
Jugendfreunde unter sich
TempEau live in Köln
13.09.2005, 10:19, Text:
Peter Flore,
Peter Flore
10.09. Köln, Blue Shell
Schon wieder eine Filmband! Im Gegensatz zur derzeit auch über die Grand Hotel-Belle Étage hinaus bekannte Hansen Band haben TempEau aus Hamburg in der Indie-Öffentlichkeit bisher wenig bis gar nicht stattgefunden. Kein Wunder, das dazugehörige Road Movie \\\"Blackout Journey\\\" mit Marek Harloff in der Hauptrolle feierte auch grade erst anlässlich des Oldenburger Filmfests Premiere und ist ergo noch nicht großartig in Erscheinung getreten. So tourt die (Film-)Band nun erstmal völlig losgelöst durch deutsche Clubs und mit dem gleichnamigen Album ist man schon flügge geworden, bevor der Film überhaupt in den Kinos anläuft.
Neben Sänger und Bassist (und Schauspieler) Harloff sind mit Jan Plewka und Stephan \\\"Stoppel\\\" Eggert an Gitarre bzw. Schlagzeug immerhin 2/5 der seligen Selig am Start, einen besonderen Effekt hat das aber zumindest auf den Kölner Publikumszulauf wohl nicht gehabt. Im Gegenteil: Ein Großteil der knapp 70 Zuschauer ist wohl wegen der Vorband da, die hört auf den wunderschönen Namen This Ain't Vegas, kommt aus dem britischen Sunderland und hat leicht noisigen Indie-Rock der Marke Sonic Youth eingepackt. Aus der Garage geradeaus - eine gute Richtung. Zudem Fans, die ihnen jetzt schon zu Füßen liegen und aus den Händen fressen - die ersten Reihen im kleinen Blue Shell gehen jedenfalls gut ab und wenn ich mich nicht verhört habe und alles mit rechten Dingen zuging, wurde ein Fan persönlich begrüßt, der der Band schon seit längerem auf Schritt und Tritt folgt. Das neue Album \\\"The Night Don Benito Saved My Life\\\" erscheint passenderweise heute auf Jealous Records - vielleicht keine schlechte Idee, da mal reinzuhören.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde gehen die ersten Zuschauer also merkwürdigerweise schon glücklich und zufrieden nach Hause. So verpassen die noch gut 40 Leutchen also die eigentliche Hauptband, deren Jugendfreunde Marek Harloff und Jan Plewka als leicht derangiert wirkende Feen in blauen Tutus und mit weiß geschminkten Gesichtern die Bühne betreten. Damals, als 9-Jährige gründeten Plewka und Harloff die Schüler-Band \\\"Matsch\\\", später verlor man sich aus den Augen, um sich dank eines schönen Zufalls im Rahmen der Dreharbeiten wiederzutreffen. Jan sollte Marek bei seiner vermeintlichen Film-Band coachen.
Eben diesen Jan Plewka, vormals Sänger, nun an der Gitarre zu sehen ist schon seltsam, für den auf's wesentliche reduzierten und angepunkten Indie-Rock braucht es indes aber auch keinen Virtuosen. Die Texte tragen deutlich Plewkas Handschrift, handeln vom Lieben und Nicht-Mehr-Lieben, vom schönsten aller Zufälle und davon hinauszuschwimmen, möglichst weit auf's offene Meer, in die Freiheit. Marek Harloff singt und schreit und lässt keinen Zweifel daran, dass sie es durchaus erst meinen mit ihrer kleinen Band. \\\"Oktobertag\\\" ist ein melancholischer Seufzer, \\\"Benzin\\\" und \\\"Rage\\\" klingen so wie sie heißen. Und scheinbar kümmert sie der nun schwächere Publikumszuspruch auch recht wenig; zudem ist verbrieft, dass auch alle Anwesenden noch einen durchweg guten Abend haben. Eine Zugabe gibt es noch, die Schminke ist längst verlaufen als ein übermütiger junger Mann ruft: \\\"Spiel' uns noch ein bisschen Selig, Jan!\\\".
Er hat es nicht getan.
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