
Selig verklärte Blicke, karge Bühnen
Walter Schreifels / The Yellow Press in Köln
16.09.2005, 11:17, Text:
Marc Isenbügel,
Marc Isenbügel
[7 Kommentare]
13.09. Köln, Underground/Sonic Ballroom
Also wenn in Köln Konzerte sind, dann ja immer alle gleichzeitig. Die Bredouille des besagten Abends gestaltete sich wie folgt: Im Underground Ex-Gorilla Biscuit/Quicksand Legende Walter Schreifels, im Prime Club Ex-Hüsker Dü Frontopa Bob Mould und im Sonic Ballroom spielen die Rampensäue von The Yellow Press. Da gibt's einige die unken, was es denn schon langweiligeres gäbe als Gorilla Biscuits Songs akustisch zu spielen und wieder welche, die weder Gorilla Biscuits noch Quicksand Songs kennen.
20.30 Uhr, Köln/Underground: Eigentlich offizieller Startermin, aber es tut sich nichts. Ich hoffe, mein Zeitplan kommt nicht durcheinander, um rechtzeitig zu The Yellow Press im Ballroom zu landen. Ich radel los, um schon mal abzuchecken, wie weit die Vorbereitungen dort sind und: klar. Nix los, keine Anzeichen von Konzert. Großartig, wie soll ich so meinen Zeitplan erledigen. Flugs die Anfangszeit erfragt und wieder ins Underground geradelt. Dort fängt gerade Solomusikant Home of the Lame sein Akustik-Set an. Genug Zeit, um eine Cola zu trinken, 2 Songs zu hören und diese für ganz nett aber nicht notwendig zu befinden. Allerdings gibt es mehr als nur den zu erwartenden Höflichkeitsapplaus und das Publikum rennt auch nicht gleich panikartig in den Biergarten. Scheint also zu gefallen. Das gibt mir ca. 30 Minuten, um noch mal im Ballroom nach dem Stand der Dinge zu sehen.
21.00 Uhr, Köln/Ballroom: Endearment aus Köln legen gerade los, ich kauf ein Ticket und lausche einem Song. Ganz ok, aber ich will Walter nicht verpassen.
21.15 Uhr, Köln/Underground: Walter soll in wenigen Minuten loslegen und wirklich... Es ertönt die GB Fanfare, Walter reckt beide Arme in die Luft und lässt sich feiern. Ganz ausgefuchst startet Walter Schreifels dann mit \\\\\\\\"Start today\\\\\\\\" von Gorilla Biscuits und das gut gefüllte, aber nicht ausverkaufte Underground jubiliert! Walter legt noch einen Quicksand und einen Rival Schools Song nach und die Menge ist sichtlich erfreut und quittiert dies mit einer ganzen Menge Applaus. Der Walking Concert Hit \\\\\\\\"What's your new thing\\\\\\\\" zündet live besser als auf Platte, dennoch weiss man, warum der Mob heute hier ist. Die wenigsten wollen wirklich Walking Concert Songs hören, ist man doch eigentlich hier, um die Interpretationen alter Gorilla Biscuits und Quicksand Songs zu lauschen. Das weiß natürlich auch Walter und der lässt sich nicht lange bitten. Als Walter die recht amüsante Story von seinem geklauten Mountain Bike erzählt, entscheide ich mich, in den Ballroom zu wechseln, da ich die Story schon von einem anderem Konzertreview kenne, dass Tage zuvor erschienen ist. Manche Stories sind zwar gut, aber die wenigsten will man sich zwei Mal anhören. Trotzdem kommt die Geschichte amüsant und äußerst sympathisch rüber und genau das sind die Art von Anekdoten, die man quasi als lifetime Walter Schreifels Fan auch von ihm hören will. Stories über die gute alte Zeit und vor allem über die Zeit mit den Gorilla Biscuits und Quicksand.
Verdammt schon 22.00, ich hab's eilig! Im Ballroom angekommen ist der Biergarten überaus gut gefüllt, man trifft alte Bekannte und The Yellow Press machen sich bereits warm. Mit Überhits wie \\\\\\\\"You´re boring the drugs out of me\\\\\\\\", \\\\\\\\"We will win while you sleep\\\\\\\\" und \\\\\\\\"Heads on sticks\\\\\\\\" gewinnt der bärbeissige Vierer im Nu die Herzen der versammelten Gemeinde. Allzu sympathisch kommen The Yellow Press zwar nicht rüber, da sie diesen Hillybilly-Redneck-Punk-muss-gefährlich-sein Spirit versprühen, aber sei´s drum. The Yellow Press haben das Feuer alter Hot Water Music Shows und sind verquer und tanzbar wie Les Savy Fav. Nach viel zu kurzen 40 Minuten ist der Spaß vorbei und auch wenn ich mir zum Schluss nicht sicher bin, ob ich die Typen grauenhaft oder irgendwie doch sympathisch finde, hat die Show extrem gerockt und mich daran erinnert, wie viel Energie gute Konzerte versprühen können. Die vielen, mittelmäßigen Indie-Konzerte hatten dieses Gefühl anscheinend schon allmählich verblassen lassen.
Es ist ca. 22.45 und ich hoffe, noch ein paar Songs von Walter zu erheischen, wenn ich nur schnell genug in die Pedalen trete und mir nicht mal wieder meine rostige Fahrradkette um die Ohren fliegt. Geschafft! Am Underground angekommen spielt Walter. Da gibt's Rival Schools und Quicksand Songs. Herrlich! Bevor Walter dann letztendlich wieder in seinen Tourbus entlassen wird, bietet er an ein Medley zu singen, da er den lautstarken Songwünschen des Publikums nicht Herr wird. Da will man das Smiths Cover \\\\\\\\"How soon is now\\\\\\\\" hören, das sich auf dem \\\\\\\\"Slip\\\\\\\\" Album von Quicksand befindet , \\\\\\\\"Unfulfilled\\\\\\\\" oder auch \\\\\\\\"Landmine Spring\\\\\\\\". Walter lässt sich hinreissen, diese Wünsche zu erfüllen und alle starren selig verklärt auf die karge Bühne des Undergrounds, wie der zottelige Mann mit dem Vollbart einen Klassiker nach dem anderen anspielt. Gehen lassen will man den armen Walter zwar nur ungerne, aber es sei ihm dann nach dem Wunschkonzert à la Walter Schreifels gerne gegönnt. Ob sich dieselbe Begeisterung auch entlädt, wenn Walter uns dann im Dezember mit Walking Concert besucht bleibt allerdings abzuwarten.
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Steven82 16.09.2005 | 13:23:04
..aber der Opening Act hieß Home Of The Lame...und Walters Story über die deutschen Politiker war auch nich zu verachten..."I'm not a fascist...I'm just totally evil[Stoiber]!"
haru_specks 16.09.2005 | 13:29:59
shine on
ihr wenigen, die ihr "tv on the radio" letztes jahr live in düsseldorf gesehen habt: die vorband war "the yellow press". das kommt davon, wenn man vorbands ignoriert.
Marc Isenbuegel 16.09.2005 | 16:32:48
tv on the radio hab ich doch letztes jahr im g9 gesehen. aber ohne vorband, oder ich war mal wieder zu spät.und ja the yellow press sind groß.
Schlüter Zwei 16.09.2005 | 19:56:22
und ich habe tv on the radio in düsseldorf zwar gesehen, the yellow press damals wie heute aber verpasst. schade.
seemon 18.09.2005 | 03:22:19
also:
jetz ma von expert to vollhorst: (ohne jm deskeremenenieren zu wollen)
alder, die vorband von tv on the radio hieß damals READ YELLOW!!!
auch ne super band.
hab mir sogar deren album gekauft, so gut waren die!
aber leider nicht vergleichbar mit THE YELLOW PRESS!
da:
1. der basser bei yellow press ein mann war, der nicht annähernd so gut aussah wie die alte von read yellow. man, war die hot.
2. the yellow press mehr ärsche treten als read yellow. leider war.
hab sie letztes jahr mal gesehen, aber dieses jahr wars noch besser!
ist einfach nur der hit, wenn steven nicht das mikro benutzt sonder das publikum ohne stimmverstärker zusammenstaucht.
wow.
immer wieder gerne!!!
weidermachen.
und recherchieren.
seemon 18.09.2005 | 13:07:28
boah bin ichn klugscheißer, wenn ich blau bin.
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