Der Club der alten Männer

Teenage Fanclub live

26.10.2005, 15:00, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink
[5 Kommentare]

24.10.05, Köln, Prime Club

Es gibt wohl kaum eine Band, die ich in den Jahren meiner Autorentätigkeit im Sujet \"Popmusik\" öfter als Referenz welcher Art auch immer erwähnt habe, als Teenage Fanclub. Und es gab noch keine Band im Genre des melodiösen Gitarrenpops, der ich nicht gewünscht hätte, ein bisschen mehr wie Teenage Fanclub zu sein. Sie sind eine meiner an einer Hand abzählbaren Lieblingsbands. Dennoch habe ich noch nie daran gedacht, bei meinen Texten über diese Band um Nachsicht für verminderte Kritikfähigkeit aufgrund von Fantum bitten zu müssen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ich noch nie einen Gesprächspartner verstanden habe, der mir darlegen wollte, warum er nicht (so sehr) Fan dieser Band ist.

Einfach nicht verstanden. Zwar sind nette Gespräche noch nie daran zerbrochen, dass man sich über dieses Thema entzweite, aber wer sensibel war und etwas auf das Gespräch mit mir gab, wechselte schnell das Thema. Und meine Gesprächspartner sind glücklicherweise meistens sensibel.

Die Eisenbahn hinderte mich daran, mir die mir bis dahin unbekannte Supportband The Sealevel anzuschauen. Ich habe das bedauert. Besonders, nachdem ich auf dem auch sonst formidablen, aber sehr kurzen Firestation-Labelsampler \"Small Label, Great Music\" ihren Song \"High And Magic\" zu hören bekam. Nach dem Song zu urteilen spielt die Band diese nette Schwedenpop-Variante, mit der immer wieder auch das geschmackvolle Labrador-Label glänzt.

Kurz bevor Teenage Fanclub anfingen, fand ich dann aber doch noch den Weg in den Prime Club. Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass die Reihen in diesem Laden aufgrund des ausverkauften Editors-Konzertes nicht weit entfernt relativ licht sein könnten. Das wünsche ich der Band natürlich nicht, aber es macht das Ringen in den vorderen Bereich des schon oft verhängnisvollen Schlauchclubs etwas leichter. Aber Fehlanzeige, auch wenn der Prime Club nicht ganz ausverkauft war, waren die ersten Reihen doch sehr massiert.

Was danach, ab dem Beginn des Konzertes, geschah, weiß ich eigentlich gar nicht mehr so genau. Ich weiß noch, dass ich es bedauert habe, dass der Bandsound nicht so glockenhell war wie auf all den wundervollen Platten. Im nächsten Moment habe ich aber auch eingesehen, dass das sicher schier unmöglich ist. Ich habe mit an den gottgleichen mehrstimmigen Gesangsharmonien erfreut, besonders daran, dass sie gegenüber den Studioaufnahmen nur wenig verloren. Ich habe gedacht, dass in dieser Band, die ja nur aus Sängern besteht, bestimmt niemand raucht, weil sie sich ihre lieblichen Stimmen sonst schon längst ruiniert hätten. Ich habe Songs aus allen Schaffensperioden der Band gehört, zu einem Gutteil auch von der neuen, gewohnt guten Platte \"Man-Made\". Ich habe gemerkt, dass Teenage Fanclub nicht mehr die Band der ganz jungen Hüpfer zu sein scheint. Dafür habe ich viele Mittelalte gesehen, die die gesamte Klaviatur ihrer Emotionen herausließen. Ich habe mir zwischendurch überlegt, was man über dieses Konzert wohl schreiben könnte. Ich war genau in der Minute erschöpft, als die Band nach zwei Zugabenblöcken die Bühne verließ und das Licht anging. Und ich habe mit den meisten anderen Besuchern inständig gehofft, dass es bis zu der nächsten Teenage Fanclub-Platte und vor allem -Tour nicht wieder so lang dauern möge. Mindestens einen brandneuen Song hatten sie da gespielt, vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen.



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  • joding 29.10.2005 | 21:10:58
    zusammen sind wir phantastisch
    selten habe ich eine so gute berichterstattung zum thema "teenage fanclub" gelesen. allein, wie hier die ratlosigkeit beschrieben wird, die den fan im umgang mit leuten befällt, die TFC *nicht* für eine der besten bands aller zeiten halten.

    dann das angenervtsein über die schaffens-langsamkeit der band.
    das sich-wundern über das publikum beim konzert.

    die nichtvorstellbarkeit eines irgendwie unbraven oder gar lasterhaften wesenszugs bei einem der drei.

    die leichte enttäuschung über das absacken des klangs beim livekonzert gegenüber den platten. (ich war in stuttgart, und da war es doch zum teil nicht zu ignorieren, dass dröhnendes einfach nicht zu TFC passt, nie gepasst hat. leider war gerrys gesang manchmal fast gar nicht mehr zu hören. aber auch ich war frappiert, was norman blake an harmonie-gesängen geleistet hat, unglaublich.)

    insgesamt kann man sich nur wünschen, dass es mehr solche berichte gäbe, in denen alles so schön auf den punkt kommt!

  • joding 29.10.2005 | 21:10:58
    zusammen sind wir phantastisch
    selten habe ich eine so gute berichterstattung zum thema "teenage fanclub" gelesen. allein, wie hier die ratlosigkeit beschrieben wird, die den fan im umgang mit leuten befällt, die TFC *nicht* für eine der besten bands aller zeiten halten.

    dann das angenervtsein über die schaffens-langsamkeit der band.
    das sich-wundern über das publikum beim konzert.

    die nichtvorstellbarkeit eines irgendwie unbraven oder gar lasterhaften wesenszugs bei einem der drei.

    die leichte enttäuschung über das absacken des klangs beim livekonzert gegenüber den platten. (ich war in stuttgart, und da war es doch zum teil nicht zu ignorieren, dass dröhnendes einfach nicht zu TFC passt, nie gepasst hat. leider war gerrys gesang manchmal fast gar nicht mehr zu hören. aber auch ich war frappiert, was norman blake an harmonie-gesängen geleistet hat, unglaublich.)

    insgesamt kann man sich nur wünschen, dass es mehr solche berichte gäbe, in denen alles so schön auf den punkt kommt!

  • User: Cezzie
  • Cezzie 30.10.2005 | 13:46:29
    backslashmaketitle
    Oh ja, ganz genau so war es auch in Dresden! Danke, Christian Steinbrink, für diesen großartigen Artikel!

  • User: Cezzie
  • Cezzie 30.10.2005 | 13:46:29
    backslashmaketitle
    Oh ja, ganz genau so war es auch in Dresden! Danke, Christian Steinbrink, für diesen großartigen Artikel!

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