitter End\\" und \\"Special K\\" und Molko orakelt: \\"It seems like we're entering the nostalgic part of the evening\\". Es folgen \\"36 Degrees\\", \\"20 Years\\", später auch noch \\"Nancy Boy\\" und die Kate Bush-Gunstbezeugung \\"Running Up That Hill\\". Indes nicht ein Ton vom \\"Without You I'm Nothing\\"-Album, heute regiert eindeutig der Blick nach vorn vor der Hit-Retrospektive. Und die Zukunft sieht bei Molko auch nach fünf Alben immer noch recht düster ist. Das Publikum beklatscht seine Pein, irgendwie ein obskures Bild, aber auch Kontemplation. Die Gewissheit, dass manche Dinge sich niemals ändern, kann auch Trost verheißen, in diesen unbeständigen Zeiten: Des Einen Leid, des And'ren Freud'. Wie so oft bei Placebo.
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outroid 13.03.2006 | 15:53:25
this place is full of spies!
Nie in Hamburg, das ist scheiße.
Das Nördlichste ist doch wohl Berlin, oder?
Pöh...
outroid 13.03.2006 | 15:53:25
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Nie in Hamburg, das ist scheiße.
Das Nördlichste ist doch wohl Berlin, oder?
Pöh...
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