Die Besten von allen

Franz Ferdinand live

09.11.2005, 10:30, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink
[13 Kommentare]

07.11.05, Philipshalle, Düsseldorf

Franz Ferdinand vor Tausenden von Leuten in der Philipshalle, da kann man schon mal ein bisschen nostalgisch werden. So ist es doch gar nicht lange her, als sie im Stadtgarten in Köln für Clinic und noch irgendeine Domino-Band vor einer Handvoll Besucher eröffneten. Genau genommen zwei Jahre. Die weitere Geschichte kennen wir, und jetzt also schon: \\"It's good to be back!\\" Kapranos und Co. haben sich innerhalb von kürzester Zeit zu wahren Bühnensäuen entwickelt. Sie haben ihr massiges Publikum in der Hand - und das ist so dankbar wie euphorisch. Ich sitze währenddessen hinten auf der Tribüne der ebenso massigen Philipshalle.

Das, was ich sehe, gefällt mir. Sicher, Franz Ferdinand sind und bleiben eine Gitarrenpopband, und als solche wären übertriebene artifizielle Ambitionen wie tags zuvor beim grandiosen Sigur Ros-Gig gesehen wohl fehl am Platze. Aber sie haben tolle Songs, auch auf ihrem neuen Album \\"You Could Have It So Much Better\\", und wissen sie entsprechend zu intonieren. In einer Klangqualität, die nicht gerade brillant ist, gemessen an den Umständen aber absolut in Ordnung geht. Ich frage mich ja, wie das so ist, wenn man als kleine Band relativ plötzlich sehr groß wird. Beziehungsweise würde es mich verunsichern, urplötzlich mit unterschiedlichsten Ansprüchen und Möglichkeiten konfrontiert zu werden. Wie es wohl ist, wenn man frei wählen kann, was auf die Cateringliste kommt? Schreibt man da wirklich Dinge auf, die man nie im Leben zu sich nehmen würde? Wie erarbeitet man sich Skills in punkto Licht und Visuals, wie will man was umsetzen, wie tut man das überhaupt? Nimmt man vielleicht sogar eine(n) Visagisten/-in mit auf Tour? Alex Kapranos sieht an diesem Abend jedenfalls so gut aus, dass man das vermuten könnte. Fast so hymnisch-stoisch wie Carsten Friedrichs von Superpunk. Viel besser als auf den Photos im NME, und genauso gut wie auf den Photos in der Intro. Überhaupt sieht die ganze Band toll aus, außer Bob Hardy, der sieht so verschlafen aus wie immer. Und Nick McCarthy, der ja sowieso immer wundervoll aussieht. Wie ich das aus der Entfernung so genau gesehen habe? Ganz einfach: Videoleinwand, gestochen scharfe Wiedergabe.

Ein Eindruck entwickelt sich während des Anderthalb Stunden-Konzertes: Franz Ferdinand haben zwar eine Metamorphose vollzogen vom kleinen Indie-Act hin zu der Rockband für Massen mit all ihren Begleitumständen wie z.B. dem, einen Teil der Fanbase zu verlieren. Geblieben ist ihnen jedoch das Wissen um die Substanz ihrer Songs und die Aussicht, langfristig für Aufsehen zu sorgen. Lieder, die auch beim 20. Hördurchgang noch neue Stärken offenbaren. Ich sehe mich schon in 15 Jahren wieder auf der Tribüne der Philipshalle herumgammeln, dann zusammen mit meinem Sohn Jochen, wenn er dann das Alter erreicht hat. Und den ganzen Teenagern in spe aus der aktuellen Spex und ihren Eltern. Und dem Redaktionsdarling Juri und Mia und so. Der Gedanke ist toll. Und Franz Ferdinand die Band, die meinen insgeheimen Spießbürger-Wunsch nach Beständigkeit und Nachhaltigkeit im System Pop, auch in der Blockbuster-Sparte, ein wenig realistischer macht. Es muss ja nicht immer wie bei den Stones enden.

The Rakes habe ich übrigens verpasst. Wer wissen will, warum Franz Ferdinand gerade sie als ihren Support auswählten, sollte mal in ihr aktuelles Album \\"Captured / Released\\" reinhören.

PS: In diesem Text ist ein Fehler versteckt. Wer hat ihn gefunden?



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  • User: Oleandah
  • Oleandah 09.11.2005 | 13:03:09

    "Es muss ja nicht immer wie bei den Stones enden."
    Wie kess!

  • User: Oleandah
  • Oleandah 09.11.2005 | 13:03:09

    "Es muss ja nicht immer wie bei den Stones enden."
    Wie kess!

  • User: beatkoenig
  • beatkoenig 09.11.2005 | 13:55:12

    "PS: In diesem Text ist ein Fehler versteckt. Wer hat ihn gefunden?"

    sind wir hier bei neun live, oder was!?

  • User: beatkoenig
  • beatkoenig 09.11.2005 | 13:55:12

    "PS: In diesem Text ist ein Fehler versteckt. Wer hat ihn gefunden?"

    sind wir hier bei neun live, oder was!?

  • User: afromme
  • afromme 09.11.2005 | 18:18:51

    Also dem Tenor, dass Franz Ferdinand zum Besten überhaupt gehören, was man derzeit so live sehen kann, kann ich nur zustimmen. Ein Wahnsinn.
    Idealer Aufenthaltsort ist aber nicht die Tribüne ganz hinten sondern irgendwo vorm Mischpult im Innenraum.

    Die Vorgruppe war übrigens sehr ordentlich, allerdings hatte man gewisse Probleme, den Sänger zu verstehen...

    Wäre übrigens dankbar für eine FF-Playlist...

  • User: afromme
  • afromme 09.11.2005 | 18:18:51

    Also dem Tenor, dass Franz Ferdinand zum Besten überhaupt gehören, was man derzeit so live sehen kann, kann ich nur zustimmen. Ein Wahnsinn.
    Idealer Aufenthaltsort ist aber nicht die Tribüne ganz hinten sondern irgendwo vorm Mischpult im Innenraum.

    Die Vorgruppe war übrigens sehr ordentlich, allerdings hatte man gewisse Probleme, den Sänger zu verstehen...

    Wäre übrigens dankbar für eine FF-Playlist...

  • addictedTOchocolate 10.11.2005 | 15:17:38


    stimme ich ebenfalls zu.

    ich war vor 1,5 jahren in B auf einem Franz Ferdinand Konzert im kleinen ColumbiaFritz. Damals war das noch "heisser Scheiss" und so "engagierte Schülerband mit guten songs". Deshalb war ich skeptisch, ob Franz Ferdinand im grossen Tempodrom in Berlin funktionieren. Weder die Location noch die Massen, die Franz Ferdinand nun anziehen, wirkten sich negativ aus. Im Gegenteil: Das Publikum (Väter, Mütter mit ihren Kindern, angegraute kritische Musikfreaks, hibbelige 18jährige, bindungsunfähige Großstadtfuzzis, Normalos) die Halle (Steh- und Sitzplätze), die Musik, die Show (big Leinwand, Licht, Rumgepose) ... GRANDIOS !!!!! Der höhere Eintrittspreis war gerechtfertigt und ich bedauere keinen einzigen cent.

    So, jetzt koof ich mal schnell bei eBay die ganzen Vinyls, denn ich bin mir sicher, dass die in 10 Jahren einiges wert sind ;-)

  • addictedTOchocolate 10.11.2005 | 15:17:38


    stimme ich ebenfalls zu.

    ich war vor 1,5 jahren in B auf einem Franz Ferdinand Konzert im kleinen ColumbiaFritz. Damals war das noch "heisser Scheiss" und so "engagierte Schülerband mit guten songs". Deshalb war ich skeptisch, ob Franz Ferdinand im grossen Tempodrom in Berlin funktionieren. Weder die Location noch die Massen, die Franz Ferdinand nun anziehen, wirkten sich negativ aus. Im Gegenteil: Das Publikum (Väter, Mütter mit ihren Kindern, angegraute kritische Musikfreaks, hibbelige 18jährige, bindungsunfähige Großstadtfuzzis, Normalos) die Halle (Steh- und Sitzplätze), die Musik, die Show (big Leinwand, Licht, Rumgepose) ... GRANDIOS !!!!! Der höhere Eintrittspreis war gerechtfertigt und ich bedauere keinen einzigen cent.

    So, jetzt koof ich mal schnell bei eBay die ganzen Vinyls, denn ich bin mir sicher, dass die in 10 Jahren einiges wert sind ;-)

  • User: Jeffrey Kubiak
  • Jeffrey Kubiak 10.11.2005 | 22:51:15

    Ich glaube, im Stadtgarten war's dennoch schöner...hätten nur ein paar mehr Leute da sein sollen - schließlich lief Darts Of Pleasure da schon im damals noch existenten Musik-TV...
    Der dritte Act war übrigens To Rococo Rot. Und war ziemlich grauenhaft. Oder ich hab's nicht verstanden.

  • User: Jeffrey Kubiak
  • Jeffrey Kubiak 10.11.2005 | 22:51:15

    Ich glaube, im Stadtgarten war's dennoch schöner...hätten nur ein paar mehr Leute da sein sollen - schließlich lief Darts Of Pleasure da schon im damals noch existenten Musik-TV...
    Der dritte Act war übrigens To Rococo Rot. Und war ziemlich grauenhaft. Oder ich hab's nicht verstanden.

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