Die Monty Python des Rock'n'Roll

Art Brut live in Köln

21.09.2005, 10:00, Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

19.09.2005, Köln, Parallel Plattenladen, Gebäude 9

Man gönnt es diesen netten kleinen Plattenfirmen ja, wenn sie mal einen Act mit Massenkompatibilität aus dem Hut zaubern. Das war damals bei Domino mit Franz Ferdinand so, das ist jetzt auch bei Fierce Panda und Art Brut so. Denn das kleine Londoner Label, das schon für eine ganze Menge gut vorzeigbare Indieplatten verantwortlich war, hat mit Art Brut wohl ihren bisher größten kommerziellen Wurf gelandet. Wobei ich natürlich keine Gewähr dafür übernehmen will, dass sich das alles so weiter entwickelt wie bei FF.

Ganz stilecht erscheint die Band jedenfalls nachmittags eine gemütliche halbe Stunde zu spät im Oldtimer des Promoters vor dem Kölner Parallel.

Ihr sehr sorgsam auf abgerissenen Retropunk arrangierter Aufzug wirkt etwas deplaziert unter den ganzen Anoraks, die vor dem Laden in der Sonne warten. Das Akustikset, das sie bieten, ist auf Gitarre und Gesang beschränkt und drei Songs lang, aber vor allem dank der launigen Performance von Sänger Eddie Argos sehr amüsant. Nach ein paar Sätzen und Autogrammen ist dieser Programmpunkt abgehakt, und die Band entschwindet.

Am Abend bin ich dank der Kölner Verkehrsbetriebe zu spät, um Planetakis, das neue Projekt des ehemaligen Angelika Express-Sänger Robert Drakogiannakis, zu sehen. Zum Glück schaffe ich es aber noch zum Hauptact, und der ist ganz umwerfend: Art Bruts Musik ist so reduziert wie mitreißend, und nicht gerade wenige Leute, die vorher jahrelang vom Gitarrenpop wenig angetan waren, erkennen in dieser Band die lang gesuchte, wohltuende humorvolle Alternative. Zu großen Teilen verantwortlich sind die provozierend einfachen, betont selbstreferenziellen Texte, die oft Monty Python-Niveau erreichen. Argos, ein David Arquette-Lookalike mit Schnauzbart, gebärdet sich während des ganzen Gigs zwischen tölpeligen Rockposen mit Pepita-Hütchen und dann wieder erstaunlich routiniert sitzenden Gesten. Ihr nicht gerade üppiges Repertoire spielen sie ohne große Pause herunter, und nahezu jeder Song funktioniert als Hit. Das ausverkaufte Gebäude 9 jedenfalls reagiert in bisher selten gesehener Euphorie. Und nimmt es der Band auch nicht übel, als sie nach einer knappen Stunde die Bühne verläßt.



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