
Oh my god
Kaiser Chiefs live
16.09.2005, 12:54, Text:
ines Sundermann,
ines Sundermann
[9 Kommentare]
15.09. Köln, Live Music Hall
Es ist ja eine Krankheit, sich insgeheim vorzunehmen, auf einem Konzert bloß noch nicht allzu früh zu erscheinen, um dann hinterher zu lügen, man hätte die Vorband ja leider verpasst. Zu meinen Ticks gehört das eigentlich nicht. Aber ich habe die Vorband verpasst.
Den müssten nach Plan gerade die Nine Black Alps bestritten haben. Sie kommen aus Manchester und ihr Sound von irgendwo zwischen dort und Seattle, nur zur Info. Von einer schon stattgefundenen Performance ist nachhaltig nichts mehr zu spüren, keine schweißtreibende Lufthülle, keine angeregten Gespräche über diese Band bei unserer Ankunft.
Dann fängt der Abend für uns also mit den Kaiser Chiefs an. Den Beginn des ersten Indoor-Konzerts nach der Festivalsaison erlebt man fast schon wieder wie ein Kind in dem Moment, als das Licht ausgeht und der DJ mit Dire Straits \\"Money For Nothing\\" die Spannung heben will, bevor die Band die Bühne betritt.. Angefangen beim humorigen \\"Everyday I Love You Less and Less\\" über das monströse \\"I Predict A Riot\\" bis hin zum Aushängeschild \\"Oh My God\\" wird ein Hit nach dem anderen abgefeiert und bei jedem wird die Menge so rasend, als böten die Kaiser Chiefs ein Greatest Hits ihres Backkatalogs dar - wenn man es denn nicht besser wüsste, denn der zählt ja mit \\"The Employment\\" bis dato nicht mehr als einen Longplayer.
Jede der auf der New-Wave surfenden Bands hat ja glücklicherweise noch ihre eigenen Markenzeichen oder eben Macken. Bei den Kaiser Chiefs sind es die in kaum einem Stück fehlenden Na-Na-Na-Naahs, wobei sie einen ihrer Songs doch tatsächlich so betitelten, und die bis zum äußersten Punkt der Spannung gezogenen Oooooohs. Vielen ist es bei den Chiefs ja zu viel der Interjektionen. Ich dagegen muss bekennen, dass mich kaum eine andere der neueren britischen Bands in letzter Zeit so mitgerissen hat wie eben diese. Vielleicht auch wegen der unaufdringlichen Eingängigkeit und des gut verträglichen Singsong-Charakters der Songs. Und achtzehnhundert andere scheinen gleichermaßen begeistert zu sein. Mit Bitteschön-Dankeschön-Späßen, Dirigieren von Mitklatschorchestern und diverse Stunteinlagen entpuppen sich die Kaiser Chiefs wohl als die kategorischen Entertainer des Britpops schlechthin. Mit Bravour schafft Sänger Rick Wilson gar einen lückenlosen Stagedive bis ans Ende der Live Music Hall.
Man versteht selbst gar nicht, wie eine simple und eigentlich stupide Zeile wie \\"Oh my god, I can't believe it, I've never been this far away from home\\" einen so kollektiven Enthusiasmus auslösen kann, ist das Daheim doch nur fünf Haltestellen entfernt oder höchsten auf der anderen Seite des Ärmelkanals (angesichts der geschätzten 30 Prozent Briten im Publikum). Geistig sind wir wohl ganz weit weg von Zuhause. Nach zwei Zugaben ist Feierabend und wir landen wieder unsanft auf Kölner Boden inmitten eines schweißdurchtränkten Mobs und wir sind es selbst auch. Wir fühlen uns rasch sehr unwohl und kämpfen uns so schnell es geht an die frische Luft. Aber was soll's? Am Leib klebende Kleider gehören eben zu großartigen Konzerten wie die Na-Na-Naahs zu den Kaiser Chiefs.
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Erzkanzler 16.09.2005 | 14:03:06
Frau Sundermann, ich stehe hier und klatsche Beifall. Das trifft es auf den Punkt. Ich glaube, mein Shirt ist jetzt noch nicht trocken. ;)
Ach ja, und die Nine Black Alps waren ganz nett, aber "Bleach" ist dann doch schon was her...
grrr 16.09.2005 | 14:59:09
Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
da war es wieder, dieses
bitteschön! dankeschön! :)
_starsailor_ 16.09.2005 | 19:32:28
hey, das glaube ich gerne!!! und außerdem sind nine black alps genial!
Erzkanzler 18.09.2005 | 09:18:10
Genial? Vielleicht, wenn man noch nie was von Nirvana gehört hat, aber mir hat die halbe Stunde gereicht. Dafür war mir das spätestens nach dem dritten Lied auch zu eintönig.
sweetness 19.09.2005 | 21:09:52
*hachja* genauso schön war's tatsächlich. Ich hab mich wieder wie 16 gefühlt!
Erzkanzler 19.09.2005 | 21:47:04
Mit 16 wäre ich aber nicht nach der guten Stunde so fertig gewesen. Erste Reihe ist mit Ü30 ungesund, but who cares...
romka 19.09.2005 | 23:59:54
Ich fand, dass der Wilson das Publikum nicht ganz so oft zum Mitklatschen hätte auffordern sollen, zuviel Entertainment. Und sonst: kein falscher Ton, alles perfekt.
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