
Gerettete Seelen
The Music In My Head-Festival in Den Haag
15.11.2005, 11:03, Text:
Thorsten Schmidt,
Thorsten Schmidt
11./12.11.05, Den Haag, Paart van Troje
Es ist viel los in Den Haag. Am Ampel-Rotlicht laufen einem Elbow über den Weg, am Großen Markt Nick von Black Rebel Motorcycle Club - ist das normal? Dieser Tage schon, denn bevor sich Poetry, Literature, Music und Spoken Words im Rahmen von \\\\\\\"Crossing Boarder\\\\\\\" über Hollands Küstenstadt ergießen, laden dessen Organisatoren zu einem ganz feinen Indoor-Festival ein: \\\\\\\"The Music In My Head\\\\\\\" bietet auf drei Bühnen Raum für holländische Newcomer im Café über aufstrebende Künstler kurz vor dem großen Durchbruch bis zu etablierten, wohl ausgewählten Acts.
Als Opener im vierten Jahr des Festivals steht mit Architecture in Helsinki gleich ein kleines Juwel auf der Buhne: Acht Damen und Herren mit Spiellaune und Dauergrinsen in Herz und Mundwinkel. Musikalisch liegen liegt das irgendwo zwischen Modest Mouse und The Polyphonic Spree, optisch allerdings weniger pompös als die DeLaughter-Truppe. Rockmusiks traditionelle Instrumentierung wird um Posaune, Tuba, Triangel, Kuhglocke oder Klarinette erweitert und auch schon mal wild untereinander getauscht. Leadsänger Cameron Bird mimt zum Roxy Music-Cover \\\\\\\"Love Is The Drug\\\\\\\" den Dandy, und nach einer Stunde verneigt sich der buntgemischte Haufen vor dem gut gefüllten Saal. Großer Spaß das, bitte mehr davon! Bei den auf Bühne 2 spielenden Clap Your Hands Say Yeah ist dann leider kein Durchkommen mehr. Ähnlich voll ist es beim Black Rebel Motorcycle Club. Gitarrist Peter Hayes hat seinen Wuschelkopf zurückgekämmt und intoniert allein mit Klampfe und Mundharmonika \\\\\\\"Faut Line\\\\\\\". Anschließend wächst der Club anno 2005 vom Trio auch schon zum Quartett an, was dem Gesamtsound nur gut tut. Mit \\\\\\\"Howl\\\\\\\" haben sich die Herren endlich auch in Albumformat den ruhigeren Tönen geöffnet und so ihre Seele selbst gerettet. Jede Menge Spirit, Folk, Gospel und auch die Frage nach dem Rock'n'Roll wird früh abgehakt. Eine geballte Stunde ist am Ende dann schmerzhaft kurz, aber so ist das halt mit Festivals. Da haben Elbow als Headliner des Tages schon etwas mehr Zeit. Guy Garvey hat sich kürzlich auf offener Straße den Fuß verknackst (vor \\\\\\\"Newborn\\\\\\\" bietet er hierzu amüsante Variationen, die aufgrund der anstehenden Deutschland-Tour nicht verraten werden soll), so daß er auf einen Gehstock angewiesen ist und weitestgehend im Sitzen Spielen muss. Das Set besteht überwiegend aus neuen Songs, wobei die B-Seite \\\\\\\"The Good Day\\\\\\\" die wohl beste halbe Stunde seit Bestehen der Band einläutet: Auch wenn Garvey an diesem Abend nur selten so elektrisierend in einzelne Augenpaare in der Menge blickt, sorgt er analog \\\\\\\"Leaders Of The Free World\\\\\\\" mit seiner bislang intensivsten Gesangsarbeit für einige Schauer - Augen zu und mitnehmen lassen...
Der Samstag ist etwas entspannter gestaltet, so einigen ist die Party des Vortages noch anzumerken. Nach Tracy Bonham und den Frames, die von Mal zu Mal besser zu werden scheinen, sei abschließend lediglich auf die Show von Roisin Murphy eingegangen: Zwei Paar hochhackige Lackstiefel und ein Arm voller Kostüme, beim Soundcheck eilends über die Buhne getragen, ließen bereits einiges erwarten. Roisin \\\\\\\"Roischinn\\\\\\\" Murphy mit Zylinder und schwarzem Umhang, kurzen Spitzenkleid oder im Pfauen-Kostüm, macht aus einem Konzert eine stilvolle, mitreißende Show die direkt aus dem Moulin Rouge stammen könnte: Lasziv, lässig, charmant, rasant und betörend kommt sie daher. Und höchst sympathisch. Auffällig sind auch das hohe Spielvermögen und blinde Verständnis ihrer Band mit viel Blech, lässigem Bassisten zum Knuddeln und vielen wilden Tempowechseln. Der Keyboarder stammt noch von der Moloko-Liveband und erweist sich als der wahre Dirigent über die in der Live-Umsetzung weit ausufernden Tracks. An einer Stelle jagt er Roisins Stimme live durch den Sampler und remixt in Live-Umgebung, dazu schmeißt sich Frau Murphy ihrem Posaunisten zu Füßen und stellt deutlich explizite Szenen nach - nur um dann bei \\\\\\\"Closing The Doors\\\\\\\" schließlich ganz unschuldig Kusshände ins Publikum zu verteilen und sich galant und zufrieden zu Verabschieden - wahrhaftig \\\\\\\"music in my head\\\\\\\", Auffrischung spätestens 2006!
Achtung, Setlists!
Architecture in Helsinki
5
Owls
Frency
Soulfinger
ICWD
Feather
Fumble
Tiny P
Cemetery
Wishbone
Never Did
What'S In Store
Roxette (Love Is The Drug)
Maybe
Whirwind
Elbow
Station Approach
Fallen Angel
Red
Mexican Stand-Off
The Good Day
My Very Best
Great Expectations
Fugitive Motel
Leaders of the Free World
Newborn
Switching Off
Puncture Repair
Powder Blue
Forget Myself (Buddha with Mace)
Roisin Murphy
Ramalama
Dear Diary
Sinking Feeling
If we´re in love
sow intro you
through time
Love in the Making
Night of the Dancing Flame
Ruby Blue
Leaving the City
Closing the Doors
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