
Routinierte Großartigkeit
Foo Fighters u.a. live
04.02.2006, 08:00, Text:
Thorsten Schmidt,
Thorsten Schmidt
31.01.2006, Amsterdam, Heineken Music Hall
Heute Abend ist alles ein wenig straffer organisiert: Wie bereits einige Konzerte der \\\"In Your Honor\\\"-Tour zuvor, wird auch die Show in Amsterdam mit diversen Kameras dokumentiert. Spätere Verbreitung in Planung. Die ausverkaufte Heineken Music Hall erweist sich dabei zumindest technisch als geeignet, ein hypermoderer Event-Tempel, dem allerdings jedes Ambiente für Rock'n'Roll abgeht.
Rye Coalition aus New York servieren um 20.00 Uhr Punk der eher brachialen Sorte. Sänger Ralph Gregory Cuseglio rennt aufgestachelt in seinen mit Zottelfell besetzten Stiefeln hin und her, den Kopf gen Hallendecke gestreckt, und schreit mehr als er singt.
Nach kurzer Umbaupause kommt dann Foo Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins auf die Bühne um die folgenden Secret Machines als seine derzeitige Lieblingsband anzukündigen. \\\"Holt eure Joints raus, hört zu und werdet high - diese Jungs sind ganz groß!\\\" Da hat er Recht. Zwar geht der fließende Sound der Secret Machines in der großen Halle etwas verloren, aber das halbstündige Set ist klug gewählt: \\\"Alone, Jealous & Stoned\\\" als atmosphärischer Einstieg bei schummrig-grüner Beleuchtung, dann eine kleine Pop-Nummer namens \\\"Lightning Blue Eyes\\\", und mit dem knapp zehnminütigen Spacerock-Monster \\\"Daddy's In the Doldrum\\\" sogar noch ein dritter Track aus dem noch unveröffentlichten neuen Album \\\"Ten Silver Drops\\\". Brendon Curtis wechselt von den Tasten zum Bass, sein Bruder, Gitarrist und Leadsänger Benjamin zieht Gitarrenschleifen in die Marihuana geschwängerte Luft, und Schlagzeuger Josh Garza prügelt seine hypnotisch-geraden Rhythmen in den Raum: Auch wenn die Secret Machines für die völlige Entfaltung ihres stark vom 70er Krautrock beeinflussten Sounds eigentlich mehr Zeit benötigen - an diesem Abend dürften sie einige neue Fans hinzugewonnen haben.
Gegen 21:30 Uhr wird dann endlich der Vorhang wieder aufgezogen: Die Foo Fighters gehen mit \\\"In Your Honor\\\" in 90 höchst unterhaltsame Minuten. \\\"All My Life\\\" sorgt für erste blaue Flecken, bevor man sich mit \\\"My Hero\\\" in längst vergangene Tage begibt. Diese Band weiß, wie man Partys feiert. Eine bombastische Lichtshow mit Lasern und Nebel, LEDs und Strobo, dazu vier riesige Screens, auf denen man in den spannenden Momenten Schlagzeuger Taylor Hawkins in der Totalen, von oben und als Close-Up so nahe kommt, dass man seine vom mörderischen Spiel angespannten Halsmuskeln und die freudig-gebleckten Zähne in Großaufnahme sieht. \\\"Stacked Actors\\\" ist wie gewohnt ein Highlight, ein tiefer Schluck aus der Whiskeyflasche von Jim Morrison mit knackigen musikalischen Duellen. Entertainer Grohl könnte auch 50.000 Leute mühelos um seinen kleinen Finger wickeln, heute reichen gut 5.000. Vor \\\"Big Me\\\" geht er auf einen lauten blonden Bloke im Publikum ein, macht ihm ob seiner beidseitigen Ohrringe deutliche Angebote und nimmt letztlich nur sich selbst auf den Arm. Als Friedensangebot widmet er dem Leidgeplagten ein Medley von \\\"Whole Lotta Love\\\". Wie freundliche mitreisende Fans jedoch erwähnen, sind diese kleinen Anekdoten zumindest musikalisch auf jeder Show gleich. Der Moonwalk von Hawkins, das kurz angespielte \\\"Beat it\\\" von Michael Jackson oder das \\\"Ayayee\\\"- Wechselspiel mit dem Publikum - ist nix mit Spontanität. Schade eigentlich. Spaßvogel Grohl sorgt bei \\\"Everlong\\\" einmal mehr für Gelächter, als er dem vom gesamten Saal gesungenen \\\"If everything could ever feel this real forever...\\\" ein trockenes \\\"in the butt\\\" anhängt. Für die Zugaben gibt es dann wieder diesen bewegenden Moment, in dem er für \\\"Cold Days In The Sun\\\" mit Hawkins tauscht und sich hinter das Schlagzeug setzt... seufz. Krönender Abschluss ist ein ewig langes \\\"Monkey Wrench\\\" bei dem es dann auch die letzten Tribünengäste vor lauter Hits ganz mächtig aus den Sitzen reißt.
Setlists
Foo Fighters:
IN YOUR HONOR
ALL MY LIFE
MY HERO
BEST OF YOU
UP IN ARMS
LEARN TO FLY
TIMES LIKE THESE
THE ONE
STACKED ACTORS
BIG ME
NO WAY BACK
BREAKOUT
END OVER END
EVERLONG
-------------------
DOA
COLD DAY IN THE SUN
MONKEY WRENCH
Secret Machines:
ALONE, JEALOUS & STONED
LIGHTNING BLUE EYES
SAD & LONELY
DADDY'S IN TEH DOLDRUM
NOWHERE AGAIN
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