Rock and Zoll

Jugendkulturfestival in Basel

06.09.2005, 15:22, Text: linus volkmann, linus volkmann

02.09. – 04.09. Basel, Jugendkulturfestival

Eine Reise von Köln nach Basel besitzt, der Schweizophile wird es längst wissen, eine sehr spannende Dichotomie. Einerseits wirkt der Ort viel näher, als es einem der tägliche Blick auf die Wetter- bzw. Deutschlandkarte glauben macht. Und wo man zähe Überstunden und Umsteige-Acts auf den sechs Stunden nach München benötigt, fährt man nach Basel schmiegig durch - und das auch noch in weniger als vier Stunden. Shuttle-Service quasi, fernbeziehungskompatibel. Andererseits erlebt man neben dem Gefühl der räumlichen Nähe auch das totale Auslandsreisen-Flair. Erst deutsche, dann schweizer Grenzer im Zug, sowie gut besetzte Zollstationen, die man im Bahnhof Basel noch passieren muss – und nicht zu vergessen der Geldumtausch, denn Euro ist in der Schweiz nur ein Witz mit schlechtem Kurs.

Hat man das aber alles geschafft, ist man dabei. Namentlich bei dem dreitägigen Jugenkulturfestival, das auf diversen Plätzen in der Innenstadt Hof hält. Mehrere Bühnen, unzählige Schweizer (Nachwuchs)Acts, kein Eintritt und alles voll schulpflichtiger Kids, die ihren ersten Eimer Alcopops ohne Eltern vor Glück kaum fassen können. Samstag Abend betritt nach den mit ihrer aktuellen Platte (\\\\\"Irgendjemand Muss Doch\\\\\") leider arg untergegangenen Kinderzimmer Productions. Denyo mit seiner Band The Denyos die Bühne. Um sein upcoming neues Solo-Album \\\\\"The Denyos\\\\\" vorzuführen. Na gut, an einigen Stellen bedient er sich auch ganz selbstverständlich am Beginner-Repertoire (\\\\\"Fäule\\\\\" etc.), was das Publikum natürlich zu schätzen weiß.

Seine Band besteht aus drei Typen (Percussionist, Saxophon-/Bassspieler, Keyboarder) und einer Sängerin für die smoothen und die dialogischen Parts. Den schlaksigen Keyboarder mit der Mütze hält man eindeutig für Eißfeldt, nur beherztes Schubsen durch die fröhlichen Kids und vor die Bühne ermöglicht dann doch die Falsifizierung. Derweil annonciert Denyo, der alte Gutgeher, was von \\\\\"Positive Energie\\\\\" – und meint dabei nicht Küblböcks erstes Album sondern seinen eigenen Vibe. Wohl dem, der sich nicht von Aggro, Hate-Speech und Macho-Spinnertum im HipHop irritieren lässt. Dennoch eine Spur weniger Sonnenschein könnte Denyo auch nicht schaden. Aber ist ja toll, wenn es ihm super geht und er auf der Bühne rumhoppelt, wie der glückliche Hase und Daddy, der er eben ist.

Sonntag bin ich Juror bei der Democlinic. Das heißt Bands legen in einem Club einen Song von sich auf und kriegen danach gleich die Bewertung einer Jury übergezogen. Neben mir findet sich noch ein Musiker, jemand vom Radio, jemand von Viva Schweiz und ein Labelmacher in eben jener Jury – moderiert wird das Ganze von einem interessanten Mann in FlipFlops und mit Frank-Zappa-Bart. Es gibt viel Rockwettbewerbsmucke und einige Highlights zu hören - vor allem aber schwyzerdütsch. Verzweifelt schaue ich meinen Nebenmann an, wenn wieder gelacht wird, und ich nicht verstanden habe worüber. Er erklärt mir dann alles nochmal in anderen Worten aber immer noch auf schwyzerdütsch. Langsam fürchte ich, die lachen über mich. Ach bestimmt nicht. Denn alle gucken immer sehr freundlich. Je einen Betrag von 500 Franken gewinnen dann letztlich Lamps Of Delta (Post-Hardcore) und Tunnelkid (Emo-Indie). Abends sehe ich auf einer der Bühnen noch die Band Cloudride – Gitarrenpop zwischen Elegie, Song und Wall-Of-Sound-Explosionen. Nicht schlecht, denke ich. Und da ist das Schweiz-Visa auch schon fast wieder abgelaufen. Eigentlich schade.

P.S.: Gute Tiere, die es im Zoo Basel gibt und die man selten oder zumindest sehr gern sieht: Quallen, Seeigel, Stachelschwein, Präriehund und sehr freundliche Esel.



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