Immergut Festival 2002

Zu viel Schönes (mit Video)

05.06.2002, 14:29, Text: Stefan Lehmkuhl, Hendryk Bayrhoffer und Christian Steinbr, Stefan Lehmkuhl, Hendryk Bayrhoffer und Christian Steinbr
[5 Kommentare]

Wie hieß noch gleich der Titel der Intro-April-Ausgabe? \\\\"Status Quo Vadis - Deutschland, Pop und Sprache am Stammtisch\\\\" - kann man in Bezug auf das Immergut Festival, das am 31.05. und 01.06. in Neustrelitz im wunderbaren Neustrelitz stattfand, eigentlich so stehen lassen. War ja alles da, was Rang und Nahmen hat und in unserer Titelstrecke Tribut fand. Tocotronic, Tomte, Die Sterne und und und. Nur die Sporties fehlten. Die waren schon zu oft da. Trotzdem gingen ihre Songs gut im Indie-Disko-Zelt.

Irgendwie hat dieses Fest immer was von Familie. In Indie. Bisschen oberflächlich, aber immer nett und gut.

Man kennt sich. Man hat sich lieb. Wofür Immergutrocken bekannt ist, ist eben diese familiäre Atmosphäre, die sich auch auf die Besucher überträgt. Das hat sich rumgesprochen: In diesem Jahr wuchs die Immergut Familie von anfangs 800 (2000) dann 2.500 (2001) auf 4.000 Indie-Kinder an. Da darf man ruhig mal das Unwort \\\\"Hype\\\\" benutzen. Sympathisch: So richtig super finden die Veranstalter vom Immergut e.V. Hypes nicht. Sie limitierten die Tickets auf eben 4.000 - auch wenn da noch deutlich was gegangen wäre.

Und so wurde das Immergut trotz Regen und Hagel am Freitag, minimalen Temperaturen in der Nacht und einigen Zaungästen einmal mehr zu einem wahren, ehrlich, erdigem Festival-Highlight.

Kommen wir zu Konzerten. Die gibt´s ja auch immer auf Festivals. Aber sicher kommt es nirgends weniger auf das Line Up an als hier. Hier wird erstmal generell jeder abgefeiert. Hauptsache schrammlige Gitarren, schiefer Gesang und Slogans direkt aus dem Leben. Schon schön.

Nicht ganz in dieses Schema passten Das Pop. Hier war nämlich alles gerade und durchgestylt. \\\\"Nicht authentisch\\\\" sagen die einen, \\\\"großartige Show\\\\" finden andere. Letzteres stimmt. Es war eine Show. Eine gute sogar. Und der Sound zum heulen vor Freude. Das (subjektive) Highlight vom Freitag - auch wenn Die Sterne danach versuchten ihrer Headliner-Position gerecht zu werden. Wenn auch nicht jeder Ton getroffen wurde, die neuen Songs kamen ganz gut an und der erste Festival-Auftritt der Saison gut und sympathisch absolviert.

Von den Schotten Aereogramme hatte man sich einiges erwartet. Hatte doch ihre Platte auf Chemikal Underground einige sehr große Momente. Und wirklich niemand musste da enttäuscht werden, denn ihr elegischer Heavy Metal-beeinflusster Rock mit Arab Strap- und Mogwai-Einflüssen wirkte live ungemein beeindruckend. Drei bärtige Männer, vom Aussehen ein bisschen an die Grandaddy-Crew erinnernd, erzeugten mit ihrem Wechsel zwischen rockigen Gitarrenwänden und ruhigen, elegischen Passagen aufgewühlte Reaktionen des Publikums. Das war ihnen am Schluss, nach Hits wie \\\\"The question is complete\\\\" dann so ergeben, dass es auch artig fürs Erinnerungsphoto winkte.

Klare Headliner des Festivals waren Soundtrack Of Our Lives. Selbst, wenn vielleicht die Hälfte des Tocotronic Publikums noch nie was von den Schweden gehört hat, wurden sie gefeiert wie keine andere Band des Festivals. Sie zelebrierten in unfassbarer Perfektion fast alle Hits ihres Album-Klassikers \\\\"Behind The Music\\\\". Rock´n´Roll galore, strahlten die sechs Musiker aus, angeführt von ihrem charismatischen Sänger (Prediger!?), der sogar kurzzeitig 4.000 Menschen auf die Knie zwang. Und sie knieten. Alle. Großartige Show, die mal wieder ausgiebig zum Luftgitarre spielen animierte.

Tocotronic beendeten dann das Festival mit alten und neuen Songs. Dass es bessere Live-Bands gibt ist kein Geheimnis. Warum Tocotronic zu Recht trotzdem gefeiert werden, kann man ja in aller Ausführlichkeit in der Titel-Story des neuen Intro nachlesen. Die gibt´s hier.

Man könnte so viel erzählen. Man würde den Rahmen sprengen. Eins steht fest: Die besten Festival-Anekdoten kommen vom Immergut. Nur leider bleiben die unter uns. Mehr zu diesem Thema in der Intro-Juli-Ausgabe, bald auch eine weitere Nachlese. Bis zum nächsten Jahr in Meckpomm.

Und hier geht's zu unserer Bildergalerie.

Und hier die Videos:
[Video 100k] [Video 56k]



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  • User: trashpop
  • trashpop 06.06.2002 | 10:08:08

    Tja, irgendwie blieb ein flaues Gefühl. Aber Soundtrack hat sich dann doch sehr gelohnt. der rest war komisch bis schwach, Mia schütteten aber doch ganz prächtig Knüppelsuppe auf die Ohren.

  • ericstrip 06.06.2002 | 14:15:24
    Trabibändiger
    Ich sage nur: Aereogramme!

    Im Übrigen: Komisch bis schwach? Auf welchem Festival warst Du denn...

  • User: Daniel Decker
  • Daniel Decker 06.06.2002 | 17:44:59

    neu neu video neu neu
    au revoir ich fahr jetzt zum melt!

  • User: mindlessme
  • mindlessme 06.06.2002 | 18:33:42

    mehr photos!
    die slideshow ist ja eigentlich ein ziemlicher witz...

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