Zeitreisen durch Parallelwelten

Angie Reed live

23.01.2006, 20:00, Text: Thomas Markus, Thomas Markus

20.01.2006, Köln, Prime Club

Angie Reed ist momentan mit ihrem zweiten Album \\"XYZ Frequency\\" unterwegs. Die ehemalige Stereo Total-Bassistin, italo-amerikanische Wahlberlinerin, Comic-Zeichnerin und Schauspielerin hat auf ihrem letzten Album über skurilen Anekdoten aus dem Sekretärinnen-Leben ihres Alter Egos Barbara Brockhaus berichtet. Auf der aktuellen Platte geht es um Erstaunliches aus diesmal nicht ganz alltäglichen Parallelwelten. Die Rahmenhandlung: Angie stirbt, wird zurück zur Erde geschickt und tingelt per Zeitmaschine durch verschiedenste Szenarien. Warum auch im Hier und Jetzt verweilen, wenn man es mit Hilfe von Science-Fiction noch viel doller treiben kann.

Tauchen wir also ein in die Angie-Reed-Galaxis.

Live setzt Angie Reed die Story mit Hilfe einer Leinwand im Hintergrund um, auf der Comic-Streams gezeigt werden, in die sie sich selbst projiziert hat. Dieser kleine interaktive Trick erlaubt es uns, Angie auf ihrer Zeitreise durch alle noch so schrägen Situationen zu begleiten. Wir treffen mit ihr den Gala-lesenden Punk, einen grün angemalten Nackten, der den \\"Pimmel-Run\\" zeigt, und gehen mit ihr in einer Unterwasserwelt Fisch essen. In einer Talk-Show leiht Angie leblos wirkenden Geistern ihre Stimme und sie zeigt uns Nonnen, die unter ihrer Robe Cunnilingus praktizieren lassen. Zu jeder Szene knarzt der passende Track aus den Boxen. Begleitet von vielen \\"Wows\\" und \\"Ohs\\" von Angie und für sie vollkommen erstaunlichen Selbsterkennungs-Momenten (\\"Hey wow, da bin ja ich - guckt mal!\\") wird der Zuschauer durch den Angie-Reed-Comic-Style-Kosmos gebeamt. Bunt, trashig, selbstironisch und durchzogen mit provokanten Anspielungen.

An der Art kleinkünstlerischer Stilfältigkeit scheiden sich nicht nur die Geister sondern auch ihr Publikum. Spätestens nach der Auferstehung Reeds drängt ein großer Teil in den vorderen Thekenbereich. Die Übriggebliebenen lassen sich durch Ansagen, wie \\"In Hamburg haben sie dazu getanzt\\" nur wenig beeindrucken. Ein langer Typ schwingt seine Locken, aber das Gros swingt nur mit dem Fuss. Vielleicht liegt es daran, dass der Sound zu sehr dröhnt, vielleicht einfach daran, dass Berlin dem Köln-Prime-Club-Publikum doch eine Spur zu \\"durch\\" daherkommt. Selbst Schuld und auch kein Problem für Miss Reed, die ihr Programm konsequent durchzieht. Als Zugabe gibt es zwar leider nur das bereits zu Beginn gespielte \\"Hustle A Hustler\\" aber nichtsdestotrotz hat Angie ein knallbuntes Feuerwerk der gepflegt ungepflegten Abendunterhaltung abgefackelt. Applaus von meiner Seite.



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