Unfassbar distanziert

c/o pop - Goldfrapp im Gloria

29.08.2005, 10:00, Text: Sandro Boege, Sandro Boege
[3 Kommentare]

24.08.2005, Köln, Gloria

Etwas irritiert durch den mit 20 Uhr recht früh angesetzten Konzertbeginn findet man sich langsam um halb acht vor dem Gloria ein, um sich in Vorfreude auf das Konzert noch ein Bier zu genehmigen. Genug Zeit, den nicht unerwarteten Besucherstrom in Form einer stetig wachsenden Schlange zu beobachten. Wieviele Goldfrapp-Liebhaber sich allerdings eingefunden hatten, wurde erst so richtig klar, als der Weg in den Konzertsaal gebahnt war, und so beschlich mich nach einem Sekundenbruchteil die Sorge, nicht mehr weit genug nach vorne zu kommen, um halbwegs im Geschehen, und vor allem in der unmittelbaren Schall-Schneise zu sein.

An der Bar schnell noch ein Bier, und schon wurde das Licht gedimmt, um die Vorstellung beginnen zu lassen.

Als jemand der sich eher dem Felt Mountain-Sound verbunden fühlt, ging beim Opener \\"Utopia\\" sofort das Herz auf, fühlte man sich doch an das erste gesehene, und sehr großartige Konzert der Tour zum besagten Album erinnert. Damals übrigens auch schon in einem umgebauten Kino, jedoch im Stuttgart-nahen Ludwigsburg. Die Vorzeichen schienen gut, auch wenn mich das Äußere von Madame Goldfrapp doch sofort irritiert hat, fand ich doch ständig Assoziationen zu Madonna in meinem Kopf wieder, die ich da so überhaupt nicht haben wollte.

Die folgenden Lieder, ich hatte mich inzwischen recht gut nach vorne gekämpft, kamen mit Ausnahme von \\"Deer Stop\\" allesamt von den letzten beiden Alben. Der Sound an sich war fabelhaft. Jedes Instrument, inklusive des Gesangs, perfekt auf die anderen abgestimmt. Spätestens nach den ersten drei Liedern musste ich allerdings, trotz eines wahrlich ambitionierten Publikums feststellen, dass die Musik zwar gut, der Sound wie schon erwähnt perfekt, aber die Band, neben einigen ins Mikro gehetzten Worten zwischen den Liedern unfassbar distanziert schien. Außer einer wunderbaren Theremin-Einlage von Alison Goldfrapp, die zu kurz, und für mich leider auch das größte Highlight des Konzerts darstellte, kam kaum eine Verbindung der Band zum Publikum zustande. Man konnte sich des Eindrucks einer der Perfektion und Routine gewichenen Lust nicht erwehren, und irgendwie hätte das Gloria, um einen passenden Rahmen zu bilden - hier schon wieder diese Madonna-Assoziation - gute 10 Mal größer sein müssen, denn dann hätte die fehlende Intimität, die im Gloria eigentlich gar nicht schwer aufzubauen ist, nicht gestört. So aber, nach fast schon dreisten 50 Minuten Konzertdauer (inklusive Zugabe!) verliess man doch ziemlich enttäuscht den Ort des Geschehens, um sich auf den Weg zur c/o pop Eröffnungsparty im Panoramahaus zu machen. Das, allerdings, ist eine andere Geschichte.



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  • User: afromme
  • afromme 29.08.2005 | 20:26:22

    So lang haben die ja sogar auf dem Hurricane '03 gespielt...
    Da übrigens angenehm kühl (zum Musikstil passend), aber nicht unangenehm distanziert/unbeteiligt.
    Obwohl ich eher weit hinten stand.
    Und ja - Alison am Theremin ist ein Traum, wie ich von jenem Abend weiß :-)

  • User: derbone
  • derbone 08.09.2005 | 19:56:14

    hallo,
    ich war auch am 28.august im kölner gloria um mir goldfrapp anzuschauen, und ich hab ebenfalls das geniale konzert im ludwigsburger scala gesehen (das war noch die felt mountain tour.) sowie den ebenfalls guten Auftritt beim Hurricane 2003 (um ein paar beispiele zu nennen, hab also durchaus einen vergleich)
    würde mich schon als ziemlichen goldfrapp fan bezeichnen. von anfang an hat alison so ziemlich ihren act als diva gepflegt und irgendwo war diese mischung aus giftig-kühler-gefährlicher-sexiness
    immer irgendwie spannend und cool. amüsierend waren auch ihre immer wieder vorkommenden ausfälle mit leuten aus dem publikum in der ersten reihe oder mit der soundcrew. es kam nicht selten vor, dass sie lieder unterbrach und die soundcrew mit fast schon auf vulgäre art anschrie, wenn irgendwas nicht perfekt war. auf der anderen seite dann wieder das schüchtern freundliche lächeln fürs publikum. durch und durch launisch die frau. trotz der genannten distanz, welche ja teil ihres acts war, kam trotzdem in ihren shows sowas wie atmosphäre rüber. Aber das was ich da in Köln erlebt habe war ja wohl der letzte schmäh. lag es daran dass sie gerade erst erkältet war, wie sie nach utopia kurz mitteilte? jedenfalls war das die abgelutschteste, fließbandmäßig-abgespulteste show die ich jemals von goldfrapp erlebt habe, null atmosphäre, null fun, alison wirkte gelangweilt, desinteressiert und routiniert. und die masturbationsnummer mit dem electro effektstick zwischen den beinen (heißt das ding wirklich theremin? nie gehört)
    macht sie nun wirklich schon jahrelang auf JEDEM konzert. ob das in fünf jahren noch jemanden begeistert? sorry, aber ich steig so langsam aus vom goldfrapp vibe. aber für so leute wie mich ist das ja alles nicht mehr gemacht, seit dem dritten album versucht man ja ein etwas anderes marktsegment anzugehen, daher wird nun alles nochmals für die masse die es bisher verpasst hat wiedergekaut und bis zum abwinken wiederholt. der artikelschreiber liegt mit dem madonnagefühl gar nicht so fern, wobei goldfrapps musik dennoch etwas inspirierter sein mag. ...und es kommen noch die kylie fans dazu. das neue album ist nicht wirklich schlecht, aber irgendwie klingt es viel zahmer und kantenlos..eine "light-version" dessen was man bisher getan hat.
    you can never repeat the perfection of a second album :-)

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