Akribie und Pop

Andreas Dorau live

06.09.2005, 11:02, Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Live 05.09.05, Köln, Panoramahaus

Zunächst ein kleiner Einblick in das, was mittags war: Andreas Dorau ist gebucht für einen Slot bei unserer heiß geliebten Kategorie \"Platten vor Gericht\", intern liebevoll-kryptisch nur \"PVG\" genannt. Und Dorau freute sich. Was laut Praktikantin manche Künstler \"in einer Viertelstunde durchprügelten\", nämlich 15 Alben bewerten - Andreas Dorau ließ sich dafür in der Sonne vorm Kölner Panoramahaus rekordverdächtige Zweieinviertelstunden Zeit. Dieser Mann lebt Musik und interessiert sich für Neuerscheinungen, keine Frage. Nebenher machte er sich auf einem Block eigene Notizen, hörte die vermeintlich schlechteren Platten zuerst, um nachher die besseren von den Noten her deutlicher absetzen zu können und feilte endlos und gewissenhaft an seinen Kommentaren.

Erst durch den Hinweis, in einer halben Stunde würden die Türen geöffnet werden und er müsse ja noch soundchecken, verschärfte sich das Tempo. Fazit: Äußerst integer und akribisch, dieser Mann. Unseren Respekt dafür.

Auch beim Konzert gegen 22.30 Uhr, das er mit Liveschlagzeuger, Laptop-Armada und diversen Kostümtieren bestritt, ging er an seine Grenzen. Hier sogar körperlich. Das Licht (\"Die Anlage war sauteuer und hat bestimmt 120 Watt\"), vielmehr die von ihm ausgesandte Hitze machte ihm zu schaffen, so dass Handtücher gereicht werden mussten. Sagte ich Handtücher? Ich meinte Klopapier, die Handtücher des kleinen Mannes. Nicht weiter verwunderlich, man kann sich vorstellen, wie herrlich das komplett verglaste Etablissement in den sonnigen Mittagsstunden die Kölner Hitze aufgesogen hatte. Doch Dorau hielt durch, trotz Hitze und leichten Stimmproblemen. Spielte ca. 75 Minuten vornehmlich viele neue Hits und kundschaftete zusammen mit Eber und Hunde-Bär die schuhschachtelgroße Bühne aus. Dass es sich bei dem schwarz-weißen Etwas, das mal wieder auf der Bühne tanzte, um einen Hunde-Bär handelt, ist übrigens Fakt - ich habe mich bei Dorau erkundigt. Das ordentlich, wenn auch nicht übermäßig erschienene Kölner Publikum (ca. 200) kam nach anfänglichem Zögern gehörig in die Gänge und wollte den angeschlagenen Star auch gar nicht mehr gehen lassen. Nach zwei Zugaben verließ Dorau, körperlich leicht mitgenommen von der Hitze, aber glücklich wirkend die Bühne. Ein schöner Abend - mal wieder. Und Andreas Dorau und Band, für die der Kölner Auftritt eine Art Warm Up der demnächst anstehenden Tour war, sind sicherlich auch um viele Erfahrungen reicher. Zumindest CDs.



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