Der Alarm wird lauter

Bloc Party live

07.12.2005, 11:00, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

02.12.05, Düsseldorf, Tor 3

Eine derart große Platte, wie sie Bloc Party dieses Jahr mit \\"Silent Alarm\\" veröffentlicht haben, passiert nur sehr selten. Das dürften die meisten Interessierten so sehen, sicherlich einige auch nicht. In jedem Fall berechtigt sie aber zu gesteigerter Aufmerksamkeit und Interesse an der Fortsetzung der Geschichte der jungen Briten. Und Dank ihrer schier endlos andauernden Tour hatten zuletzt auch wieder die Fans in Deutschland Gelegenheit zu sehen, wie es denn weitergeht. Zum Beispiel in Düsseldorf.

Das Tor 3 in der Landeshauptstadt fasst etwa 1000 Besucher, schätzungsweise, und war für diesen Abend schon lange ausverkauft.

Bemerkenswert an diesem Laden ist die gewagte Emporenkonstruktion, die sich quer über den ganzen Besucherraum schlängelt und so aussieht wie tags zuvor von einer Gerüstbaufirma errichtet. Außerdem ist die Bühne verhältnismäßig klein, sie erstreckt sich nur über die eine Hälfte der Kopfseite des Saales. Wie sich die ja bekanntlich in großer Mannschaftsstärke auftretenden Stars auf dieser Bühne schlugen, weiß ich leider nicht, denn Konzerte dieser Größenordnung beginnen ja immer so ungemütlich früh. Bloc Party jedenfalls reichte sie absolut aus, als die nach längerer Umbaupause unter großem Getöse des Publikums ihr Set beginnen wollten.

Wenigen Songs ist man dieses Jahr wohl öfter über den Weg gelaufen als \\"Banquet\\", \\"Helicopter\\" und vielen der anderen Tanzbodenfüller auf Bloc Partys Album. Dementsprechend stellte sich sicherlich die Frage, ob diese zweifellos großartigen Stücke noch mal so packen können würden wie erstmals vor ziemlich genau einem Jahr beim Intro Intim. Aber eigentlich beantwortete sich diese Frage innerhalb von wenigen Minuten von selbst. Denn wenn man von einer Band sagen kann, dass sie den/die Konzertbesucher/in in jeder Sekunde pusht, ihm/ihr keine Ruhe lässt und dabei so elektrisierend wie hypnotisch wirkt, dann muss das wohl Bloc Party sein. Bemerkenswert dabei ist, wie sehr sie dieses Erlebnis ohne Druckverlust von den kleinen auf große Bühnen hinüber gerettet haben. Ein Unterfangen, an dem nicht wenige Bands scheitern. Bloc Party haben sich auf die Massen eingestellt, und auch wenn die Bühnenkommunikation zwangsläufig mehr \\"Rockshow\\" war als in ihren Anfangstagen, meinte man doch den bekannt sperrigen und immer etwas störrischen Gestus besonders bei Sänger Kele Okereke wiederzuerkennen. Trotz Schmeicheleien wie der, dass Germany \\"easily the best country\\" für die Band sei. Gestützt wurde dieser Eindruck auch durch den Umstand, dass sich die Band trotz pausenloser Tourneen immer um Fortschritt bemüht, z.B. durch live vorgetragene neue Versionen bekannter Albumsongs oder gar ganz neue Songs, die vom Publikum zwar nicht ganz so frenetisch, dafür aber sehr interessiert angenommen wurden.

Nach gut anderthalb Stunden Set und mehreren Zugaben war klar, dass Bloc Party angekommen sind. Angekommen in einer Größenordnung, die sie halbwegs bewältigen können und die ihnen Unterstützung und Aufmerksamkeit für weitere künstlerische Schritte sichert. Wir werden aufmerksam bleiben. Und Danke für so viele Gigs wie diesen, die wir übers Jahr verteilt sehen durften.



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