DIE ROCK-GIGANTEN
01.04.2004, 14:33, Text:
Marcus Schleutermann,
Marcus Schleutermann
ROCK AM RING/ROCK IM PARK
Wie immer eröffnet das Zweigestirn Rock am Ring/Rock im Park an Pfingsten (liegt diesmal erst im Juni) den Festivalsommer. Voriges Jahr erfreute sich der integrierte Ozzfest-Tag mit Abstand des größten Zuspruchs. Deshalb setzt Veranstalter Marek Lieberberg mit seinem Team dieses Jahr konsequent auf harte Gitarrenmusik.
An allen drei Tagen geben sich zahlreiche Größen der Alternative-Rock- und NuMetal-Szene die Ehre, wobei besonders die Shooting-Stars Linkin Park, die Fred-Durst-Posse Limp Bizkit, Schock-Rocker Marilyn Manson, Zwan (die neue Band von Smashing Pumpkins‘ Billy Corgan), Audioslave (Soundgardens Sänger Chris Cornell mit Rage Against The Machine) und die unnachahmlichen Queens Of The Stone Age von Interesse sind.
Im Gegenzug bleiben die elenden Alt-Rocker für die Peter-Rüchel-Zielgruppe dankenswerterweise außen vor. Zudem gibt es kein “House Of Comedy” mehr. Nachdem es letztes Jahr durch die versetzte “Alterna-Stage” erhebliche Probleme wegen akustischer Überschneidungen mit der Center-Stage gab, wird die Standortfrage neu gelöst werden. Und die Veranstalter tun noch mehr gegen den bundesdeutschen Reformstau.
Die einschneidenste Änderung ist Trennung von Park- und Zeltflächen. Durch eine alternierende Anordnung sollen die Wege dazwischen nicht mehr als 300 Meter betragen. Diese effektivere Raumausnutzung soll die Entfernung zu den Haupteingängen verkürzen. Überdies ist geplant, stolze 50 Prozent mehr sanitäre Anlagen zur Verfügung zu stellen, von denen auf dem Festivalgelände alle und außerhalb zumindest die “Dixis” kostenlos sind. Um eine transparente Preisgestaltung zu gewährleisten, gibt es ein Inklusiv-Ticket, das alle Gebühren für Parken und Zelten bereits enthält. Es lohnt sich, die Karten im Vorverkauf zu erstehen, denn dann sind sie mit 99,- Euro statt 120,- Euro an der Tageskasse erheblich billiger. Der Differenzbetrag ist wohl am sinnigsten in mehreren Runden Bier investiert ...
Rock am Ring and Rock im Park certainly live up to their names. The classic rock events are traditional curtain-raisers to the open air festival season. Simply rock at its best!
HURRICANE/SOUTHSIDE
Im Vorjahr war das Festival-Doppel Hurricane/Southside mit exquisitem Billing und riesigem Besucherzuspruch die wohl erfolgreichste Veranstaltung. Da Stillstand jedoch Rückschritt bedeutet, ruht sich die “Scorpio”-Konzertagentur nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern rückt demonstrativ vom reinen Rock-Charakter ab. Im Mittelpunkt steht diesmal vielmehr eine riesige stilistische Bandbreite, der vor allem eins zu eigen ist: Klasse.
Das Angebot reicht vom engagierten Polit-Crossover der Asian Dub Foundation und spandexfreien Rock (Fu Manchu, Danko Jones) über Punk, Ska und anspruchsvollen Brit-Pop (Coldplay, Radiohead, Starsailor) bis hin zu Elektro-Größen wie Moloko und der lautmalerischen Kunst von Sigur Rós. Offenheit ist also gefragt, die Scheuklappen sollten daheim bleiben. Um den zahlreichen Acts ein adäquates Forum zu bieten, wurde die Festivaldauer um einen auf drei Tage verlängert; es geht dieses Jahr schon freitags los.
Beide Gelände liegen wunderschön im Grünen und bieten reichlich Platz zum Zelten. Das ist übrigens genau wie das Parken und die Vorverkaufsgebühr im Preis von 79,- Euro enthalten – allerdings gilt das Hurricane-Ticket nicht mehr als Bahnfahrkarte für Niedersachsen.
Der besondere Reiz von Hurricane und Southside liegt in der tollen, ausgesprochen friedlichen Atmosphäre, an der nicht zuletzt die freundliche Security großen Anteil hat. Wer in der Mitte Deutschlands wohnt und es ungefähr gleich weit nach Scheeßel (zwischen Hamburg und Bremen) und Neuhausen ob Eck (bei Tuttlingen in Bodenseenähe) hat, sollte bedenken, dass sich die Fahrt in den Norden mehr lohnt, denn nur beim Hurricane spielen Björk und Zwan.
The legendary Hurricane and Southside festivals - three days of glorious atmosphere and an eclectic line-up beyond compare. A must for all true festival fanatics!
Bizarre
Ein bizarres Vorspiel – das gab es für diesen Festival-Klassiker im Winter. Beinahe wäre es um Deutschlands Kopfnicker-Open-Air Nummer 1 geschehen gewesen. Der Veranstalter, die “Concert Cooperation Bonn”, meldete im Februar Insolvenz an. Nach einigem Hin und Her wurden die Markenrechte nun von der englischen “Mean Fiddler Group” aufgekauft, die in enger Zusammenarbeit mit Bizarre-Mastermind Ernst Ludwig Hartz nun das Bizarre veranstalten wird.
Und so erlebt das Bizarre seine mittlerweile 17. Auflage, wenn auch an anderer Stelle: in Köln am Fühlinger See, einer wahrlich prachtvollen Location. An der musikalischen Programmatik indes hat sich nichts geändert. Die Besucher bekommen, was sie begehren – das beinharte Brett. Bizarre repräsentiert wie kein anderes Festival den Siegeszug von harten Rock-Klängen und NuMetal von der Underground-Bewegung zur echten Mainstreamkultur. Die Verantwortlichen werden alles tun, dem Image gerecht zu werden:
Das Rahmenprogramm wird bestimmt von einem üppigen Basarangebot, das das Herz eines jeden Besuchers höher schlagen lässt. Die traditionelle Budengasse säumen neben Bier- und Fressbuden vor allem Piercing-Ecken, Shirt-Shops und Tattoo-Studios. Das Festival ist ein gutgelaunter Ausklang des Festivalsommers, auch wenn die Optik der Klientel einem manchmal das Gefühl gibt, man sei im New York des Action-Klassikers “Die Klapperschlange” gelandet. Aber martialische Klänge und ein derbes Outfit gehören nun mal dazu, zur 60 Stunden Power-Party. Einziges Manko bei einem Marathon-Festival dieser Klasse: das Schlafdefizit. Schlafen lässt es sich aber immer noch, wenn man tot ist. Denn merke: Nur ein Bizarre, das mit totaler Erschöpfung endet, ist auch ein gutes Bizarre.
No other festival captures hard rock’s triumphant march away from music’s ”alternative” periphery to the genuine mainstream quite like Bizarre. This year promises to be no exception as the organisers have changed the location but stuck to the festival’s uncompromising image.
WITH FULL FORCE
Mit seiner einzigartigen Mischung aus Punk, Hardcore und Metal in all seinen extremen Spielarten (Doom, Thrash, Death, Black) hat sich das With Full Force über die Jahre hinweg seine ganz eigene Nische geschaffen, die Fans aller harten Lager vereint. Der Flughafen Roitzschjora, rund 45 Minuten nordöstlich von Leipzig, liegt zwar ziemlich weit vom Schuss, aber zur guten Versorgung lassen die Veranstalter extra einen Supermarkt auf dem Gelände errichten. Außerdem können Camper so viele Getränke und Speisen mitbringen, wie sie unterzubringen vermögen.
Praktischerweise kann direkt am Auto gezeltet werden. Die Campinggebühr ist im fairen Preis von 59,- Euro bereits enthalten, ein Parkticket kostet pro Auto 15,- Euro. Für alle Bahnfahrer gibt es einen kostenlosen Shuttle-Service vom bzw. zum Bahnhof der nächstgelegen Ortschaft Delitzsch. Wer mit dem Skateboard anreist, darf sich vor Ort über einen eigenen Parcours mit Halfpipe freuen. Wie gewohnt gibt es auf der “Hard-Bowl”-Bühne tagsüber Punk wie Hardcore und nach Einbruch der Dunkelheit mit der “Knüppelnacht” und “The Last Supper” ordentlich was auf die Ohren.
Das Line-up hat es in sich: Es spielen Type O Negative, Sepultura, Sick Of It All, Youth Of Today, Six Feed Under, Destruction, Suicidal Tendencies. Die Doom-Legende Saint Vitus feiert mit der Rückkehr des Shouters Wino ihre Wiederauferstehung und spielt hier den einzigen Deutschland-Gig. Think About Mutation, Messiah und die Ryker‘s verabschieden sich dagegen beim With Full Force mit ihren allerletzten Shows, bevor sie ihre Karriere beenden.
Nowhere else will you see leather-clad headbangers, street punks and hardcore skater kids exist alongside and among each other in such harmony. You’ve heard of the Wild West. This is the Wild East!
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