Rock Am Ring. Phönix Aus der Asche

06.-08.06. – Nürburgring, Eifel

10.07.2003, 12:10, Text: Tanja Künzel / Marcus Schleutermann, Tanja Künzel / Marcus Schleutermann

2002 schien Rock am Ring mit einem wenig spannenden Billing und enttäuschendem Besuch abgewirtschaftet zu haben, doch dieses Jahr erhob sich das Kult-Festival wie Phönix aus der Asche. Trotz der Absagen von Limp Bizkit (Verzögerung im Studio) und Linkin Park (krankheitsbedingt) konnten Marek und André Lieberberg mit ihrem Team das Who’s who der modernen Rock-Szene präsentieren – und obendrein noch zwei der größten Metal-Legenden aufbieten. Dementsprechend war der Zuschauerzuspruch enorm: Je nach Tag tummelten sich zwischen 75.000 und 100.000 Fans auf der Rennstrecke – mehr als doppelt so viele wie letztes Jahr. Passend dazu wurden die Bühnen weiter voneinander entfernt in versetztem Winkel platziert, sodass sie sich nicht mehr gegenseitig beschallten und einen uneingeschränkten Hörgenuss ermöglichten.

Am Freitag erwiesen sich Iron Maiden als würdige Headliner. Zwar traf Bruce Dickinson nicht jeden Ton und trug zudem eine Hose, die mit Modeverbrechen noch nett beschrieben ist, aber ungeachtet dessen fraß ihm das Publikum aus der Hand. Die Briten haben seit dessen Wiedereinstieg zur Normalform zurückgefunden und boten ein Best-Of-Programm, das die Fans bis weit nach hinten begeisterte. Noch bessere Reaktionen ernteten lediglich Metallica zwei Tage später. Die Four Horsemen scheinen endlich begriffen zu haben, dass sie sich mit “Load” und “Re-Load” auf dem Holzweg befanden, und konzentrierten sich folgerichtig auf ihre ersten vier Scheiben; vom schwarzen Album gab es lediglich “Enter Sandman”, vom neuen nur den Opener “Frantic” und die erste Single “St. Anger”. Diese Setlist sorgte für Freudentränen und die effektvolle Pyro-Show für überschwänglichen Jubel bis in die letzte Reihe.

Ganz groß trumpften auch Audioslave auf. Obwohl das Covern eines aktuellen Songs eigentlich ein absolutes Tabu ist, stiegen der ehemalige Soundgarden-Sänger und die Rage-Against-The-Machine-Instrumentalfraktion mit einer furiosen Version des White-Stripes-Hits “Seven Nation Army” ein und hatten die Masse sofort für sich gewonnen. Marilyn Manson bot erwartungsgemäß mal wieder ganz großes Entertainment. Neben seinen üblichen Gimmicks wie diversen Maskeraden, Stelzen u. ä. präsentierte er zwei Tänzerinnen mit Make-up im Gottfried-Helnwein-Stil. Überraschend stark war die Resonanz auf die leidenschaftlich zu Werke gehenden Emo-Metaller Boysetsfire, die das Kunststück fertig brachten, als erste Band des (Sonn-) Tages Moshpits bis hinter die Wellenbrecher hervorzurufen. Und sonst? Drei Bands schlugen gekonnt die Brücke zwischen Old- und Nu-School: Disturbed trumpften mit ihrem Groove-Metal trotz eines heftigen Regenschauers auf, Nothingface kombinierten moderne Freakiness mit klassischen Songwriting-Tugenden und räumten trotz des noch unbekannten Songmaterials mächtig ab, und Chevelle füllten mit ihrem zwischen 3 Doors Down und Taproot angesiedelten Sound den Begriff Power-Trio mit Sinn.



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